Digitalisierung und KI
Eine positive Bilanz zieht der Südtiroler Bauernbund aus dem europäischen Projekt EDIH: So wurden ein Netzwerk aus 13 Partnern aufgebaut und rund 250 Betriebe begleitet, die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz gezielt in ihre Arbeit integrieren wollen.
Die Digitalisierung hält auch in der Landwirtschaft zunehmend Einzug. Mit dem europäischen Projekt EDIH (European Digital Innovation Hub) wurde in den vergangenen Jahren ein Netzwerk geschaffen, das Betriebe gezielt auf diesem Weg begleitet. Ziel des Projekts ist es, Unternehmen – quer durch alle Sektoren – bei der Einführung digitaler Lösungen zu unterstützen und Innovation zugänglich zu machen. Auch der Südtiroler Bauernbund war als Partner aktiv in das Projekt eingebunden und stellte dadurch sicher, dass auch landwirtschaftliche Betriebe über das Projekt profitieren konnten. Das EDIH-Netzwerk in Südtirol vereint insgesamt 13 Partnerorganisationen aus Forschung, Beratung und Praxis – darunter der NOI Techpark, der die Projektleitung übernommen hat, das Versuchszentrum Laimburg, Eurac Research, die Freie Universität Bozen und Fraunhofer Italia. Ergänzt wird das Netzwerk durch verschiedene Verbände und Organisationen, die als Schnittstelle zu den Betrieben fungieren. Insgesamt wurden im Rahmen des Projekts 248 Betriebe – größtenteils aus Südtirol – mit unterschiedlichen Dienstleistungen begleitet.
Südtiroler Bauernbund begleitet mehr als 40 Betriebe
Der Südtiroler Bauernbund unterstützte im Rahmen des Projekts 43 Betriebe. Der Großteil davon stammt aus dem landwirtschaftlichen Umfeld – also sowohl direkt aus der Landwirtschaft als auch aus vor- und nachgelagerten Bereichen. Im Mittelpunkt standen dabei konkrete Fragestellungen aus der Praxis: Wie kann ich meine bestehenden Technologien gezielt weiterentwickeln und wie kann mich Künstliche Intelligenz dabei unterstützen? Wie können Abläufe effizienter gestaltet werden? Welche digitalen Werkzeuge bringen im betrieblichen Alltag wirklich einen Mehrwert? Oder ganz allgemein: Wie gelingt es, neue Technologien im Betrieb einzuführen und umzusetzen?
Direktvermarktung im Fokus
Ein zentraler Baustein im Projekt waren die Orientierungsberatungen für Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter. Zwölf Betriebe wurden dabei vom Südtiroler Bauernbund im Rahmen des Projektes begleitet. Ausgangspunkt bildete jeweils eine strukturierte Analyse der bestehenden Betriebsabläufe, auf deren Basis konkrete Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt wurden – insbesondere im Hinblick auf effizientere Prozesse und den gezielten Einsatz digitaler Werkzeuge. Ziel war es, den Direktvermarktungsbetrieben praxisnahe und individuell passende nächste Schritte für ihre Weiterentwicklung auf ihren Weg mitzugeben. Zwei der Betriebe, die dieses Angebot in Anspruch nahmen, waren der Hieslerhof in Hafling und der Wegerhof in Stuls. Am Hieslerhof lag der Fokus auf der praktischen Umsetzung digitaler Vermarktungsmaßnahmen. Dafür wurde eine österreichische Agentur für Content-Marketing („Storyhof“) zur Beratung herangezogen. Gemeinsam mit den Direktvermarktern wurden konkrete Anwendungen erarbeitet – etwa die Erstellung ansprechender Produktbeschreibungen, der gezielte Einsatz von Social Media oder der strukturierte Umgang mit Kundenanfragen. Im Vordergrund standen einfache und sofort umsetzbare Lösungen, die den Betrieb im Alltag spürbar entlasten. Im Gegensatz zum Hieslerhof startet der Wegerhof bereits auf einem hohen Digitalisierungsniveau. Entsprechend lag der Schwerpunkt hier weniger auf den Grundlagen, sondern auf der gezielten Weiterentwicklung bestehender Systeme. Im Rahmen der Beratung wurden hier Möglichkeiten aufgezeigt, die Abläufe zu vereinfachen, die verschiedenen Verkaufskanäle besser zu verbinden und die vorhandenen Daten gezielter zu nutzen. Der Wegerhof zeigt damit anschaulich, wie man durch den weiteren Ausbau digitaler Lösungen noch effizienter arbeiten kann.
Weiterbildung als Schlüssel
Ein weiterer wichtiger Baustein im Projekt war die dreitägige Weiterbildungsreihe „Digitalisierung und KI in der Landwirtschaft“, die gemeinsam mit der Freien Universität Bozen organisiert wurde. Dabei erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen umfassenden Einblick in aktuelle Entwicklungen – von Sensortechnik über Drohnen und Bewässerungssysteme bis hin zu KI-Anwendungen im Obst- und Weinbau. Besonders geschätzt wurden die praxisnahen Vorführungen und Betriebsbesichtigungen, bei denen digitale Lösungen im Einsatz erlebt werden konnten.
„Test before invest“
Das Format „Test before invest“ (übersetzt „Praxistest vor der Investition“) diente dazu, gemeinsam mit den Betrieben erste Prototypen zu entwickeln und neue Technologien unter realen Bedingungen zu erproben. Auf diese Weise konnten mögliche Risiken frühzeitig reduziert und zugleich wichtige Erfahrungen gesammelt werden, um sich schrittweise an neue Systeme heranzutasten und fundierte Entscheidungen für die Marktfähigkeit von digitalen Produkten zu treffen. Ein Beispiel aus dem Bereich „Praxistest vor der Investition“ ist das Unternehmen Naturamon. Ziel dieses Start-ups ist die
Entwicklung einer KI-gestützten Software zur frühzeitigen Erkennung von Krankheiten im Wein- und Obstbau. Dafür werden im Feld umfangreiche Daten erhoben und mit Hilfe von Kameras und mobilen Anwendungen ausgewertet. In Zusammenarbeit mit dem Versuchszentrum Laimburg werden daraus georeferenzierte Karten erstellt, die eine gezielte Beobachtung und entsprechende Behandlung von Krankheiten ermöglichen. So können Entscheidungen im Pflanzenschutz künftig fundierter und effizienter getroffen werden. Ein weiteres Beispiel liefert ein Unternehmen aus Südtirol, das kostengünstige Dendrometer entwickelt. Dabei handelt es sich um Sensoren, die das Wachstum von Früchten direkt am Baum messen und so Rückschlüsse auf den Wasserbedarf der Pflanzen ermöglichen. In Zusammenarbeit mit dem Versuchszentrum Laimburg werden die Geräte unter Praxisbedingungen getestet und mit manuellen Messungen verglichen. Die gewonnenen Daten bilden die Grundlage für KI-gestützte Modelle, die eine gezieltere und dadurch wassersparende Bewässerung unterstützen. Ziel ist ein effizienterer Umgang mit Wasser – ein Thema, das gerade in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat.
Der Blick nach vorne
Das EDIH-Projekt hat gezeigt, wie wichtig praxisnahe Begleitung und leicht zugängliche Angebote für die Digitalisierung sind, auch in Südtirols Landwirtschaft. In Zukunft will sich der Südtiroler Bauernbund weiterhin mit den Themen Digitalisierung und neuen Technologien auseinandersetzen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Robotik zur Automatisierung von Arbeitsschritten in der Landwirtschaft. Angesichts der zunehmenden Knappheit an Arbeitskräften, beispielsweise bei der Apfelernte, werden solche Lösungen in den kommenden Jahren nämlich an Bedeutung gewinnen.
Am Hieslerhof wurden mit der Agentur „Storyhof“ praxistaugliche Lösungen ausgearbeitet.