Qualität, Herkunft und ein hoher Veredelungsgrad sind die strategischen Weichen, die die heimische Milchwirtschaft erfolgreich machen.

Milchwirtschaft: starkes Netzwerk

Auf ein gutes Jahr blickt die Südtiroler Milchwirtschaft zurück. Das Ergebnis konsequenten Qualitätsstrebens und eines starken Netzwerks hieß es bei der Vollversammlung des Sennereiverbandes. So gerüstet, könne man die kommenden Herausforderungen angehen. Und die werden 2026 größer.

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Wirtschaft

Südtirols (zehn) Milchhöfe haben ihren Mitgliedern im letzten Jahr insgesamt 270 Millionen Euro an Milchgeld ausbezahlt. Pro Kilogramm Milch sind das durchschnittlich 71,49 Cent und damit wieder mehr als in den Jahren zuvor. Im internationalen Vergleich ein Spitzenpreis, wie Joachim Reinalter, Obmann des Sennereiverbandes Südtirol bei der Vollversammlung im Haus der Tierzucht unterstrich. „2025 war für uns ein gutes Jahr mit zufriedenstellendem Ergebnis“, resümierte er. Geschuldet sei dies vor allem der Strategie, die man seit Jahren konsequent verfolgt:  Südtirols Milchwirtschaft setzt auf Qualität, Herkunft und eine intensive Zusammenarbeit zwischen den Milchhöfen. Auch die Menge an angelieferter Milch ist gestiegen, um 2,7 Prozent im Vergleich zum Jahr zuvor. „Bedauerlich aber erst in den letzten vier Monaten“, erklärte Reinalter, ein Trend, der für ganz Europa und weltweit gilt: Die Milchanlieferung in den 27 EU-Ländern ist im Jahr 2025 um 1,6 Prozent auf 148 Millionen Tonnen gestiegen. Vor allem die großen Produktionsländer wie Deutschland
(22 % der Gesamtproduktion), Frankreich (16 %), die Niederlande (9 %) trugen dazu bei, aber auch in Polen (+3,3 %) und in Irland (+5 %) gab es Zunahmen in der Milchproduktion. In Italien gab es einen Zuwachs von 1,5 Prozent. 

Die Menge macht den Preis
„Die Menge macht den Preis, das ist eine Herausforderung für uns“, unterstrich der Obmann des Sennereiverbandes. Die Entwicklungen im Nahen Osten lassen zudem die Rohstoffpreise in die Höhe gehen, dadurch steigen die Produktionskosten. Das verheiße schwierige Zeiten, meinte Reinalter. „Trotzdem sind wir zuversichtlich, denn wir sind gut aufgestellt“, erklärte der Obmann und unterstrich den Wert der vielen fleißigen Bergbäuerinnen und -bauern, der starken Genossenschaften und ihrer guten Vernetzung und des schlagkräftigen Verbandes. Gemeinsam habe man sich klar für Produktveredelung, hohe Tierwohlstandards und ein ehrliches Qualitätsversprechen gegenüber Kundinnen und Kunden entschieden, mit dieser Basis werde man wie bisher das Beste für die Mitglieder herausholen. Erstmals habe man im abgelaufenen Jahr in Zusammenarbeit mit IDM Südtirol einen gemeinsamen Werbespot im italienischen Fernsehen geschaltet. Flankiert durch Spots einzelner Milchhöfe, um die Marken in den Köpfen der Konsumentinnen und Konsumenten zu verankern. Die Kampagne sei gut angekommen, ihr Erfolg spürbar. „An solchen Kooperationen müssen wir weiterarbeiten“, appellierte Reinalter an die Anwesenden, darunter viele Obmänner und Geschäftsführer der Genossenschaftssennereien, der Landesrat für Landwirtschaft, Vertreterinnen und Vertreter von IDM Südtirol, des Südtiroler Bauernbundes, der Tierärztekammer, der Tierzuchtverbände, des Raiffeisenverbandes. 

Leistungsfähiger Sektor
Direktorin Annemarie Kaser stellt den Geschäftsbericht vor (siehe Ausgabe Nr. 9 des Südtiroler Landwirt S. 17). Sie unterstrich: „Der heimische Milchsektor ist ein sehr lebendiger und leistungsfähiger.“ Südtirol stelle zwar 17 Prozent der italienischen Milchviehbetriebe, aber nur drei Prozent der italienischen Milchmenge. Diese Zahlen sprächen für sich und verdeutlichen, welche Herausforderungen die kleinen Betriebe zu meistern hätten. Denn die Anforderungen seien dieselben, egal ob es sich um kleine oder große Betriebe handelt. Während im italienischen Fernsehen der Werbespot lanciert wurde, hat Südtirols Milchwirtschaft 2025 im Land eine breit angelegte Sensibilisierungskampagne gestartet, die deutlich machen soll, was hinter den Produkten steckt. Auch das Milch-Schulprojekt soll Jahr für Jahr Schulkindern Südtirols Milchwirtschaft und die Güte ihrer Produkte näherbringen. „Uns liegt dieses Projekt sehr am Herzen“, unterstrich Kaserer. Deshalb hoffe sie auch auf die Weiterführung, sobald die Lehrerstreiks beendet sind. Kaserer ging auch auf das Internationale Jahr der Bäuerin ein: „Dieses Jahr wollen wir nutzen, um aufzuzeigen, was Bäuerinnen leisten.“ Es sei eine gute Gelegenheit, ihnen zu danken und ihnen den Platz einzuräumen, der ihnen gebührt – in den Betrieben ebenso wie in den verschiedenen Gremien. Insgesamt wünsche sie sich für die landwirtschaftlichen Familien und Betriebe „stabile Rahmenbedingungen und echte Wertschätzung, die sich auch auf den Konten widerspiegelt“.

Erstmals Bäuerin beste Milchlieferantin
Wie jedes Jahr wurde bei der Vollversammlung des Sennereiverbandes auch der beste Milchlieferant ausgezeichnet. Die Auszeichnung ging heuer – passend zum Internationalen Jahr der Bäuerin – erstmals an eine Frau: nämlich Erika Kaserer vom Hof Unterköben in St. Martin im Kofel/Latsch auf 1.700 Meter Meereshöhe. Sie liefert dem Milchhof Bergmilch Südtirol.

Dank an Martin Pazeller
Anwesend war auch der ehemalige ­Direktor der Abteilung Landwirtschaft in der Südtiroler Landesverwaltung. Ihm wurde für seinen jahrzehntelangen Einsatz für die Südtiroler (Berg-)Landwirtschaft gedankt: „Du hast immer strategisch gedacht und in unserem Sinne gute Lösungen gefunden“, unterstrich Joachim Reinalter. Pazeller habe die heimische Berglandwirtschaft mit Herz, Verstand und Weitblick begleitet.

Einzigartiges Netzwerk
In seinen Grußworten unterstrich Landesrat Luis Walcher, dass die Beratung einerseits und die starken Genossenschaften andererseits die Basis seien für den starken Milchsektor Südtirols. Es sei nur recht und billig, dass Bäuerinnen und Bauern einen ehrlichen Preis für ihre Arbeit und Mühen haben sollen. „Die Qualität macht den Unterschied“, erklärte er, die Veredelung der Milch habe sich als Strategie bewährt. Und: „Der Tourismus sollte die Hochwertigkeit der Südtiroler Produkte auch dadurch anerkennen, indem sie gekauft und auf die Teller der Gäste gebracht werden.“ Herbert Von Leon, Obmann des Raiffeisenverbandes, sprach die Aus- und Weiterbildung von Verwaltungsrätinnen und -räten in den genossenschaftlichen Gremien an. Sie sei ein echter Mehrwert. Und Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser beschwor das starke Netzwerk, um den anstehenden Herausforderungen begegnen zu können. Das vergangene Jahr sei sehr intensiv gewesen, vor allem die Tierwohl-Zertifizierung nach SQNBA sei ein großer Brocken gewesen, konnte aber gut gemeistert werden – auch das dank guter und enger Zusammenarbeit. Auf den großen Mehrwert des einzigartigen Südtiroler Netzwerks, ging auch Erwin Hinteregger, Generaldirektor von IDM Südtirol, ein: Er sei stolz auf den ersten gemeinsamen Werbespot, der authentisch verdeutlicht, was Südtirols Milch und Milchprodukte und die gesamte Berglandwirtschaft ausmacht. Thomas Zanon, Leiter der Arbeitsgruppe Nutztierhaltung an der Freien Universität Bozen, sprach über die Schwerpunkte, die man als Forschende für die heimische Tierhaltung setzt: Vorwiegend gehe es aktuell um Wirtschaftlichkeits- und Tierwohlthemen. Er wünscht sich weiterhin eine enge Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis. Und zum Schluss brach der Landtagsabgeordnete Franz Locher eine weitere Lanze für das Genossenschaftswesen: „Es ist das wertvollste, was wir in Südtirol haben.“  

Erika Kaserer und ihr Mann Alois (2. und 3. v. r.) sind die besten Milchlieferanten 2025.

Renate Anna Rubner

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