Mensch und Bauernhof im Mittelpunkt
Künstliche Intelligenz kann UaB-Betrieben die Arbeit erleichtern, vor allem in der Kommunikation. Sie ersetzt aber nicht das, was Bauernhofurlaub ausmacht: Authentizität, Gastlichkeit und gute Gespräche, hieß es bei der Fachtagung für Urlaub auf dem Bauernhof.
Der voll besetzte Saal im Meeting- und Eventcenter der Messe Bozen sprach eine deutliche Sprache: Betreiberinnen und Betreiber von Urlaub-auf-dem-Bauernhof-Betrieben aus ganz Südtirol waren zur diesjährigen 26. Fachtagung für Urlaub auf dem Bauernhof gekommen, um sich nicht nur Inspiration von anderen Bauernhöfen zu holen, sondern sich auch zum Thema künstliche Intelligenz zu informieren: Vor allem versprach die Einladung konkrete Anwendungsmöglichkeiten von ChatGPT, Copilot & Co. für UaB-Betriebe. Und so kam es dann auch. Aber zunächst gab Hans J. Kienzl einen Überblick über die Entwicklungen, die die Abteilung Marketing im Südtiroler Bauernbund im auslaufenden Jahr 2026 vorangetrieben hat: Vor allem die neue Website
www.roterhahn.it ist 2026 laufend adaptiert und in einigen Bereichen verbessert worden. Sie erfreut sich großer Beliebtheit. „Im letzten Jahr konnten wir 2,2 Millionen Besucherinnen und Besucher verbuchen, heuer werden es 2,5 werden“, meinte Kienzl nicht ohne Stolz. Zwischen Jänner und Ende September gingen Anfragen von 90.000 Gästen über das entsprechende Widget ein. „Auch ihr habt Großartiges geleistet“, meinte Kienzl in Richtung der Bäuerinnen und Bauern. Denn die Übernachtungen in den heimischen UaB-Betrieben verzeichnen jedes Jahr Zuwächse. Das liegt auch am Angebot: „48 Prozent der Betriebe bieten Frühstück an, 658 Hofläden/Produktecken gibt es inzwischen“, rechnete Kienzl vor.
Neues Angebot: Webseite zum Fixpreis
665 Betriebe nutzen inzwischen das Gästeverwaltungsprogramm. Es stellt eine große Arbeitserleichterung dar. Seit zwei Jahren wird auch der Channel-Manager angeboten, 117 Betriebe nutzen ihn. Und seit einem Jahr gibt es auch die Möglichkeit der Online-Buchbarkeit. 68 Betriebe sind mittlerweile dabei, Tendenz steigend. Was noch ansteht und derzeit von der Abteilung Marketing als weiterer Baustein für die Mitgliedsbetriebe der Marke „Roter Hahn“ erarbeitet wird, ist die Programmierung von Webseiten von UaB-Betrieben zum Fixpreis. Hans J. Kienzl zeigte eine Testversion, die veranschaulichte, wie eine solche Webseite aussehen wird. Sie soll einen hochwertigen Eindruck machen und individuell mit Fotos bestückt werden können. Wenn etwas im Höfeverwaltungsprogramm geändert wird, z. B. die Preise oder Konditionen, so wird das automatisch in die Webseite integriert. Anfang 2027 wird es ein Webinar zu diesem neuen Angebot geben.
Höfe als Grundlage
Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser unterstrich die Bedeutung des Bauernhof-Urlaubs für die Landwirtschaft: Zum einen als weiteres Standbein für Betriebe, aber auch dafür, dass die Gäste am Hof die heimische Landwirtschaft erleben und mit allen Sinnen erfahren können. Das bringe ein Verständnis für das Leben und Wirtschaften am Hof mit sich, das sonst kaum möglich sei. „Den Gästen wird so auch klar, wie sehr Bäuerinnen und Bauern das Landschaftsbild prägen und wie wichtig sie für die Produktion echter, gesunder Lebensmittel sind“, erklärte Gasser. Landesrat Luis Walcher bestätigte: „Urlaub auf dem Bauernhof ist ein Erfolgsfaktor für Südtirol“, erklärte er, denn dieses Angebot mache Familien mit Kindern Landwirtschaft erlebbar. „Unsere Höfe sind die Grundlage für unsere Kulturlandschaft und für einen lebendigen ländlichen Raum.“ Auf das Thema des Hauptreferats eingehend, plädierte er für „KI plus Tiroler Hausverstand“. Die Besucherinnen und Besucher sollten sich Ideen mit nach Hause nehmen, Motivation und vor allem die Gewissheit, dass man bereits vieles gut und richtig mache.
KI als Werkzeug richtig nutzen
Niklas Pichler und Maximilian Grosseck von der Agentur StoryHof in Graz gingen vor allem auf konkrete Anwendungsmöglichkeiten für künstliche Intelligenz im Arbeitsalltag von UaB-Betreiberinnen und -Betreibern ein: Wie man sich Textbausteine für E-Mails erarbeiten lassen kann, Vorschläge für Antworten auf mehr oder weniger gute Gästebewertungen, sympathische Module für die Morgenpost und die Online-Sichtbarkeit des eigenen Betriebes verbessern kann. Sie unterstrichen gleich: „Künstliche Intelligenz soll als Werkzeug dienen, um sich die Arbeit zu erleichtern. Sie ersetzt aber keinesfalls das, was Sie alle ausmacht: der direkte Kontakt zu Ihren Gästen und die Gastfreundschaft, die Sie auf Ihren Höfen leben!“ Dann gaben die beiden Referenten Tipps, wie man richtig „promptet“, also mit der KI kommuniziert: „Man muss der KI eine Rolle und die nötigen Informationen geben, ein konkretes Ziel nennen und die Form bzw. den Stil festlegen“, erklärten die beiden. Das bedeutet beispielsweise für das Beantworten von Bewertungen, dass man zunächst bereits gemachte Antworten hinaufladen sollte, denn sie müssen – wie die restliche Kommunikation – der persönlichen Art der UaB-Betreiber entsprechen. Auf jeden Fall sollte jeder Vorschlag kontrolliert werden, rieten die beiden Experten. „Man kann nicht die ganze Arbeit der KI überlassen, aber etwa 80 Prozent kann sie übernehmen“, hieß es. Für Anfragen und die Korrespondenz mit Kunden könne man sich Textbausteine generieren lassen, die man dann je nach Bedarf verwenden kann. Dasselbe gelte für die Morgenpost, die in der Regel viel Arbeit bedeute, mit KI aber schnell zusammengestellt werden könne. Ebenso wie Newsletter, WhatsApp-Posts und dergleichen. Schließlich ging es darum, wie man als Betrieb über Google besser gefunden werden kann: Dafür solle man zunächst testen, ob man gefunden wird. Falls nicht, könne man nachfragen, wieso. Und sich entsprechend einen Vorschlag machen lassen, wie man sich im Internet präsentieren soll, um über die Google-Suche gut gefunden zu werden. Auch für Social-Media-Content könne man die KI gut nutzen: „Die Geschichten sind ja da, Fotos auch. Manchmal fehlen einfach die Ideen, da kann die KI hilfreich sein“, meinten die Referenten. Mit einem entsprechenden Auftrag (Prompt), einer Auswahl an Bildern/Videos und der Hofmappe als Infomaterial könne man schnell gute Vorschläge bekommen. Zum Schluss gingen Grosseck und Pichler auf Urheberrechte und Transparenzverpflichtungen im Umgang mit KI ein. Sie rieten, alles KI-Generierte zu kennzeichnen, damit könne man sich viele Probleme ersparen. Die verschiedenen Plattformen böten bereits Möglichkeiten dafür.
Der Hofladen als Herzstück
Martina Zimmerhofer vom Lahnerhof in Kematen/Sand in Taufers erzählte den Bäuerinnen und Bauern im Saal, wie sie gemeinsam mit ihrem Mann ihren kleinen Milchviehbetrieb mit vier Ferienwohnungen über die Jahre weiterentwickelt hat. Ein wichtiges Standbein für sie ist der Hofladen, in dem sie ihre Fruchtaufstriche, Brot, Eier, Milch, Kräutersalz, Kaminwurzen und Speck, Säfte und Sirupe anbietet. Sie hat keine Öffnungszeiten, die Kunden klingeln und werden bedient. Die Feriengäste sind gute Kundschaft, niemand reist ohne ein Mitbringsel ab. „Wir sind ein kleiner Betrieb, durch die Wohnungen und die Direktvermarktung – zunächst über den Bauernmarkt und später den eigenen Hofladen – konnten wir aber beide am Hof bleiben“, erzählte Zimmerhofer. Wichtig sei auch, die Gäste an der Landwirtschaft teilhaben zu lassen: Bei der Ernte und im Stall oder auch beim Etikettieren. Das schaffe Verbindung. Vor zwei Jahren haben sie und ihr Mann den Hof an den Sohn übergeben, Verarbeitung und Produktverkauf bleibt aber ihre Aufgabe. Es ist ihre Leidenschaft. Roland Paris vom Sonnwarthof am Schlanderser Nördersberg betreibt mit seiner Familie einen Milchviehbetrieb mit Marillenanbau, zwei Ferienwohnungen, einem Hofladen und einer Photovoltaik-Anlage: „Die fünf Standbeine ergänzen sich ideal“, erklärte er bei der Fachtagung. Der Hofladen ist der Mittelpunkt des Hofes: Hier werden Fruchtaufstriche, Sirupe, Speck, Kaminwurzen, Eier und Milch, Tomatensoße, Gemüse-Antipasto und eingelegte Rote Bete zum Verkauf angeboten. Die Gäste können sich selbst bedienen und tragen sich dann in eine Liste ein. Zum Schluss wird abgerechnet.
Die Regale im Hofladen sind immer voll, denn dann greifen alle gerne zu. Der Raum ist aber auch Treffpunkt, hier wird abgerechnet, man kommt ins Gespräch. Auch zur Stallzeit kommen die Gäste gerne und holen sich Milch und Eier fürs Frühstück. Dann nehmen sich die Bauersleute Zeit, erklären ihre Arbeit und pflegen den Kontakt mit den Urlaubern. Kathrin Mairunteregger führt gemeinsam mit ihrem Mann, den Kindern und Schwiegereltern den Waldharthof in Natz-Schabs: Sie bauen Äpfel an, haben Urlaub auf dem Bauernhof, Katzen, Hasen, Alpakas, Lamas und Hennen. Im eigenen Hofladen werden Fruchtaufstriche, Säfte und Apfelchips, Chutneys, Kräutersalz und -tees sowie Eier angeboten. Alles kreist rund um den Apfel. Das macht sich auch in der Einrichtung der Ferienwohnungen bemerkbar. Der Hofladen ist zugleich Aufenthaltsraum und Treffpunkt. Zudem bietet der Hof Verkostungen, Lamatrekking mit Marende und Hofführungen an. Seit Neuestem kann man auch ein Picknick in den Apfelwiesen buchen. All das schafft Berührungs- und Begegnungsmöglichkeiten mit Gästen – den eigenen und jenen von außerhalb. Und damit die Möglichkeit, ihnen die Landwirtschaft zu erklären und so manches Produkt zu verkaufen. Als Abschluss sprach der Mediziner Wolfgang Hofmeister über elementares Wohlgefühl – Feuer und Eis treffen Gefühl und Wissen.
Die UaB-Fachtagung ist ein Magnet. Auch heute war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt.