Gute Sanierungsberatung braucht einen langen Atem
Vom Leerstandsmanagement über die Sanierungsberatung bis zur Umsetzung: Der Mesnerstadl in Mölten zeigt beispielhaft, wie historische Gebäude erhalten und zugleich nachhaltig weiterentwickelt werden können. Die Plattform Land begleitet die Gemeinde bereits seit mehreren Jahren auf diesem Weg.
Wie kann ein leerstehendes historisches Gebäude erhalten, energetisch verbessert und wieder sinnvoll genutzt werden? Eine Antwort darauf liefert der Mesnerstadl im Ortskern von Mölten. Das Gebäude wurde 2026 nachhaltig saniert und war am 21. September Ziel eines Treffens der Partner des EU-Projekts SUSMAT. Bürgermeister Walter Gruber, Architektin Brigitte Kauntz und die Holzbaufirma Aster stellten den Projektpartnern die erfolgte Sanierung vor. Dabei kamen heimisches Holz sowie weitere ökologische und teilweise wiederverwendete Materialien zum Einsatz. Lokale Fachbetriebe setzten die Arbeiten fachgerecht um. Gleichzeitig wurde das Gebäude gedämmt und beheizbar gemacht. Damit ist künftig eine ganzjährige Nutzung möglich. Ein besonderes Augenmerk lag auf dem Erhalt des traditionellen Charakters. Prägende historische Bauelemente wurden soweit wie möglich bewahrt und behutsam mit neuen Anforderungen verbunden.
Sanierung beginnt lange vor der Baustelle
Die Geschichte des Mesnerstadls zeigt jedoch auch: Eine erfolgreiche Sanierung beginnt nicht erst mit dem ersten Handgriff auf der Baustelle. Bereits 2021 begleitete die Plattform Land die Gemeinde Mölten im Rahmen eines Leerstandsmanagements. Dabei wurden ungenutzte Gebäude erhoben und Möglichkeiten für deren künftige Nutzung untersucht. Aus diesem Prozess entstand in weiterer Folge auch eine konkrete Sanierungsberatung für den Mesnerstadl. Über mehrere Jahre hinweg entwickelte sich daraus Schritt für Schritt ein umsetzbares Projekt. Mit SUSMAT konnte die Beratung nochmals vertieft und mit dem Wissen weiterer Partner aus Forschung, Planung, Handwerk und Gemeindeentwicklung verbunden werden.
Plattform Land: Beratung als Schlüssel zur Aktivierung von Leerstand
Für die Plattform Land bestätigt das Beispiel Mölten einen Ansatz, den sie bereits seit mehreren Jahren verfolgt: Leerstandsmanagement und Sanierungsberatung müssen zusammengedacht werden. Denn ein leerstehendes Gebäude wieder zu nutzen, ist häufig ein komplexer Prozess. Eigentumsfragen, Nutzungsideen, Planungsanforderungen, Kosten, Fördermöglichkeiten und bauliche Herausforderungen greifen ineinander. Eine frühzeitige und unabhängige Beratung kann helfen, diese Fragen zu strukturieren und aus einer ersten Idee ein realistisches Projekt zu entwickeln. Der Mesnerstadl zeigt, dass dafür auch ein langer Atem notwendig ist.
Viele Partner, ein gemeinsames Ziel
Die Umsetzung war nur durch das Zusammenspiel zahlreicher Beteiligter möglich. Dazu zählen die Gemeinde Mölten, die beteiligte Planerin und Handwerksbetriebe sowie die Partner des EU-Projekts SUSMAT: Plattform Land, Eurac Research, Vivius, Confartigianato Imprese Belluno, das Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen sowie die Gemeinden Anras und Filzmoos. Auch bei der Finanzierung wurden verschiedene Instrumente kombiniert. Das EU-Programm Interreg Italien–Österreich kofinanzierte Maßnahmen an der Gebäudehülle. Über das EU-Programm LEADER wurde der Innenausbau unterstützt. Darüber hinaus stellte die Gemeinde Mölten erhebliche Eigenmittel bereit.
Nachhaltiges Sanieren stärkt auch die Ortskerne
Die Wiederbelebung bestehender Gebäude hat nicht nur einen baulichen Nutzen. Sie hilft auch, wertvolle Bausubstanz zu erhalten, Leerstand zu reduzieren und Ortskerne zu stärken. Gleichzeitig werden bereits verbaute Flächen besser genutzt und zusätzliche Bodenversiegelung kann vermieden werden. Die Verwendung regionaler und ökologischer Baustoffe schafft darüber hinaus Wertschöpfung vor Ort und stärkt das Wissen lokaler Handwerksbetriebe.
Nächster Schritt: Nutzung gemeinsam weiterentwickeln
Das Projekt SUSMAT wurde bis zum 31. Dezember verlängert. Dadurch kann Mitte November ein weiteres Netzwerktreffen im Mesnerstadl stattfinden. Neben der Vorstellung und Verbreitung der SUSMAT-Ergebnisse, darunter Material-, Förder- und Sanierungsleitfäden, ist auch ein lokaler Ideenworkshop vorgesehen. Gemeinsam mit der Bevölkerung sollen Nutzungsmöglichkeiten für den Mesnerstadl sowie für den unmittelbar angrenzenden Garten beziehungsweise Platz diskutiert werden. Damit setzt sich der Prozess fort, der bereits mit dem Leerstandsmanagement begonnen hat: Bestehende Potenziale erkennen, Menschen zusammenbringen und gemeinsam tragfähige Lösungen für den Ortskern entwickeln.
Sanierungsberatung der Plattform Land
Die Plattform Land bietet gemeinsam mit Partnern und Fachleuten weiterhin Energie- und Sanierungsberatungen in Südtirol an. Ziel ist es, Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Gemeinden frühzeitig bei Fragen rund um Sanierung, Energieeffizienz, ökologische Baustoffe und Fördermöglichkeiten zu unterstützen. Weitere Informationen: https://www.plattformland.org/sb/