Der Saal im Waltherhaus war - wie immer bei der Mitgliederversammlung der SBJ - voll besetzt.

Wurzeln stärken, Heimat leben

Bei ihrer 56. Mitgliederversammlung am heutigen 8. März im Bozner Waltherhaus stellte die Südtiroler Bauernjugend Gemeinschaft, Verantwortung und bäuerliche Zukunft in den Mittelpunkt. Höhepunkte waren Auszeichnungen für engagierte junge Bauernfamilien, Traditionsprojekte und langjährige Funktionäre.

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Bauernjugend

Ganz im Zeichen des Mottos „Wurzeln stärken, Heimat leben“ stand die 56. Mitgliederversammlung der Südtiroler Bauernjugend im Waltherhaus in Bozen. Deutliche Worte dazu fand Landesobmann Raffael Peer. Gleich zu Beginn spannte er den Bogen weit und sagte: „Auf die Frage, wo es am schönsten ist, antworten viele ,Drhoam‘!“ Heimat sei für ihn nicht nur ein Ort, sondern auch ein Gefühl, ein Raum der Zugehörigkeit, der Kraft und des Zusammenhalts. Gerade Vereine und Verbände, so Peer, trügen wesentlich dazu bei, Heimat lebendig zu halten. Peer verband diesen Heimatbegriff mit einem klaren politischen und bäuerlichen Anspruch. „Es braucht die Menschen, die den Begriff aktiv lebendig halten“, sagte er und verwies zugleich auf die wachsenden Belastungen für die Landwirtschaft. Komplizierte Regeln, fehlendes Verständnis für die Realität am Hof und fragwürdige politische Entscheidungen würden gerade junge Bäuerinnen und Bauern zunehmend verunsichern. Als Beispiele nannte Peer den Umgang mit dem Großraubwild und die EU-Renaturierungsverordnung. Diese Entwicklungen ließen viele daran zweifeln, ob es noch Sinn mache, „in diesen Beruf einzusteigen und den elterlichen Hof zu übernehmen“. Verantwortung für die Heimat zu übernehmen, hieß für Peer auch, das Erbe der Eltern und Großeltern weiterzutragen und mit Stolz in die Zukunft zu führen: „Wir müssen unsere Zukunft selbst bestimmen.“

Junge Menschen beim Erhalt ihrer Heimat unterstützen
Landesleiterin Viktoria Kössler kam am Ende der Versammlung noch einmal auf das Tagesmotto zurück und zitierte den Südtiroler Autor Joseph Zoderer: „Heimat heißt für viele von uns so etwas wie Nest, also Sicherheit, Ruhe, Gewohnheit und vor allem Vertrautheit. Dem können wir als Südtiroler Bauernjugend, die wir uns für ehrenamtlich für das Dorfleben einsetzen sowie Bräuche und Traditionen pflegen, nur beipflichten.“ Die Herausforderung heute sei es, die Begeisterung für die Landwirtschaft an die junge Generation weiterzugeben. „Wer junge Menschen für die Landwirtschaft motivieren will, der muss ihnen den Raum zur Selbstverwirklichung geben. Daneben brauchen sie aber auch finanzielle Sicherheit und einen möglichst geringen Bürokratieaufwand. So holen wir die Menschen, die zum Studium ins Ausland gehen, wieder an den heimatlichen Hof zurück“, zeigte sich Kössler überzeugt und nannte ein konkretes Beispiel: Wenn der Staat qualifizierte junge Leute mit steuerlichen Begünstigungen wieder zurück ins Land holen will, sei das gut und löblich, man dürfe aber auch nicht auf jene vergessen, die auch zu Studienzeiten das Land nie wirklich verlassen haben.

Raiffeisen-Jungbergbauernpreis an Vinschger Familie
Ein Höhepunkt der Mitgliederversammlung war die Vergabe des mit 11.000 Euro dotierten Raiffeisen-Jungbergbauernpreises. Ausgezeichnet wurde Alexandra Tröger mit ihrer Familie vom Aigenhof am Schlanderser Nördersberg. In der Laudatio wurde die Familie als Vorbild für eine vielseitig geführte Berglandwirtschaft beschrieben. Mit großem Einsatz, generationenübergreifendem Zusammenhalt und viel Herzblut bewirtschafte sie ihren Hof und schaffe damit eine starke Grundlage für die Zukunft. Auch der Wettbewerb „GE®MEINSAM erhalten“ rückte gelebte Verantwortung für Südtirol in den Mittelpunkt. Grundlage dafür war eine Erbschaft, die seit 2021 Projekte zugunsten von Bergbauern, Brauchtum und deutscher Sprache förderte. Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde das Projekt „Stegmühle in St. Pankraz“ vorgestellt und ausgezeichnet. Eine Interessentschaft aus sieben Bergbauernhöfen hatte sich zum Ziel gesetzt, die historische Mühle wieder aufzurichten und damit bäuerliches Eigentum, traditionelle Bauernarbeit und kulturelles Wissen zu bewahren.

Sechs Ehrenzeichen in Gold verliehen
Einen besonderen Moment bildete zudem die Verleihung der Ehrenzeichen in Gold. Mit dieser Auszeichnung würdigte die Südtiroler Bauernjugend sechs langjährige Funktionäre für ihren unermüdlichen Einsatz, ihre Hingabe und ihre Verdienste um den Verband. Ihr langjähriges Engagement hatte die Arbeit der Bauernjugend wesentlich mitgetragen und weiterentwickelt. Das Ehrenzeichen in Gold erhielten Thomas Mauroner, Florian Spiess, Renè Obexer, Martin Mussner, Hannah Aichner und Daniel Sprenger.

Grußworte der Ehrengäste
In den Grußworten nahmen drei Ehrengäste noch zu aktuellen Themen Stellung: EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann räumte ein, dass in der EU-Agrarpolitik vieles gut, aber lange nicht alles perfekt laufe: „Es liegt an uns, das zu ändern. Wir brauchen auch weiterhin eine Verlagerung der Gelder von größeren auf kleinere Betriebe und von den Gunstlagen hin zu Gebieten, die schwieriger zu bewirtschaften sind. Auch müsse die Politik sich manchmal zurücknehmen und die Menschen gestalten lassen, statt sie mit immer neuen Regeln einzuschränken. Landwirtschafts-Landesrat Luis Walcher erklärte, dass die Künstliche Intelligenz zwar manches erleichtern, aber die bäuerliche Arbeit niemals ersetzen könne: „Am Ende werden wir immer noch bäuerliche Familien brauchen, die Landwirtschaft betreiben und damit die Menschen ernähren“, betonte Walcher. Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser erinnerte schließlich an die finanzielle Unterstützung, die auf den ersten Blick im Landeshaushalt seit Jahren stagniert: „Tatsächlich ist es gerade in den vergangenen zwei Jahren gelungen, neue Gelder freizumachen für die Almwirtschaft und die Waldwirtschaft. „Daneben versuchen wir auch auf Staats- und EU-Ebene immer wieder, neue Fördermöglichkeiten für unsere Landwirtschaft zu finden und nutzbar zu machen.“

Süße Überraschung zum "Tag der Frau"
Eine Überraschung hatte Raffael Peer abschließend noch für alle weiblichen Mitglieder parat: „Jede Frau erhält von uns eine Rose aus Schokolade, gesponsert von der Firma Loacker. Die Südtiroler Bauernjugend spendet für jede überreichte Rose den doppelten Wert an die Frauenhäuser in Südtirol. So möchten wir den Frauen heute nicht nur eine kleine Freude bereiten, sondern damit auch Gutes tun“, verkündete Peer und erntete dafür besonders viel Applaus.

Der Raiffeisen-Jungbergbauernpreis ging in den Vinschgau.

Beim Wettbewerb „GE®MEINSAM erhalten“ wurde das Projekt „Stegmühle in St. Pankraz“ vorgestellt und ausgezeichnet.

Bernhard Christanell

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