Rasche Hilfe, die ankommt
Seit 1990 steht der „Bäuerliche Notstandsfonds – Menschen helfen“ (BNF) Menschen in Südtirol zur Seite, die unverschuldet in existenzielle Not geraten sind. Bei der Jahresversammlung in Marling blickte der BNF auf ein beeindruckendes und bewegtes Jahr zurück.
Was vor mehr als 35 Jahren als solidarische Initiative begann, ist heute eine tragende Säule der sozialen Hilfe im Land. Sepp Dariz, der dem BNF seit dessen Gründung als Obmann vorsteht, erinnerte bei der Versammlung: „Möglich ist diese Unterstützung vor allem dank der großen Hilfsbereitschaft unzähliger Spenderinnen und Spender sowie des außergewöhnlichen Engagements vieler Freiwilliger.“ Dariz dankte auch für das große Vertrauen, das dem Hilfsfonds von der Südtiroler Bevölkerung entgegengebracht wird. „Dieses Vertrauen ist für uns Ansporn und Verpflichtung zugleich. Es bringt eine große Verantwortung mit sich, stärkt den Vorstand aber auch und motiviert, die wichtige Arbeit konsequent fortzusetzen.“
Dariz bleibt Obmann, Vorstand zur Hälfte neu
Dieser Vorstand wurde unmittelbar vor der Versammlung für die kommenden vier Jahre neu gewählt: An der Spitze bleibt Dariz dem BNF ein letztes Mal als Obmann erhalten, hinter ihm kommt es aber zu einem größeren Wechsel: Die langjährigen Vorstandsmitglieder Leopold Kager, David Hofer, Karin Höller und Gertraud Gemassmer scheiden aus dem Vorstand aus, für sie rücken – aufgeteilt auf die einzelnen Bezirke – Brigitte Augschiller (Bozen und Umgebung), Daniela Erhard (Vinschgau), Thomas Wieland (Eisack- und Wipptal) und Sonia Salamon (Burggrafenamt) nach. Georg Reden, Paul Steger, Monika Brigl, und Katherina Mittermair bleiben dem Vorstand erhalten. Dariz dankte vor allem den ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedern für ihren langjährigen, verantwortungsvollen Einsatz und ihre Menschlichkeit. In seinem Tätigkeitsbericht stellte Dariz die einmal mehr beeindruckenden Zahlen zum BNF-Jahr 2025 vor: 128 Unterstützungsanfragen bearbeitet, in 109 Fällen eine konkrete Hilfeleistung beschlossen. „Auch im vergangenen Jahr war mehr als die Hälfte der unterstützten Familien nicht bäuerlicher Herkunft“, berichtete Dariz. Das sorge mitunter durchaus für Diskussionen, weil es ja schließlich „Bäuerlicher Notstandsfonds“ heiße. „Ich bin aber überzeugt: Wir als bäuerliche Familie können stolz darauf sein, dass aus unseren Reihen eine Südtiroler Hilfsorganisation gewachsen ist, die für alle unverschuldet in Not Geratenen im Land da ist“, betonte Dariz. Schwere Krankheiten, körperliche Beeinträchtigungen und Todesfälle, aber auch betriebliche Notsituationen sowie Brand- und Unwetterereignisse führten neben menschlichem Leid vielfach auch im vergangenen Jahr zu erheblichen finanziellen Schwierigkeiten.
Fast 2,4 Mio. Euro Spenden gesammelt und verteilt
Auch die finanziellen Kennzahlen verdeutlichen die Dimension der Arbeit des BNF: Im Jahr 2025 gingen rund 2,39 Mio. Euro an Spenden ein. Diese stammten mehrheitlich aus freiwilligen Einzelspenden von Privatpersonen, Firmen und bäuerlichen Organisationen, aber auch aus eigenen sowie gemeinsam getragenen Benefizaktionen. 2,38 Mio. Euro konnten im selben Zeitraum für verschiedenste Unterstützungsmaßnahmen an Betroffene ausbezahlt werden, darunter auch rund 215.000 Euro als indirekte Unterstützungsbeihilfen für Hilfsprojekte (Holzblockhäuser/Wohncontainer, Projekt „Lebendig trauern“) und an andere Organisationen (z. B. Lebensmittel für den Banco Alimentare, für periphere Lebensmitteltafeln). Für Fälle, bei denen es um körperliche Beeinträchtigungen oder Krankheiten ging, wurden knapp über eine Million Euro, bei Todesfällen knapp weniger als eine Million Euro ausbezahlt.
Soforthilfe und langfristige Perspektiven
Gerade bei Krankheits- und Todesfällen ist es notwendig, rasch und unbürokratisch Hilfe zu leisten. Häufig tritt dabei auch „versteckte Armut“ zutage, etwa wenn Familien aufgrund von Schulden, Einkommensausfällen oder Pflegekosten in finanzielle Bedrängnis geraten. Mit gezielten Projekten ergänzt der Bäuerliche Notstandsfonds seine finanzielle Unterstützung durch nachhaltige Hilfe: Über „Zukunft schenken“ erhalten Kinder und Jugendliche aus Notlagen Schul- und Studienbeihilfen, um ihre Ausbildung fortsetzen zu können. Dank der langjährigen Partnerschaft mit dem Kiwanis Club Bozen konnten im vergangenen Jahr 28 Schülerinnen, Schüler sowie Studierende unterstützt und begleitet werden. Holzblockhäuser und Wohncontainer kommen nach Brand- oder Naturkatastrophen als rasche Übergangslösung, häufig aber auch bei dringenden Sanierungsarbeiten auf Höfen zum Einsatz. Ergänzt wird das Angebot durch die Krisen- und Trauerbegleitung von Familien und Einzelpersonen in schwierigen Lebenslagen oder nach einem Todesfall. Diese wird von ausgebildeten Trauerbegleiterinnen angeboten, die seit 2024 auch das Projekt „Lebendig trauern“ für Kinder und Jugendliche im Auftrag des BNF leiten. Junge Menschen, die den Verlust eines Angehörigen oder einer nahestehenden Person verarbeiten müssen, können dies gemeinsam tun – an vier Tagen und an einem besonders geschützten Ort, inmitten der Natur. Für Frauen in Not stellt der BNF seit 2024 zudem eine Übergangswohnung zur Verfügung, die dank der Zusammenarbeit mit den Sozialdiensten Eisacktal und der „Bürger*innengenossenschaft b*coop Brixen“ einen geschützten Wohn- und Entwicklungsraum bietet. Die Weihnachts- und Glückwunschkarten-Aktion ist bereits seit 1994 fixer Bestandteil der Tätigkeit des Bäuerlichen Notstandsfonds, im vergangenen Jahr wurden knapp 34.000 Karten gegen eine Spende verkauft.
Ein besonders wertvolles Projekt im vergangenen Jahr war die Übergabe eines rundum sanierten Mähtracs an eine Bergbauernfamilie im Vinschgau. Unter der Leitung ihres Landtechnik-Praxislehrers Florian Spiess hatten Schülerinnen und Schüler der Fachschule Salern über zwei Schuljahre ein altes Mähgerät wieder auf Vordermann gebracht und über Vermittlung des Bäuerlichen Notstandsfonds an die Familie im Vinschgau übergeben. Florian Spiess stellte das Projekt bei der BNF-Versammlung vor und freute sich über den gelungenen Abschluss: „Wir alle, die Schüler und auch ich, haben bei dem Projekt sehr viel gelernt – nicht nur für die Praxis, sondern auch in Sachen Menschlichkeit und Einfühlungsvermögen.“
Keine Spendengelder für Verwaltungskosten
Ein zentrales Prinzip des Bäuerlichen Notstandsfonds bleibt unverändert: Spendengelder kommen ausschließlich den Betroffenen zugute. Verwaltungskosten werden bewusst nicht aus Spenden finanziert. Um dieses Modell aufrechtzuerhalten, ist die Unterstützung der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler von großer Bedeutung, betonte Obmann Dariz: „Drei Viertel unserer Verwaltungsausgaben konnten wir dank der 5-Promille-Zuweisungen decken. Dafür sind wir sehr dankbar.“ Alle Vorstandsmitglieder arbeiten ehrenamtlich und erhalten lediglich eine Vergütung der Fahrtspesen.
„BNF steht für Verlässlichkeit und Zusammenhalt“
Musikalisch gestaltet wurde die BNF-Versammlung auch in diesem Jahr von der jungen Algunder Sängerin Sibylle Siller. Von den anwesenden Ehrengästen gab es lobende Worte und viel Anerkennung für die Arbeit des BNF. Landesbäuerin Antonia Egger lobte den Einsatz aller bäuerlichen Funktionäre bei den verschiedenen Aktionen: „Bäuerliche Familien sind heute auch sehr feinfühlig, was die Not ihrer Nachbarn angeht. Der BNF hat uns gelehrt, dass es wichtig ist, auf andere Menschen in unserem Land zu schauen. Auch dadurch erklärt sich wohl der große Anteil nichtbäuerlicher Fälle.“ Zum Internationalen Jahr der Bäuerinnen habe der BNF gemeinsam mit der Bäuerinnenorganisation ebenfalls eine Aktion gestartet. Landwirtschafts-Landesrat Luis Walcher dankte dem Notstandsfonds für seine professionelle und verlässliche Arbeit: „Der BNF steht für Verlässlichkeit und Seriosität und er ist der beste Beweis dafür, dass die Südtirolerinnen und Südtiroler nicht nur gerne und viel arbeiten, sondern nach wie vor auch anderen Menschen im Land helfen wollen.“ Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser sicherte dem BNF auch in Zukunft die volle Unterstützung des Südtiroler Bauernbundes zu. Soziallandesrätin Rosmarie Pamer bezeichnete den BNF als „Vorbild für den großen sozialen Zusammenhalt in der Südtiroler Gesellschaft.“
Der neue BNF-Vorstand: (v. l.) Brigitte Augschiller, Daniela Erhard, Sonia Salamon, Sepp Dariz, Thomas Wieland, Paul Steger, Monika Brigl, Georg Reden und Katherina Mittermair