Kosten und Schädlinge im Blick
Auf seiner 65. Generalversammlung blickte der Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau in Nals auf das vergangene Jahr und auf die aktuellen Herausforderungen und Entwicklungen. Neben Produktionskosten, Pflanzenschutz und neuen Schädlingen standen die Serviceleistungen für Mitglieder im Mittelpunkt.
Dass eine professionelle und zugleich unabhängige Beratung mehr denn je wichtig ist, wurde auf der Generalversammlung in Nals mehrfach unterstrichen. Das zeigt sich auch in den Mitgliederzahlen: Knapp 5.400 Bäuerinnen und Bauern mit fast 21.800 Hektar sind Mitglied beim Beratungsring für Obst- und Weinbau. Für sie gab es im vergangenen Jahr einige Neuerungen bei den Dienstleistungen, die Obmann Manuel Santer zusammenfasste: „Die Fachzeitschriften des Beratungsrings ,obstbau*weinbau‘ und ,frutta e vite‘ erscheinen in einem neuen Layout. Auch das Online-Betriebsheft und die App des Beratungsrings werden ständig weiterentwickelt.“ Beide Angebote wurden um neue Funktionen erweitert und werden von den Mitgliedern zunehmend genutzt. „Über 3.400 Betriebe verwenden das Online-Betriebsheft, 3.391 Mitglieder nutzen die Basis-App und 2.285 die Profi-App“, berichtete Santer. An drei Standorten – Auer, Lana und Latsch – bietet der Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau Bäuerinnen und Bauern sowie Geräteherstellern die Möglichkeit, die Funktionsfähigkeit ihrer Sprühgeräte überprüfen und einstellen zu lassen. Diese Überprüfung muss alle drei Jahre erfolgen. Auch neue Sprühgeräte sollten den jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden. In Latsch hat der Beratungsring nun den ersten seiner drei Prüfstände modernisiert.
Kostenbroschüren erweitert
Zu den Dienstleistungen des Beratungsrings gehören neben der fachlichen Beratung im Feld auch regelmäßige schriftliche Informationen zu Themen wie Anbau, Pflanzenschutz, Schädlingen, Krankheiten, Witterung. Der Beratungsring stellt den Mitgliedern außerdem aktuelle Kostenkennzahlen und betriebswirtschaftliche Auswertungen zur Verfügung. Diese bilden eine wichtige Grundlage für Entscheidungen hinsichtlich der Einspar- und Optimierungspotenziale im Betrieb. „Die Broschüren weisen erstmals die Lohnkosten für Eigen- und Fremdarbeit sowie die Zusatzrentenvorsorge detailliert aus. Die Kostenbroschüren sind auf der Internetseite des Beratungsrings sowie in der Beratungsring-App abrufbar“, erklärte der Bereichsleiter Obstbau beim Beratungsring, Robert Wiedmer.
Probleme mit Notfallzulassungen
Nach wie vor zentral ist die Pflanzenschutzberatung. Die derzeitige Praxis der Notfallzulassungen bei Pflanzenschutzmitteln führt dazu, dass die Planbarkeit im Anbau nur mehr eingeschränkt gegeben ist. Aus diesem Grund besteht laut Robert Wiedmer, dem Bereichsleiter Obstbau beim Beratungsring, dringender Handlungsbedarf: „Die regulären Zulassungsverfahren müssen deutlich verkürzt und effizienter gestaltet werden“, forderte Wiedmer. Auf EU-Ebene wird aktuell im Rahmen des „Food- und Feed-Omnibus“ über Änderungen im Pflanzenschutzrecht beraten. Ziel ist es, bestehende Regelungen praxisnah weiterzuentwickeln und Bestimmungen zu vereinfachen. Bei der Generalversammlung wurde die Bedeutung der Beraterinnen und Berater beim Monitoring von Krankheiten und Schädlingen hervorgehoben. Aktuelles Beispiel ist der Japankäfer (Popillia japonica), der aufgrund seines Schadpotenzials als prioritärer Quarantäneschädling eingestuft ist. Im Rahmen des landesweiten Monitorings konnten 2025 erstmals in Südtirol einzelne Japankäfer nachgewiesen werden. Umso wichtiger ist es daher, mögliche Befallsherde frühzeitig zu erkennen. Intensiv wird nach den Ursachen für die Berostung bei der Sorte Envy geforscht. Aufgrund der Vermarktung heimischer Kirschen durch Melinda und Sant’Orsola gibt es mit beiden Organisationen einen Austausch. Bei Marillen beschäftigen die Qualitätsprobleme der Sorte Goldrich die Beratung.
Neue Schildlaus im Weinbau
Hansjörg Hafner, Leiter des Bereichs Weinbau beim Beratungsring, berichtete über die aktuelle Lage im Weinbau. Die Branche sieht sich mit globalen Herausforderungen wie Konsumrückgang, extremen Wetterbedingungen, neuen Schädlingen konfrontiert. So wird in diesem Jahr im Unterland erstmals in Südtirol die Mehlige Rebenschildlaus (Planococcus ficus) mittels der Verwirrungsmethode bekämpft. „Dieser Schädling, der sich zunehmend auch in Norditalien ausbreitet, ist problematisch, da er nicht nur direkte Schäden verursacht, sondern auch Viruskrankheiten übertragen kann.“
Forschungen zur Blutlaus
Fünf Berater kümmern sich im Beratungsring für die Biobetriebe. Seit zwei Jahren ist die Anbaufläche leicht rückläufig und liegt derzeit bei etwas über 2.400 Hektar. Im biologischen Apfelanbau ist die Blutlaus derzeit die größte Herausforderung. Die Möglichkeiten zur direkten Bekämpfung sind stark eingeschränkt, was die Situation für Obstbauern schwierig macht. Da sich die Biologie des Schädlings offensichtlich verändert hat, ist eine vertiefte Grundlagenforschung unerlässlich. Erste Forschungsprojekte sind bereits angelaufen. „Auf Grundlage dieser systematischen Erhebungen können nachhaltige Strategien entwickelt und in der Praxis erprobt werden, um den Befall wirksam zu reduzieren”, berichtete Ulrich Kiem, Bereichsleiter für den Bioanbau beim Beratungsring. Kiem erwähnte auch die bereits in Kraft getretene Rahmenvereinbarung für ein konfliktfreies Nebeneinander von biologisch, integriert bzw. konventionell bewirtschafteten Weinbauflächen. Ein Meilenstein ist die Biostrategie 2035, an der neben dem Beratungsring und dem Südtiroler Bauernbund weitere Akteure wie die Bioverbände, die Forschung mitgearbeitet haben.
Gemeinsam 75 Jahre Engagement
Bei der 65. Generalversammlung wurden Maria Kiem und Paul Hafner unter großem Applaus geehrt. Maria Kiem trat im Dezember nach 41 Dienstjahren ihren wohlverdienten Ruhestand an. Über Jahrzehnte hinweg verantwortete sie u. a. das Layout der Fachzeitschrift „obstbau*weinbau“. Paul Hafner, der Ende Februar nach 34 Dienstjahren in Pension ging, war als Weinbauberater tätig. Daneben wurden Michaela Erschbamer, Bioobstbauberaterin im Etschtal, sowie Armin Gruber, Leiter des Bereichs Verwaltung und IT, für ihre 25-jährige Tätigkeit beim Beratungsring geehrt. Obmann Manuel Santer dankte allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihr Engagement.
Die Versammlung im Haus der Vereine in Nals war sehr gut besucht.