Gemeinschaftsprojekt Wassernutzung
Wasser wird knapper, die Landwirtschaft bekommt das deutlich zu spüren. Darum wird an Konzepten gearbeitet, die einen gezielten und bedarfsgerechten Einsatz dieser wertvollen Ressource möglich machen. Technik hilft dabei, ist aber nur Teil der Lösung.
Das Thema Wasser beschäftigt derzeit viele landwirtschaftliche Betriebe. Allseits wird berichtet, dass die Wasserverfügbarkeit in diesem Jahr kritisch werden könnte. An einigen Orten liegen die Quellschüttungen bereits unter den Erwartungen. Auch die Daten des Klimamonitorings von Eurac Research zeigen: Seit 2002 sank die Schneedeckung in Südtirol unterhalb von 1.000 Metern um rund sechs Prozent. Der mittlere Winterabfluss der Etsch ist hingegen seit 1969 um rund 30 Prozent gestiegen. Die untersuchten Gletscher haben in den letzten 35 Jahren durchschnittlich 912 Meter an Länge verloren. In der Landwirtschaft wird der Wandel deutlich: Die Vollblüte des Apfels ist heute rund 13 Tage früher als 1975. Durch den Klimawandel ändert sich also potenziell der Wasserbedarf, aber auch das Wassermanagement. Das heißt, Speicherung und Bewässerung müssen gezielter gesteuert werden.
Von Sensoren bis zu Tropfern
An Anpassungsmaßnahmen wird bereits intensiv gearbeitet. Wissenschaftliche Versuche befassen sich mit der Optimierung des Bodenwasserhaushalts, während die Betriebe im Obst- und Weinbau schon vielfach auf Tropfbewässerung setzen. Digitale Tensiometer können die Bewässerungstechnik ergänzen. Sie messen die Bodenfeuchte anhand der Saugspannung und liefern so die Grundlage dafür, die Bewässerung bedarfsgerecht zu steuern. Teilweise läuft auch die Steuerung der Bewässerungsanlagen bereits automatisiert – Wasser wird also automatisch und gezielt dann ausgebracht, wenn Boden und Pflanze es brauchen.
Auch im Grünland und Ackerfutterbau laufen Versuche dazu. Einen Schwerpunkt bildet das ELER-geförderte Projekt „Wasser-Pilot“. Gemeinsam mit dem Versuchszentrum Laimburg, dem BRING und landwirtschaftlichen Testbetrieben werden sensorbasierte Bewässerungslösungen fürs Grünland entwickelt: Sensoren wurden 2025 im Feld getestet. Der „Südtiroler Landwirt“ (Nr. 5/2026) berichtete über erste Versuchsergebnisse. In einem niederschlagsreichen Jahr wie dem letzten führte die Bodenfeuchtemessung auf bedarfsgerecht bewässerten Flächen zu deutlich reduziertem Wassergebrauch einem Vergleich zu nach Turnus bewässerten. Die Versuche werden 2026 – um einen Standort erweitert – fortgesetzt.
Technik allein reicht nicht
Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass technische Lösungen großes Potenzial haben. Im Projekt „Wasser-Pilot“ geht es aber auch um die Frage, wie bedarfsgerechte Bewässerung langfristig in die Praxis gebracht werden kann. In einem Workshop wurden mögliche Barrieren für die Umsetzung erarbeitet. Daran beteiligt waren Vertreterinnen und Vertreter des Südtiroler Bauernbundes, der Bonifizierungskonsortien, von Verbänden, Beratungsringen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Ingenieurbüros. Die Ergebnisse zeichneten ein klares Bild: Der größte Hebel liegt nicht allein in der Technik. Die Rückmeldungen ergaben, dass Kommunikation, Zusammenarbeit, Datenverfügbarkeit und Bewusstseinsbildung in diesem Zusammenhang ebenso wichtig sind. Bedarfsgerechte Bewässerung wird zunehmend als gemeinsame Aufgabe von Landwirtschaft, Forschung, Verwaltung und Gesellschaft verstanden.
Mehrere Wortmeldungen machten deutlich, dass vor allem organisatorische und rechtliche Fragen als zentrale Herausforderungen gesehen werden. So wurde etwa gefordert, Konzessionen dynamischer und Entscheidungen flexibler zu gestalten – insbesondere in Trockenperioden. Auch die langen Genehmigungswege und unklare Zuständigkeiten wurden bei dem Workshop mehrfach angesprochen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Thema „Daten“. Diskutiert wurde unter anderem, wie bestehende Rohdaten zu Wetter, Wasserbedarf, Wasserverfügbarkeit besser verarbeitet und verschiedene Datenquellen, privat und öffentlich verwaltete, optimal genutzt werden können. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass zuverlässige Daten auch Vertrauen schaffen können – sowohl in der Praxis als auch gegenüber Politik und Gesellschaft. In der Diskussion wurden auch soziale Aspekte thematisiert: Mehrere in der Arbeitsgruppe betonten, dass Sensibilisierung und Weiterbildung entscheidend seien – sowohl innerhalb der Landwirtschaft als auch in der Gesellschaft. Offen angesprochen wurde zudem die Sorge, dass eingespartes Wasser später zu Kürzungen bei den Konzessionen führen könnte.
Bedarfsgerecht bewässern
Dass es in der Praxis funktionieren kann, zeigte eine Besichtigung am Tschögglberg. Beim Bodenverbesserungskonsortium JEKON in Jenesien stellte der Obmann Markus Plattner ihr Beregnungssystem vor, das komplett digitalisiert ist und bei dem der Wasserfluss genau monitoriert wird. Über 200 Hektar Landwirtschaftsfläche werden über die 20 Kilometer lange Beregnungsleitung seit 2024 bewässert. Ein an die Beregnungsleitung angeschlossener Landwirt berichtete, dass sich seine Futtererträge mit der Beregnung verbessert haben. Zurückzuführen ist das auf einen konstanteren Ertrag. Mithilfe von Bodenfeuchtesensoren steuert er die Beregnung bedarfsgerecht und setzt einzelne Beregnungsturnusse aus, wenn der Boden bereits ausreichend feucht ist. Die technische Umsetzung an seinem Betrieb entwickelte er in Eigeninitiative gemeinsam mit Kollegen und mit Unterstützung seines eigenen kleinen Unternehmens.