Daniel Gasser: „Entscheidend ist, dass wir gut arbeiten, gute Ernten einbringen und am Ende auch gute Erlöse erzielen können.“

„Wollen im Netzwerk viel erreichen“

Daniel Gasser, Landesobmann des Südtiroler Bauernbundes, spricht zum Jahresauftakt über die wichtigsten Themen 2026: EU-Agrarpolitik und Geldmittel, Großraubwild, Tierhaltung, Renaturierung, Pflanzenschutz, Wasserversorgung sowie die soziale Absicherung bäuerlicher Familien.

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SBB

Dass der „Südtiroler Landwirt“ zum Jahresauftakt den Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser zum Interview bittet, hat eine lange Tradition. Seit dem vergangenen Jahr gibt es parallel dazu auch eine Folge des Podcasts „Zuaglost“.

Südtiroler Landwirt: Herr Gasser, was ist Ihr persönlicher größter Wunsch für das Jahr 2026?
Daniel Gasser:
An erster Stelle steht die Gesundheit in der Familie. Und ich wünsche mir ein gutes Landwirtschaftsjahr: dass wir draußen gut arbeiten können, gute Ernten einbringen und am Ende auch gute Erlöse für unsere Produkte haben. Das ist für unsere Bäuerinnen und Bauern entscheidend. Auch politisch stehen einige Themen an, und wir hoffen, dass wir im Netzwerk – mit unseren Leuten und mit den politischen Vertretern – wieder einiges erreichen. 

Schauen wir uns die einzelnen politischen Ebenen etwas genauer an: Bei der EU-Agrarpolitik sind wir bereits in der Vorbereitung auf die neue Finanzierungsperiode. Wie ist hier der aktuelle Stand?
Für die neue EU-Agrarreform werden in den nächsten Wochen und Monaten Weichen gestellt. Da müssen wir sehr genau dranbleiben, weil diese Entscheidungen die Rahmenbedingungen für die Betriebe in Südtirol über Jahre prägen. Einerseits steht im Raum, dass für die Landwirtschaft insgesamt etwas weniger Geld zur Verfügung stehen könnte. Andererseits soll es einen Einheitstopf geben, aus dem viele Bereiche etwas wollen. Es gab zuletzt Zusagen, dass für die Landwirtschaft wieder ähnlich viel Geld zur Verfügung stehen soll. Für uns in Südtirol ist zentral, dass vor allem die klein strukturierte Berglandwirtschaft künftig gut unterstützt wird. Wir Südtiroler haben zum Glück mit Herbert Dorfmann einen Vertreter direkt vor Ort, der die Gegebenheiten in Südtirol und im Alpenraum sehr gut kennt. Wir hoffen, dass wir mit ihm gemeinsam einiges bewegen können. 

Wechseln wir auf staatliche Ebene: Das Thema Großraubwild bleibt ein Dauerbrenner. Warum kommt man in Italien so schwer voran?
Wir sehen, dass es relativ schwierig ist, in Italien weiterzukommen. Es wurde viel versucht, auch im engen Austausch – etwa mit Senator Meinhard Durnwalder. Aber am Ende müssen wir leider oft feststellen, dass  wir relativ allein dastehen. Ein konkretes Beispiel: Italien spricht von 3.300 Wölfen, real sind es wahrscheinlich über 5.000. Von diesen könnte man rund fünf Prozent entnehmen, also etwa 160 bis 170 Wölfe. Am Ende haben nur zwei Provinzen angesucht: Südtirol und das Trentino durften im Vorjahr jeweils zwei Wölfe entnehmen, geschossen wurde in beiden Provinzen jeweils ein Wolf. Das zeigt, wie groß der Aufwand ist und wie wenig am Ende möglich wird. Wir wollen die traditionelle Almwirtschaft auch in Zukunft schützen. Die Tiere sollen auf die Alm gehen, und sie sollen gesund wieder heimkommen. Weniger Risse erreicht man nur, wenn man den Wolf eingrenzt. Deshalb gilt es, auf Basis des Landesgesetzes weiterzuarbeiten. Und dafür braucht es Partner – gemeinsam mit Landesrat und Landeshauptmann –, damit man die nächsten Schritte überhaupt schaffen kann.

Neben dem Wolf: Was kommt 2026 auf staatlicher Ebene noch auf die Tierhalterinnen und Tierhalter zu?
Die Tierhalterausbildung haben wir relativ gut über die Bühne gebracht, mit der Zertifizierung der Betriebe beschäftigen wir uns derzeit intensiv. Gleichzeitig muss man für klein strukturierte Betriebe Erleichterungen schaffen. Und es steht der Umstieg auf die nationale Viehdatenbank an – das muss gut begleitet werden, damit es reibungslos läuft und keine offenen Probleme bleiben.

Jetzt haben wir viel über Tierhaltung und Berglandwirtschaft gesprochen. Im Obst- und Weinbau sind andere Themen dominant – vor allem der Pflanzenschutz. Was ist 2026 dort zentral?
Das ist ein sehr wichtiges Thema, und wir waren da nicht untätig. Ein Kernpunkt ist das Verfahren: Für eine EU-Zulassung braucht man heute teils acht Jahre – das ist viel zu lang. Es geht nicht darum, „x-beliebig“ Mittel zuzulassen. Die Mittel sollen weiterhin genau geprüft werden. Aber in der Handhabung funktioniert einiges nicht gut, und genau diese Abläufe muss man verbessern. Davon hängen die Möglichkeiten unserer Obst- und Weinbaubetriebe stark ab.

Kommen wir nach Südtirol: Wenn Sie eine Wunschliste an die Landesregierung und an Landwirtschaftslandesrat Luis Walcher formulieren würden – was steht drauf?
Grundsätzlich funktioniert die Zusammenarbeit gut, und es ist im letzten Jahr auch viel passiert. Wir haben einen guten Austausch mit dem Landesrat und mit den Abgeordneten. Im Landeshaushalt ist es gelungen, ein Stück mehr Geld für die Landwirtschaft zu reservieren. Heuer startet auch eine neue Almprämie beziehungsweise Tiergesundheitsprämie, finanziert vom Land Südtirol. Das ist ein wichtiger Schritt, um die Betriebe zu unterstützen – gerade dort, wo die Arbeit mit Tieren und auf der Alm viel Aufwand bedeutet. Es gibt aber noch weitere wichtige Themen, zum Beispiel das ländliche Wegenetz und die Unterstützung bei der Finanzierung der Betriebe. Und ganz oben steht die soziale Absicherung unserer bäuerlichen Familien. Das ist ein großes Thema, das wir in diesem Jahr ganz bewusst in den Mittelpunkt stellen wollen.

Sie sprechen es an, der Südtiroler Bauernbund hat das Jahr 2026 zum „Jahr der sozialen Absicherung“ für die Landwirtschaft erklärt. Was heißt das konkret?
Da stehen einige Punkte an, bei denen wir für unsere Bäuerinnen und Bauern etwas erreichen wollen – etwa bei der Rentenrückerstattung und bei weiteren Themen. Es betrifft im Grunde alle Bevölkerungsgruppen, aber die Landwirtschaft besonders: Über die Bauernversicherung wird relativ wenig eingezahlt, und nach dem aktuellen System kommt auch relativ wenig heraus. Das kann für Familien ein Existenzproblem werden. Genau dort braucht es Nachbesserungen, und auf diese Themen wollen wir in diesem Jahr besonders hinweisen – mit verschiedenen Aktionen und Publikationen.

2026 ist auch das „Internationale Jahr der Bäuerin“, für das sich die Südtiroler Bäuerinnenorganisation einiges vorgenommen hat. Was ist dem Südtiroler Bauernbund dabei wichtig?
Die Bäuerinnen sind ein zentraler Teil der bäuerlichen Familie. Es ist wichtig, dieses Jahr zu feiern, die Arbeit der Frauen sichtbarer zu machen und ihre Stimme in gesellschaftlichen Debatten zu stärken. Auf vielen Betrieben sieht man ja: Oft geht der Mann auswärts arbeiten, und die Bäuerin hält die Landwirtschaft am Laufen und schaut, dass alles weitergeht. Ohne den Einsatz der Bäuerinnen wären viele Höfe zum Zusperren verdammt. Das verdient Anerkennung – und es ist geplant, das auch mit Veranstaltungen und Projekten in ganz Südtirol sichtbar zu machen. 

Bernhard Christanell

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