Wer in jungen Jahren schon an die Zusatzrente denkt, kann später auf ein solides Fundament aufbauen. 

Flexible Lösung für ­bessere Absicherung

„Soziale Absicherung“: Unter diesen Schwerpunkt hat der Südtiroler Bauernbund das Jahr 2026 ­gestellt. Einer der Bausteine dafür ist ein gutes finanzielles Polster für das Alter – und ein ­wichtiger Hebel dabei ist die Zusatzrente.

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Rente

Johanna Vaja ist Präsidentin der Dienstleistungsgesellschaft „Pensplan Centrum“. In der aktuellen Folge des „Südtiroler Landwirt“-Podcasts „Zuaglost“ spricht sie über Zusatzrentenfonds, steuerliche Vorteile und darüber, warum private Vorsorge gerade für Bäuerinnen und Bauern frühzeitig ein Thema sein sollte. Das folgende Interview ist eine Zusammenfassung des Gesprächs.

Südtiroler Landwirt: Frau Vaja, warum liegt Ihnen das Thema Zusatzrente besonders am Herzen und warum ist dieses Thema gerade für Bäuerinnen und Bauern so wichtig?
Johanna Vaja:
Mir ist wichtig, dass die Menschen in unserem Land sich neben der staatlichen Rente ein zweites Standbein aufbauen. Gerade mit Blick auf die Zukunft braucht es eine zusätzliche Absicherung, damit man sich im Alter mehr finanzielle Sicherheit schaffen kann. In der Landwirtschaft denken viele zuerst an Hof, Haus oder Eigentum und weniger an die Rente. Aber die staatliche Rente wird in Zukunft mit Sicherheit nicht höher ausfallen. Deshalb ist es wichtig, sich rechtzeitig darum zu kümmern, wie man sich zusätzlich absichert. Gerade in der Landwirtschaft ist das ein Thema, das man nicht aufschieben sollte. 

Warum kann sich ein Zusatzrentenfonds für Selbstständige und Nebenerwerbslandwirte besonders auszahlen?
Wer im Nebenerwerb angestellt ist, kann für die Zusatzrente auch auf die Beiträge des Arbeitgebers zählen. Dazu kommen steuerliche Vorteile: Einzahlungen können bis zu einem bestimmten Betrag von der Steuer abgesetzt werden. Und auch bei der späteren Auszahlung ist die Besteuerung oft günstiger als bei normalem Einkommen. 

Viele junge Menschen denken noch nicht an die Pension. Wie würden Sie eine 25-jährige Jungbäuerin von der Sinnhaftigkeit einer Zusatzrente überzeugen?
Ich würde sagen: Je früher man anfängt, desto besser. Schon kleine monatliche Beträge können über viele Jahre viel bewirken. Der Zinseszinseffekt hilft dabei, ein solides Fundament aufzubauen. Junge Leute denken verständlicherweise an das Heute, aber ein wenig Weitblick zahlt sich später aus. 

Muss man sich am Anfang schon endgültig festlegen, wie und wo man einzahlt?
Nein, vieles ist flexibel. Es gibt unterschiedliche Linien mit verschiedenem Risiko. Wer vorsichtiger ist, kann konservativer anlegen. Wer jünger ist und langfristig denkt, kann auch dynamischer einsteigen. Wichtig ist: Man kann im Lauf der Zeit Anpassungen vornehmen und das Modell an die eigene Lebenssituation anpassen. 

Was heißt das konkret bei den verschiedenen Linien?
Es gibt konservative, ausgewogene und dynamische Linien. Die konservative Linie ist sicherer, bringt aber meist weniger Rendite. Die dynamische Linie ist stärker am Aktienmarkt orientiert und schwankt mehr. Dafür ist langfristig auch mehr Potenzial da. Welche Linie passt, hängt stark von Alter und Risikobereitschaft ab. 

Kann man später von einer Linie in eine andere wechseln? Und kann man die eingezahlten Beiträge flexibel ändern?
Ja, beides ist grundsätzlich möglich. Wer jung mit einer dynamischen Linie startet, kann später in eine vorsichtigere Linie wechseln. Genau das ist auch sinnvoll, weil sich die Lebensphase ändert. Man muss also nicht ein Leben lang bei derselben Lösung bleiben. Zu den Beiträgen: Auch da gibt es Spielraum. Wenn es finanziell gut geht, kann man mehr einzahlen. Wenn ein Jahr schwieriger ist oder andere Investitionen anstehen, kann man weniger einzahlen. Wichtig ist einfach, das Thema nicht ganz aus den Augen zu verlieren und später wieder weiterzumachen. 

Am Hof hört man oft: Dafür ist einfach kein Geld da. Was entgegnen Sie darauf?
Ich sage in solchen Fällen gern: Was heute eine Pizza kostet, kann man auch in die Zusatzrente einzahlen. Man muss nicht mit großen Summen anfangen. Gerade für junge Menschen kann ein kleiner Beitrag schon genügen, um Schritt für Schritt etwas aufzubauen. Es geht darum, überhaupt anzufangen. 

Manche Menschen sind bei Finanzthemen skeptisch. Wie begegnen Sie dieser Zurückhaltung?
Skepsis ist verständlich. Aber man muss langfristig denken. Finanzmärkte schwanken, das gehört dazu. Wer weniger Risiko will, kann – wie schon gesagt – eine sichere Linie wählen. Wer länger Zeit hat, kann auch etwas mehr Risiko eingehen. Wichtig ist, dass man sich beraten lässt und eine Lösung wählt, die zur eigenen Situation passt. 

Was passiert, wenn man im Lauf der Jahre einmal Geld aus dem Fonds braucht?
Grundsätzlich ist das Ziel, das Geld bis zur Pension im Fonds zu lassen. Es gibt aber Möglichkeiten für Vorschüsse, etwa für Gesundheitsausgaben, Hauskauf, Bau, Renovierung. Auch für andere Bedürfnisse kann unter bestimmten Voraussetzungen ein Teil entnommen werden. Dafür gelten aber klare Regeln und Fristen. 

Welche Voraussetzungen gelten dabei?
In mehreren Fällen muss man mindestens acht Jahre eingeschrieben sein. Außerdem gibt der Gesetzgeber vor, für welche Zwecke ein Vorschuss möglich ist und in welcher Höhe. Eine vorzeitige Entnahme ist steuerlich meist weniger vorteilhaft als eine spätere Auszahlung im Rentenalter. 

In Zusammenhang mit der Zusatzrente fällt oft auch der Begriff des Bausparmodells. Was steckt dahinter?
Das Modell verbindet Zusatzrente und Wohnbau. Wer lang genug in einem Zusatzrentenfonds eingeschrieben ist, kann dadurch leichter Zugang zu einem Darlehen zu günstigen Bedingungen bekommen. Neu ist unter anderem, dass der Zinssatz gesenkt wurde und für jüngere Menschen teils kürzere Mitgliedszeiten ausreichen. Diese Neuerung ist vor allem für jüngere Menschen interessant, die Wohnraum schaffen wollen. Wer unter 36 Jahre alt ist, kann schon nach fünf Jahren Mitgliedschaft auf das Modell zugreifen. Das macht es für junge Familien und junge Hofnachfolger interessanter, weil dadurch eine zusätzliche Möglichkeit bei der Finanzierung entsteht. 

Welche Unterstützungen gibt es darüber hinaus von öffentlicher Seite?
Es gibt verschiedene Formen der Unterstützung. Wer pflegebedürftige Angehörige betreut oder Minderjährige mit hohem Pflegebedarf versorgt, kann Beiträge für Pflicht- und Zusatzrente beantragen. Außerdem gibt es für Bäuerinnen und Bauern von der Region eine Unterstützung von 500 Euro pro Jahr bis zum Renteneintritt, wenn sie selbst einzahlen und eingeschrieben sind. 

Auch Kinder können inzwischen eingeschrieben werden. Warum ist das interessant?
Weil man dadurch sehr früh Beitragsjahre aufbauen kann. Das kann später bei der steuerlichen Behandlung vorteilhaft sein. Dazu kommt eine neue Regelung, bei der für Kinder in den ersten Jahren öffentliche Beiträge vorgesehen sind, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. So entsteht schon früh ein erster Kapitalstock. 

Gibt es ein Alter, ab dem sich der Einstieg kaum mehr lohnt?
Ideal ist natürlich ein früher Start. Aber auch mit 55 kann es noch sinnvoll sein, vor allem wenn jemand angestellt ist und zusätzlich Arbeitgeberbeiträge nutzen kann. Man baut dann zwar kein großes Kapital mehr auf, aber es kann sich trotzdem lohnen, auch wegen der steuerbegünstigten Auszahlung. 

Kann man auch nach dem Renteneintritt im Fonds bleiben?
Ja, das ist möglich. Man muss sich nicht sofort alles auszahlen lassen. Wer möchte, kann weiter im Fonds bleiben, unter Umständen sogar weiter einzahlen oder das Kapital noch ruhen lassen und später nutzen. Auch das zeigt, dass Zusatzrente keine starre Lösung ist. 

Und was passiert mit dem angesparten Geld, wenn jemand stirbt?
Wenn keine besondere Bestimmung vorliegt, geht das Geld an die Erben. Man kann aber auch ausdrücklich festlegen, wer das Geld im Todesfall erhalten soll. Das ist ein wichtiger Punkt, den viele nicht kennen. 

Was genau ist die Aufgabe von „Pensplan Centrum“ in Zusammenhang mit dem Thema Zusatzrente?
„Pensplan Centrum“ ist eine Dienstleistungsgesellschaft. Wir arbeiten mit mehreren regionalen Zusatzrentenfonds zusammen und übernehmen verwaltungstechnische und buchhalterische Aufgaben. Dazu kommen Beratung, Berechnungen bei Auszahlungen und Sensibilisierungsarbeit. Ein wichtiger Bereich ist auch die Finanzbildung. 

Warum ist gerade Finanzbildung für die Landwirtschaft wichtig?
Weil gute Entscheidungen leichter fallen, wenn man Grundbegriffe versteht. Es geht nicht darum, Finanzexpertin oder Finanzexperte zu werden. Aber wer weiß, was Aktien, Anleihen oder Kosten sind, kann bewusster entscheiden. Genau diese Orientierung wollen wir geben.

Angenommen, jemand möchte sich jetzt über das Thema Zusatzrente informieren. Muss er oder sie sich dann direkt beim Pensplan Centrum melden oder gibt es auch andere Ansprechpartner?
Wir verfügen über ein dichtes Netzwerk an Partnern und sogenannten Infopoints, die uns bei der Information und Beratung der Bevölkerung unterstützen. Die Pensplan-Infopoints sind Informationsschalter, die kapillar in der gesamten Region verteilt sind und von der Pensplan Centrum AG eingerichtet wurden. Sie werden in Zusammenarbeit mit Patronaten, Gewerkschaften, Arbeitnehmerverbänden und Steuerbeistandszentren koordiniert. Zu diesen Partnern gehört auch der Südtiroler Bauernbund, genauer gesagt das Patronat ENAPA in den einzelnen Bezirksbüros. Dort kann man sich jederzeit kostenlos über das Thema Zusatzrente beraten lassen. 

„Pensplan Centrum“-Präsidentin -Johanna Vaja ist in der aktuellen Folge des Podcasts „Zuaglost“ zu Gast und geht dort noch ausführlicher auf die Vorteile eines Zusatzrentenfonds ein.

Beitrag für Bergbauern

Betriebsinhaber und deren Familienmitglieder, die auf einem Viehhaltungsbetrieb mit mindestens 50 Erschwernispunkten pflichtversichert sind, keine direkte Rente beziehen und in einen Zusatzrentenfonds mindestens 500 Euro im Jahr einzahlen, erhalten von der Region zusätzliche 500 Euro jährlich geschenkt. Bei jährlicher Antragstellung über 15 Jahre sind dies bis zu 7.500 Euro.

Es müssen hierfür folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • mindestens 50 Erschwernispunkte zum Stichtag 1. November des Vorjahres; 
  • nicht mehr als drei Hektar Obst- oder Weinbau zum Stichtag 1. November des Vorjahres;
  • mindestens eine und maximal 40 Großvieheinheiten im Durchschnitt des Vorjahres;
  • Einzahlung von mindestens 500 Euro in einen Zusatzrentenfonds im Vorjahr;
  • besteuerbares Einkommen (Betriebsinhaber und aktiv eingetragene Familienmitglieder) von maximal 22.000 Euro im Jahr 2024 (ausgenommen sind Einkommen vom Hof sowie Bauernrenten).

Wer die genannten Voraussetzungen erfüllt, ist aufgerufen, innerhalb 31. Oktober 2026 den Antrag zu stellen und die Einzahlung von 500 Euro bis Jahresende vorzunehmen. Für das Ansuchen wird eine Stempelmarke zu 16 Euro benötigt. Das Bauernbund-Patronat ENAPA ersucht die Antragsteller, diese im Vorfeld zu besorgen. Wer sich noch nicht in einen Zusatzrentenfonds eingeschrieben hat, sollte die Einschreibung sowie die erste Einzahlung von mindestens 500 Euro bis Jahresende nachholen. Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, sich darüber zu informieren und so die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, um den Beitrag im kommenden Jahr zu erhalten. Für weitere Informationen stehen die Mitarbeiter/-innen des Bauernbund-Patronats ENAPA – Pensplan-Infopoint in den Bezirksbüros zur Verfügung.

Bernhard Christanell

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