„Regionalität muss in die Köpfe der Konsumenten“

Für bäuerliche Betriebe bieten sich im Haupt- oder Zuerwerb so viele Einkommensmöglichkeiten wie selten zuvor. Als Beweis dafür stellen sechs Bäuerinnen und Bauern auf der Bezirksversammlung Eisacktal ihre Höfe und ihre Erfolgsgeheimnisse vor. Dabei zeigte sich, dass es immer darauf ankommt, was man aus den Chancen macht.

Lesedauer: 5
SBB Wirtschaft

Einmal bewusst das Positive in den Mittelpunkt stellen und zeigen, wie man Chancen nutzt, das wollte der Bezirksbauernrat Eisacktal und hat eine Bäuerin und sechs Bauern zu einer Podiumsdiskussion auf der Bezirksversammlung Eisacktal in Vahrn eingeladen. „Obwohl die Betriebe höchst unterschiedlich sind und ihr Einkommen auf verschiedene Art erwirtschaften, verbindet sie der Erfolg und die Leidenschaft für ihre Arbeit“, leitete Matthias Braunhofer, der Obmann des Bauernbund-Bezirks Eisacktal, ein.  Die Lüsner SBB-Ortsobfrau Jolanda Hinteregger bewirtschaftet mit ihrer Familie den Niederhuberhof. Sie hat sich auf die Milchwirtschaft spezialisiert und kann sich über eine hohe Milchleistung freuen. Vor einigen Jahren ist sie darüber hinaus mit einem bäuerlichen Catering gestartet, das sie erfolgreich anbietet. „Meine Kunden schätzen die lokal produzierten bäuerlichen Produkte.“ Eine große Hilfe war am Beginn die Südtiroler Bäuerinnenorganisation, die sowohl Beratung als auch Weiterbildung anbietet. Thomas Wieland bewirtschaftet den Obstbaubetrieb mit Urlaub auf dem Bauernhof Untersteinerhof in Albeins. „Uns war immer wichtig, auf mehreren Standbeinen zu stehen, denn da ist das Einkommensrisiko geringer. Gerade im Obstbau schwanken die Preise von einem Jahr auf das andere sehr stark.“ Im eigenen Betrieb setzt Wieland auf Vertragssorten wie Kanzi und Cosmic Crisp. Wichtig sei es, die Kosten im Griff zu haben. Der Astnerhof in Rodeneck ist ein klassischer und gut geführter Milchviehbetrieb. Daneben ist Josef Rastner auch im Maschinenring Südtirol aktiv. Der Maschinenring sollte mehr genutzt werden, denn er hilft, Kosten zu sparen. Wer zudem für den Maschinenring Dienste ausführt, kann sich ein Zusatzeinkommen sichern. Aktuell beschäftigen sich die Milchbäuerinnen und -bauern mit einer möglichen Fusion zwischen den Milchhöfen Brimi und Bergmilch Mila. „Ich glaube, dass unser der Zusammenschluss für die Zukunft Vorteile bringt, da wir am Markt stärker auftreten können.“


Auf den Weinbau und den Urlaub auf dem Bauernhof hat sich Hannes Baumgartner vom Strasserhof in Neustift spezialisiert. Dafür sind die Obstbäume in den letzten Jahren den Weinreben gewichen. Auch den bekannten Buschenschank gibt es nicht mehr. „Die Umstellung am Hof haben alle mitgetragen“, bestätigt Baumgartner. Die Trauben werden am Hof produziert, selbst eingekeltert und direkt vermarktet. „Die Direktvermarktung ist die Königsdisziplin, weil sich ein Produzent um jeden einzelnen Schritt in der Produktionskette selbst kümmern muss. Mit guter Organisation ist die Direktvermarktung aber nicht arbeitsintensiver als die reine Produktion und den Verkauf über eine Genossenschaft“, ist Baumgartner überzeugt.
Nach biodynamischen Richtlinien bewirtschaftet Matthias Klammer den Marxenhof in Brixen. Er baut vor allem Obst und Gemüse an. Dank der Direktvermarktung und dem Hofladen kann die Familie gut von der Landwirtschaft leben, obwohl der Hof nicht groß ist. Mit einem Hofcaffè hat Matthias Klammer einen neuen Weg beschritten. „Neben der Familie helfen auch Tagelöhner am Hof mit. Und im Rahmen von Wwoofing kommen immer wieder Freiwillige auf den Hof, die gegen Kost und Logis mitarbeiten.“ Ein Tausendsassa ist Günther Pernthaler vom Hof Maiers Paradies aus Villnöss. Auch er ist in der Direktvermarktung tätig. „Wichtig ist, dass lokale Kreisläufe funktionieren. Hier gibt es noch viel Potential, das genutzt werden muss.“ Er unterstrich, dass Initiativen wie das Geislerrind oder das Villnösser Korn wichtig seien, um die Regionalität mit Leben zu füllen. „Diese Initiativen müssen von Privaten, Handel und Gastronomie noch mehr unterstützt werden.“ Seine Zukunft sieht Pernthaler in der Direktvermarktung, die er noch ausbauen möchte. Derzeit ist er auf ein Einkommen als Tierkennzeichner angewiesen. „Als nächstes möchten wir die Idee eines Hofladens angehen.“ Die große Leidenschaft von Günther Pernthaler ist das Villnösser Brillenschaf. Was alle sechs Bäuerinnen und Bauern gemeinsam haben, ist, dass sie die Zukunft trotz einiger Herausforderungen positiv sehen und zuversichtlich sind, dass die Höfe auch von der nächsten Generation mit Freunde weiterbewirtschaftet werden.

Zuversichtlich war auch Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner gestimmt. „Der wirtschaftliche Ausblick ist positiv. Dennoch müssen wir die heimischen Produkte intensiver bewerben, wie es Landesrat Luis Walcher vorhat. Die Regionalität muss noch mehr in die Köpfe der Konsumentinnen und Konsumenten.“ Viele Absatzmöglichkeiten sieht Rinner in den öffentlichen Einrichtungen, in der Gastronomie und im Einzelhandel.
Verbandspolitischer Schwerpunkt im heurigen Jahr ist die soziale Absicherung. „Und hier vor allem die Rente, die bei den Bäuerinnen und Bauern sehr klein ist.“ Auch um das Thema Gesundheitsvorsorge im ländlichen Raum will sich der SBB kümmern. „Sie wurde bei der Mitgliederbefragen im letzten Jahr als eine der Prioritäten genannt.“ 2026 will sich der SBB weiter um günstige Rahmenbedingungen für die bäuerlichen Betriebe stark machen. Rinner appellierte, das Angebot des SBB zu nutzen. „Wir haben für sehr viele Anliegen ein Angebot, von der Betriebsberatung über die Weiterbildung bis zur Innovation.“ Verstärkt will sich der SBB auch um die Arbeitssicherheit kümmern. Ein Arbeitsschwerpunkt bleibt die Reform der EU-Agrarpolitik. „Wir werden alles versuchen, damit unsere kleinstrukturierten Betriebe besonders berücksichtigt werden.“ Vorgestellt wurden die DIGGY-Treffs. An sie können sich all jene wenden, die Unterstützung bei Handy, Tablet oder Laptop brauchen oder sich bei Softwareproblemen kostenlos helfen lassen wollen.
 
Auch Landesrat Luis Walcher blickte auf das heurige Jahr und erklärte seine Vorhaben. „Wir wollen die Aufzucht und die Alpung noch mehr unterstützen. Diese Unterstützung ist nicht nur eine Hilfe für die Bergbauern, sondern ist auch ein Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft. Ohne die Beweidung würden unsere Almen ganz anders aussehen. Und das will niemand.“ Auch der Wald und das ländliche Wegenetz bleiben weiter im Fokus. „Ein gesunder Wald ist wichtig, weil ein Großteil davon Schutzwald ist. Notwendig ist die Instandhaltung der Forststraßen, die durch den Abtransport des Borkenkäferholzes vielerorts in Mitleidenschaft gezogen wurden.“ In der Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Tourismus will Walcher die Marke Südtirol stärken – das gilt besonders für Wein. Und zudem sollen mehr Dorfgasthäuser unterstützt werden. „Sie sind ganz wichtige soziale Treffs.“ In der abschließenden Diskussion gab es Kritik an der Neubemessung der Weinbauflächen. Auch darum will sich Walcher kümmern.

Weitere Artikel zu diesem Thema