Die Wurzeln tief in den Boden schlagen
Um Kompetenz, Kreativität, Kommunikation und viele weitere Ks ging es beim Landesbäuerinnentag: Mit dem Rückenwind des Internationalen Jahres der Bäuerin stellten die Frauen klare Forderungen – stark, selbstbewusst, getragen von der Gemeinschaft und tief verwurzelt.
Eine starke Frau zu sein, bedeutet nicht, dass alles glattläuft. Vielmehr heißt es, dem Sturm standzuhalten“, erklärte Wortgottesdienstleiterin Karin Mitterer zur Eröffnung des diesjährigen Landesbäuerinnentages. Wer gut im Glauben verwurzelt sei, könne im oft harten Boden des Lebens bestehen. Denn aus dem Glauben und dem Vertrauen zu Gott könne Leben wachsen, ermutigte Mitterer die vielen Bäuerinnen, die am 22. März aus allen Teilen des Landes ins Konzerthaus-Auditorium nach Bozen gekommen waren. Mitterer verglich Bäuerinnen mit Bäumen und spielte so auf das Tagesmotto „Starke Frauen – starke Wurzeln“ an: Die Wurzeln sehe man zwar nicht, aber sie graben sich tief in den Boden. So halten Bäuerinnen Betrieb und Familie zusammen. „Starke Wurzeln wünsche ich euch, die Kraft geben und deshalb standhalten können, auch im Sturm“, schloss die Wortgottesdienstleiterin. Auf das Tagesmotto ging auch Landesbäuerin Antonia Egger in ihrer Begrüßungsrede ein: Verwurzelung wachse nicht von heute auf morgen. Sie selbst habe sieben Jahre gebraucht, bis sie sich am Hof, in den sie eingeheiratet hatte, richtig daheim fühlte. Erst dann hatten ihre Wurzeln festen Halt gefunden. Und dadurch entstand in ihr die Stärke, den Hof als Bäuerin mitzusteuern, Verantwortung zu übernehmen und den Betrieb mit ihrem Mann gemeinsam weiterzuentwickeln. Egger unterstrich: „Der Beruf der Bäuerin ist heute vielschichtig und anspruchsvoll.“ Eine Bäuerin sei Managerin, Hauswirtschafterin, Köchin und Bürofachkraft, Seelentrösterin und Pflegerin ebenso wie Produktveredlerin, Direktvermarkterin und Gastgeberin. Die Liste ihrer Aufgaben sei lang. Das althergebrachte Bild der drei Ks, die für Küche, Kinder, Kirche stehen, später erweitert mit dem vierten K für „Krapfen“, sei längst überholt. Dafür stünden heute viele weitere K-Begriffe im Vordergrund: Kompetenz in allen Bereichen des Hoflebens, Koordination der vielfältigen Arbeiten und Aufgaben, Kraftmanagement, mental wie körperlich, Know-how, Kreativität und Kühnheit, Klarheit im Formulieren politischer Anliegen, Kulturpflege, Kommunikation, die die Landwirtschaft der Gesellschaft erklärt, Kundenorientierung, Krisensicherheit und Konfliktmanagement gerade in Familienbetrieben, Karteiführung und Kalkulation, Kursführung durch eine klar vorgegebene Richtung für Hof und Familie, Kontinuität und Motivation der nächsten Generation, Kammergeschick (also Organisationstalent) und nicht zuletzt Kreislaufdenken als Beitrag zu Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung.
Anerkennung und Sichtbarkeit
„Trotz der vielen Aufgaben wird die Arbeit der Bäuerinnen oft nicht sichtbar genug – weder in den Familien noch in der Gesellschaft“, bemängelte Antonia Egger. Ein wichtiger Meilenstein sei das von den Vereinten Nationen für 2026 ausgerufene Internationale Jahr der Bäuerin. Es soll die zentrale Rolle der Frauen in den Agrar- und Ernährungssystemen hervorheben und ihre Arbeit sichtbar machen. „2026 ist ein Jahr der Anerkennung – aber auch ein Jahr des Aufbruchs“, meinte die Landesbäuerin. Es gehe darum, nicht nur sichtbar zu sein, sondern gehört zu werden. Ihre Forderungen: gute Zukunftschancen, faire Absicherung im Alter, Respekt und echte Mitsprache. Das Motto des Landesbäuerinnentages solle Mut machen: Verwurzelung stärken, Halt geben und Selbstbewusstsein.
Kraftquellen für starke Frauen
Als Gastrednerin war Christine Singer, Landesbäuerin von Bayern und EU-Abgeordnete, nach Bozen gekommen. Sie sprach die Kraftquellen der Bäuerin an. Das könne die Familie sein, auch wenn die Großfamilie und das gemeinsame Arbeiten und Leben am Hof so seine Tücken habe. Da helfen Toleranz und ehrliche Gespräche. „Jede von uns hat ihre besonderen Herausforderungen. Jede ist anders, aber wir haben eine enge Verbindung“, unterstrich Singer. Denn Bäuerinnen sind eingebunden in den Jahreskreis, immer wieder steht ein Neubeginn an. Daraus spüre sie selbst die Kraft, dass es immer weitergeht. Verwurzelung und Kraft geben der Glaube, Brauchtum und Traditionen, aber auch der Hof. „Wir wissen, wo unsere Wurzeln sind, was Heimat ist, das gibt Halt und Orientierung“, meinte Singer, daraus könne man Zufriedenheit schöpfen, Verantwortung übernehmen und dadurch Vorbild sein für die nächste Generation. Damit sie auch Lust hat, sich in die Höfe einzubringen und die Landwirtschaft weiterzuentwickeln. Dann nahm Singer die Männer in die Pflicht: „Wir brauchen mutige Männer, die uns unterstützen. Damit wir Bäuerinnen richtig zupacken können, auch außerhalb des Hofes, zum Beispiel in der Politik.“ Ein wichtiges Thema sei auch die Hofnachfolge durch Frauen. „Betriebe müssen sich verändern dürfen, Frauen führen sie anders als Männer, haben andere Blickwinkel. Unterstützen wir uns dabei gegenseitig.“ Denn als Team sei man stark – in den Betrieben ebenso wie in der Gesellschaft und in der Politik. So könne man Rahmenbedingungen schaffen, damit die bäuerlichen Betriebe in eine gute Zukunft blicken können.
Unverzichtbar: die Frauenstimme
Landesrat Luis Walcher dankte in seinen Grußworten allen bäuerlichen Familien, die ihre Höfe weiterbringen: mit Fleiß und Hartnäckigkeit, aber auch mit der Zuversicht, die Frauen oft eigen ist – viel mehr als Männern. „Gebt das Euren Kindern weiter, dann haben sie auch Lust, die Höfe zu übernehmen und weiterzuführen“, appellierte er an die Bäuerinnen. Für eine gerechte Anerkennung der Erziehungszeiten arbeitet Kammerabgeordnete Renate Gebhard seit Jahren. Sie erklärte: „Wir sind im letzten Jahr etwas weitergekommen.“ Ein Gesetzesentwurf liege im zuständigen Gesetzgebungsausschuss und werde nun diskutiert. Weil es aber Mehrheiten braucht, brauche es noch Zeit und Geduld. EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann spornte die Bäuerinnen an, sich politisch und in den Gremien zu engagieren: beispielsweise als Orts- oder Bezirksobfrauen im Südtiroler Bauernbund oder in den Genossenschaften. „Ihr müsst eure Wurzeln auch dahin ausstrecken, wo es etwas zu holen gibt“, mahnte er. Und Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser meinte: „Die Stimme der Frauen ist unverzichtbar – überall!“ Erste positive Zeichen gebe es bereits: So sei im Beratungsring Berglandwirtschaft (BRING) erstmals eine Frau zur Obmann-Stellvertreterin gewählt worden. Und im nächsten Landtag müsse auch wieder eine Bäuerin sitzen. „Das müssen wir schaffen“, unterstrich Gasser.