Mut für den Wandel
Bei der Jahrestagung der Plattform Land vergangene Woche in Tramin wurde klar: Der ländliche Raum steht vor großen Umbrüchen. Wer Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt gemeinsam denkt, kann den Wandel aktiv nutzen.
Der ländliche Raum verändert sich stark. Doch gerade darin liegen auch Chancen. Das zeigte die Mitgliederversammlung und Jahrestagung der Plattform Land. Die zentrale Botschaft lautete: Zukunft entsteht dort, wo wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Entwicklungen gemeinsam gedacht und aktiv gestaltet werden. Schon zu Beginn machte Präsident Andreas Schatzer deutlich: „Die Herausforderungen unserer Zeit können wir nur gemeinsam stemmen. Austausch und gemeinsame Entwicklung stehen im Zentrum. Die Jahrestagung soll gute Beispiele und die Chancen des Wandels aufzeigen.“
Neuer Vorstand gewählt
Bei der Mitgliederversammlung wurde der Vorstand neu aufgestellt. Neu gewählt wurden Monica Devilli vom Coopbund als Präsidentin und Daniel Gasser vom Südtiroler Bauernbund als Vizepräsident. Wiedergewählt wurden Michl Ebner von der Handelskammer Bozen, Landesrat Luis Walcher sowie Andreas Schatzer, der als Präsident bestätigt wurde. Peter Gliera von der Vereinigung der Südtiroler Freiberufler ist Rechnungsprüfer. Mit der Basis Vinschgau Val Venosta wurde zudem ein langjähriger Projektpartner als neues Mitglied aufgenommen. Inhaltlich zog sich ein klarer roter Faden durch die Tagung: Demografischer Wandel, Klimakrise, Digitalisierung und Globalisierung wirken gleichzeitig und verstärken sich gegenseitig. Thomas Egger von der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete zeigte die Risiken auf: Fachkräftemangel, Abwanderung und Druck auf die Grundversorgung. Gleichzeitig entstehen neue Chancen für Innovation, regionale Wertschöpfung und touristische Angebote. Entscheidend sei, diese Potenziale vor Ort aktiv zu nutzen.
Wirtschaftliche Entwicklung lässt sich dabei nicht von gesellschaftlichen Veränderungen trennen. Carmen Plaseller, Bürgermeisterin der Gemeinde Lüsen, erklärte, dass sich Familienstrukturen stark verändern. Die Bevölkerung altert, wächst nur noch durch Zuwanderung, Haushalte werden kleiner, die Geburtenrate sinkt. Gleichzeitig steigt die Erwerbstätigkeit von Frauen. Betreuung und Pflege werden aber weiterhin großteils von Frauen getragen. So wächst der Druck auf das System: Betriebe suchen dringend Arbeitskräfte, während die Care-Arbeit zunimmt. Parallel dazu verschärft der Klimawandel die Lage. Sonja Abrate vom Ökoinstitut Südtirol zeigte, dass die Folgen bereits spürbar sind: steigende Temperaturen, Extremereignisse und sinkende Schneesicherheit. In St. Ulrich gibt es etwa 37 Prozent weniger Schnee. Das betrifft nicht nur den Tourismus, sondern auch Wasserhaushalt, Energieproduktion und Landwirtschaft. Klimaanpassung wird damit zu einer zentralen Aufgabe für viele Bereiche: Raumplanung, Wassermanagement, klimaresiliente Wälder sowie Entsiegelung und Begrünung von Ortskernen. Solche Maßnahmen verbessern zugleich die Aufenthaltsqualität und fördern den sozialen Austausch. Auch die Wirtschaft ist ein Motor des Wandels. Das Südtiroler Unternehmen Dr. Schär, vorgestellt von Hannes Berger, zeigt, wie Spezialisierung, Innovation und internationale Vernetzung globale Märkte erschließen und zugleich hochwertige Arbeitsplätze im ländlichen Raum sichern.