Auch bei der notwendigen Überprüfung von Maschinen wie einem Herbizidgerät ist der Maschinenring gefragt. 

Der Durchbruch kam mit dem Christkind

Vor gut 25 Jahren – Ende Dezember 2000 – erhielten die Maschinenringe in Südtirol endlich eine klare rechtliche Grundlage. Vorausgegangen waren jahrzehntelange Aufbauarbeit, politische Überzeugungskraft und viel Einsatz in Rom.

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Wirtschaft

Ende Dezember 2000 gelang in Rom ein politischer Schritt, der für die Maschinenringe in Südtirol entscheidend wurde. Im staatlichen Haushaltsgesetz für das Jahr 2001 wurde eine Bestimmung eingefügt, die die überbetriebliche Zusammenarbeit der Bauern im Maschinenring rechtlich absicherte. Was heute wie ein nüchterner Gesetzesartikel wirkt, war damals das Ergebnis jahrelanger Überzeugungsarbeit. Der damalige SVP-Abgeordnete Siegfried Brugger verhandelte die Änderung mit Ugo Sposetti, dem zuständigen Vertreter der damaligen Regierungsmehrheit: „Ziel war es, in Rom verständlich zu machen, dass der Maschinenring nicht nur für Südtirol sehr wertvoll, sondern für ganz Italien ein Vorbild sein konnte“, erinnert sich Brugger. Bis dahin bewegte sich die gegenseitige Hilfe der Bauern in einer rechtlichen Grauzone. Unklar war vor allem, wie der Austausch von Maschinen und Arbeitsleistungen steuerrechtlich zu behandeln war. Auch Helga Thaler Ausserhofer, damals Senatorin, erinnert sich an viel Aufklärungsarbeit: „Die Maschinenring-Idee war für Südtirol enorm wichtig. Deshalb haben wir in Rom hartnäckig dafür gearbeitet, Verständnis zu schaffen.“ Der Beschluss vom 23. Dezember 2000 war der politische und rechtliche Durchbruch für eine Idee, die in Südtirol schon seit über drei Jahrzehnten gewachsen war. Die Wurzeln der Maschinenringe reichen im Pustertal bis in die 1960er-Jahre zurück. Der Grundgedanke kam von Erich Geiersberger. Er verstand den Maschinenring als Modell gegenseitiger bäuerlicher Hilfe. Nicht jeder Betrieb sollte jede Maschine selbst kaufen müssen. Maschinen, Arbeit und Wissen sollten gemeinsam genutzt und gut organisiert werden. So konnten Kosten gesenkt, Arbeitskräfte besser eingesetzt und bäuerliche Betriebe wirtschaftlich gestärkt werden.

Das Pustertal war Vorreiter
Das Pustertal war dafür besonders geeignet, weil dort im Vergleich zu vielen Berggebieten mehr Ackerbau betrieben wurde. Maschinen wie Sämaschinen, Mähdrescher konnten überbetrieblich besonders sinnvoll eingesetzt werden. Dazu kamen Kontakte nach Osttirol, wo die Maschinenring-Idee bereits Fuß gefasst hatte. Anton Mairhofer, heute Obmann vom Maschinenring Südtirol und seit Jahrzehnten mit der Organisation verbunden, beschreibt den praktischen Nutzen: „Wenn ein Bauer eine Maschine nicht nur für den eigenen Hof, sondern auch für andere Betriebe einsetzte, konnte er eine bessere Maschine kaufen. Gleichzeitig sammelte er mehr Erfahrung und konnte anderen Betrieben fachlich helfen.“ Gerade bei der Getreideernte war das wichtig. Im Pustertal wurden damals rund 1.300 Hektar Getreide angebaut. Die Mähdrescher mussten zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Ohne Koordination war das nicht möglich. 1973 folgte die Gründung des Maschinen- und Beratungsrings Pustertal. Schon damals ging es nicht nur darum, Maschinen zu vermitteln. Der Maschinenring organisierte auch Sammelbestellungen für Handelsdünger und Saatgut, koordinierte die Mähdrescher und übernahm damit wichtige Dienste für die Mitglieder. 1974/75 zählte der Ring bereits 350 Mitglieder in 18 Ortsgruppen. 

Suche nach tragfähiger Lösung
Mit dem Wachstum kamen neue Probleme. Mit der Einführung der Mehrwertsteuer wurde die Verrechnung zwischen den Mitgliedern komplizierter. In den 1980er- und frühen 1990er-Jahren suchte man weiter nach einer tragfähigen rechtlichen Lösung. 1996 setzte der Maschinenring Pustertal ein klares politisches Zeichen: Er legte eine Resolution zur Legalisierung der Maschinenringe vor. Die Botschaft war eindeutig: Die Maschinenringe waren für die Landwirtschaft wichtig, brauchten aber endlich rechtliche Sicherheit. Die Resolution fand Unterstützung, vor allem bei Siegfried Brugger und Helga Thaler Ausserhofer, die damals die ersten Ansprechpartner für die bäuerlichen Anliegen in der Abgeordnetenkammer bzw. im Senat waren. Dass der Durchbruch Ende 2000 gelang, war das Ergebnis vieler Jahre Vorarbeit. In Rom musste erklärt werden, warum der Maschinenring keine gewöhnliche Dienstleistungsstruktur war. Er war eine organisierte Form bäuerlicher Selbsthilfe. Die Änderung im Haushaltsgesetz – eingebracht von Siegfried Brugger in der Kammer – beseitigte die Unsicherheit. Sie gab den Maschinenringen die Möglichkeit, offiziell zu arbeiten, Abrechnungen korrekt vorzunehmen, Veranstaltungen zu organisieren, Versicherungsfragen anzugehen und die Zusammenarbeit landesweit auszubauen. Brugger weiß, wem er den Durchbruch damals zu verdanken hatte: „Ugo Sposetti von der damaligen Regierungspartei PD hat die Änderung im Haushaltsgesetz voll mitgetragen. Er war ein sehr genauer, aber verlässlicher Partner.“

Rasche Entwicklung 
Die Folgen zeigten sich rasch. 2003 wurde der Landesverband der Südtiroler Maschinenringe gegründet. Damit wurden die Maschinenringe in Südtirol neu organisiert und stärker zusammengeschlossen. Der Landesverband übernahm zentrale Verwaltungsaufgaben. Die Bezirke kümmerten sich weiter um die direkte Betreuung der Mitglieder und um die praktischen Dienstleistungen. So entstand eine Struktur, die regionale Unterschiede berücksichtigen konnte: den Ackerbau im Pustertal, die Viehwirtschaft sowie die Obst- und Weinbaugebiete. Ein weiterer Meilenstein war 2007 die Gründung der Maschinenring Service GmbH, kurz SAM. Damit konnte der Maschinenring auch nichtlandwirtschaftliche Dienstleistungen anbieten. Dazu gehörten etwa die Grünraumpflege, Arbeiten im Forst- und Holzbereich, Leistungen für öffentliche Auftraggeber. Heute ist der Maschinenring ein moderner Dienstleister. Gefragt sind unter anderem ­Bodenbearbeitung, Erntetechnik, Silageketten, Spritztechnik, Feldspritzenüberprüfungen, gemeinsame Einkäufe, Treibstoffbestellungen, Versicherungen, Weiterbildung, Vorführungen und Beratung. Digitalisierung, GPS-Technik, Drohnen und auch künstliche Intelligenz werden die Landwirtschaft weiter verändern. Der Maschinenring sieht seine Aufgabe darin, solche Entwicklungen aufzugreifen, Vorführungen zu organisieren, Wissen weiterzugeben und die Mitglieder auf neue Anforderungen vorzubereiten – auch 25 Jahre nach dem entscheidenden Durchbruch, der mit dem Christkind kam. 

Helga Thaler Ausserhofer und Siegfried Brugger (v. l.) leisteten in Rom ganze Arbeit. 

Bernhard Christanell

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