Kontrolle und Wartung schützen
Photovoltaik-Anlagen stehen im Verdacht, das Brandrisiko zu erhöhen. Dabei ist das nicht so, wenn sie fachgerecht installiert und instand gehalten werden. Eine Initiative von Bauernbund, Handwerkerkonsortium ARO und ITAS-Versicherung bietet Inspektionen an – zum Vorzugspreis!
Es ist ein sonniger Montagmorgen Anfang September, irgendwo mitten in den Obstanlagen im Talboden von Tramin. Ideales Wetter für die umfassende Kontrolle einer Photovoltaik-Anlage. Sie ist auf einer Remise installiert, etwa seit 2012 in Betrieb und inzwischen in die Jahre gekommen. Die Anlage gehört Maximilian Stürz, Bioland-Bauer aus Tramin, der mit dem Strom der 10-kW-Anlage die Bewässerung der Obstbaufläche vor Ort antreibt (rund 8.000 m²), die (Klauber-)Wohnung versorgt und den Rest – den Großteil – ins Netz einspeist. Die Anlage hat gute Dienste geleistet, Maximilian ist aber bewusst, dass nach 15 Jahren eine eingehende Kontrolle längst überfällig ist. Darum hat er das Angebot des Südtiroler Bauernbundes genutzt und sich für eine Brandschutzinspektion angemeldet, die gemeinsam mit dem Handwerkerkonsortium ARO und der Versicherungsgesellschaft ITAS angeboten wird – zum Vorzugspreis von 200 Euro (zzgl. Mehrwertsteuer), der Großteil der Kosten wird übernommen. Die Inspektion selbst wird von einem lokalen Elektrikerbetrieb gemacht. In diesem Fall von Andreas Gruber aus Meran. Auch Pascal Vullo von der Bauernbund-Abteilung Innovation & Energie ist vor Ort. Er erläutert den Zweck hinter der Initiative: „Immer wieder hört man von Bränden, die durch Photovoltaik-Anlagen ausgelöst werden. Dabei erhöhen sachgemäß installierte und regelmäßig (jährlich) gewartete Anlagen das Brandrisiko gar nicht.“ Doch gerade in den Jahren zwischen 2009 und 2013 sind viele Photovoltaik-Anlagen installiert worden, die Förderungen damals gaben einen starken Anreiz. „Also entstand ein regelrechter Boom, Firmen schossen aus dem Boden, die vorher noch nie Photovoltaik-Anlagen installiert hatten und die entsprechende Expertise nicht mitbrachten“, erklärt Vullo weiter.
Vor allem aber wurden Wartung und Instandhaltung häufig ganz vernachlässigt. Das alles hat dazu beigetragen, dass viele Anlagen heute nicht mehr in Ordnung sind – mit entsprechend höherem Brandrisiko und der Gefahr, dass im Schadensfall die Versicherung nicht einspringt. Hier greift die Initiative des Südtiroler Bauernbundes gemeinsam mit ITAS und ARO: Bauern wie Maximilian Stürz können sich in der Abteilung Innovation & Energie im Südtiroler Bauernbund melden und alle Unterlagen zur Anlage eingeben. Die Mitarbeiter im Bauernbund treten dann mit dem Handwerkerkonsortium ARO in Kontakt, das die geeignete Firma für die Brandschutzinspektion aussucht. Bei einem Lokalaugenschein wird die Anlage auf Herz und Nieren geprüft: Werden Schwachstellen ausgemacht, werden sie entweder gleich ausgebügelt (falls möglich) oder das Mitglied kann anschießend Reparaturen oder Verbesserungen veranlassen (mit dem Dienstleister seiner Wahl).
Wie geht die Inspektion vor sich?
Der Elektriker Andreas Gruber checkt zunächst die Unterlagen, also Projekt, Angebot, Konformitätserklärung, Bilder und dergleichen. „In einem Schadensfall gelten nur jene Dokumente, die in der zuständigen Gemeinde aufliegen“, weiß der Techniker. Dann prüft er den Wechselrichter: die Anschlüsse, Leitungen und Kabel, die Unterlage und den Ort, wo das Gerät installiert ist. Gibt es Tierspuren, zum Beispiel Kot? Sind Kabel angeknabbert? Ist der Wechselrichter verstaubt/verschmutzt? Blinkt etwas oder gibt es eine Fehlermeldung? Gruber geht bei seiner Inspektion nach Checkliste vor: prüft nach dem Wechselrichter auch die Module selbst, misst Spannung und Erdungswiderstand. Der Elektriker sagt: „Wichtig ist, dass die Anlagen kontrolliert werden. Das ist ähnlich wie beim Zahnarzt: Auch der kontrolliert alles, und wenn er irgendwo Karies findet, kann er schnell reagieren. So kann kein größeres Problem auftreten.“ Der Elektriker weiß: Wenn man alles durchcheckt und nach Vorschrift macht, ist ein Brand höhere Gewalt und man ist auf der sicheren Seite. Aber nicht nur das ist ein Vorteil. Schließlich geht es nicht nur um die Sicherheit der Anlage, die Kontrolle ist vielmehr auch eine Leistungsprüfung: Denn nur wenn sie optimal funktioniert, kann sie wirtschaftlich geführt werden. Und der Elektriker empfiehlt: „Es ist besser, wenn man die Anlage von Zeit zu Zeit selbst kontrolliert: Blinkt etwas? Ist alles sauber? Wie schaut es mit der Leistung aus? Das kann man über einen Vergleich der jährlichen Einkünfte abklären …“ Als Nächstes wird der Sicherungskasten kontrolliert. Sind alle Kabel gesichert? Muss nachgerüstet werden? Wenn kleinere Reparaturen fällig sind oder das Gefahrenpotenzial hoch ist, macht sich der Elektriker gleich an die Arbeit und stellt es richtig oder nimmt notfalls die Anlage außer Betrieb. Ansonsten macht er einen Vermerk im Protokoll und formuliert Handlungsempfehlungen.
Dann steigt Andreas Gruber aufs Dach: Dort wird ein Modul abgebaut und kontrolliert. „Eigentlich müsste jedes einzelne gecheckt werden. Was wir tun können, ist, eine Stichprobe machen“, sagt Gruber. Er klärt ab, ob die Kabel richtig verlegt, etwas angenagt oder abgenützt sind. Schließlich folgt die Funktionskontrolle der Anlage, dazu braucht es eine Sonneneinstrahlung von mindestens 600 Watt, der Tag ist ideal dafür. Nun kommt die Drohne zum Einsatz: Sie ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet und gibt über ein Display an der Steuerung Auskunft über mögliche Überhitzung der Module. Das geschulte Auge sieht sofort: Alles ist lila und das ist gut. Wo die Klemmen an den Modulen angebracht sind, wird es naturgemäß heißer, auch das kann man auf dem Display erkennen. Der Techniker kann auch näher drangehen und bei Zweifeln die Auflösung erhöhen. Innerhalb von zweieinhalb Stunden ist alles durchkontrolliert. Wo nötig, gibt Gruber Erklärungen, damit der Bauer weiß, was er feststellt und wo er mögliche Verbesserungen für nötig erachtet. Zum Schluss fließt alles in das technische Protokoll ein. Es wird vom Elektriker an ARO weitergeleitet, wo das Gesamtprotokoll erstellt wird. Anhand der festgestellten Mängel muss dann abgewogen werden, was zu tun ist und wie es mit der Anlage weitergeht.
Die Wärmebildkamera gibt Aufschluss über Defekte an den Modulen.