Wertvolle Arbeit im Hintergrund
Auf ein bewegtes Jahr vor allem wegen der Neuorganisation der Milchleistungskontrolle schaute die Vereinigung der Tierzuchtverbände bei ihrer Vollversammlung zurück. Trotzdem ist der Verband optimistisch. Er bietet für die Berglandwirtschaft unverzichtbare Dienste im Hintergrund, hieß es anerkennend.
Die Milchleistungsprüfung ist eine der vier großen Aufgaben, die die Vereinigung der Tierzuchtverbände Südtirol für Bergbäuerinnen und Bergbauern anbietet. Dabei hat es seit dem Jahr 2023 eine Neuorganisation gegeben, die der Vereinigung einiges an Mehraufwand und Anpassungen abverlangt hat. Um sich den neuen Bestimmungen anzupassen, sind größere Veränderungen nötig geworden: „Zusätzliche Milchleistungsinspektoren wurden eingestellt, unterstützt durch weitere Arbeitskräfte. Ende des Jahres 2025 waren insgesamt 29 Milchleistungsinspektoren und Milchmesser auf Tagelöhnerbasis angestellt“, berichtete Siegfried Gatterer, Obmann der Vereinigung der Tierzuchtverbände, bei der Vollversammlung im Haus der Tierzucht. „Doch damit geben wir uns nicht zufrieden – auch im kommenden Jahr werden wir uns weiterentwickeln und die anstehenden Herausforderungen konsequent angehen“, versprach Gatterer. Insgesamt sei 2025 für die Berglandwirtschaft ein gutes Jahr gewesen, unterstrich der Obmann. „Mit 53.000 Kontrollkühen ist auch der Bestand wieder leicht gestiegen. Das ist sicherlich auf die gute Zuchtarbeit der Verbände sowie auf die sorgfältige Fütterung durch unsere Landwirte und Landwirtinnen zurückzuführen“, meinte er.
Dieter Herbst, der sich mit Peter Zischg inzwischen die Geschäftsführung der Tierzuchtvereinigung teilt, präsentierte die Zahlen der Milchleistungsprüfung: „321.986 Proben wurden im Jahr 2025 analysiert, 3.855 mehr als im Jahr davor.“ Kontrolliert werden die Tiere alle fünf Wochen nach dem italienweiten Kontrollsystem AT5: Parameter wie Fett, Eiweiß, Harnstoff, Zellzahl, Leistung, Lebensleistung werden erfasst. „Das ist sehr personalintensiv, vor allem im Vergleich mit anderen Regionen, wo die Betriebe viel größer sind“, erklärte Herbst. Im Schnitt sei die Zellzahl relativ hoch, die Milchleistung steige stetig, was auch genetisch bedingt ist: Durchschnittlich gibt eine Kuh in Südtirol 7.757 Kilogramm Milch pro Jahr, 1983 waren es noch 4.412 Kilogramm. Auch Ziegen werden kontrolliert: „Zwölf Betriebe und 235 Tiere werden alle vier Wochen kontrolliert, das ist arbeitstechnisch eine Herausforderung“, meinte Dieter Herbst. Der Durchschnitt bei den Milchziegen liegt bei 755 Kilogramm Milch mit 3,25 Prozent Fett- und 2,88 Prozent Eiweißgehalt. Bei den Besamungen wurde im Jahr 2025 die Verrechnung umgestellt, was die Nettoumsatzerlöse reduziert hat. Zudem sind in den Vorjahren Gelder aus Rom nicht eingegangen, mit denen man gerechnet hatte. Das hat der Vereinigung ein Minus in der Gewinn- und Verlustrechnung eingebracht. Einen Teil haben die Viehzuchtverbände kompensiert, wofür sich Gatterer bedankte, das vorläufige Minus nimmt er als Obmann aber entspannt hin. Die Vollversammlung ebenso, die Bilanz wurde einstimmig abgesegnet.
Erstbesamungserfolg rückläufig
Peter Zischg verantwortet den Bereich der Besamungen und stellte die Zahlen des Jahres 2025 vor: So wurden 111.294 künstliche Besamungen durchgeführt, etwa gleich viele wie 2024: 55.363 Erstbesamungen, 26.889 Zweitbesamungen und 29.059 Drittbesamungen. „Der Erstbesamungserfolg liegt bei 49,6 Prozent“, erklärte Zischg, dieser Wert habe sich über die Jahre deutlich verschlechtert, denn Kühe müssten heute viel mehr leisten. „Das ist eine der größten Herausforderungen in den Betrieben“, meinte Zischg, auch weil die kleinen Betriebe oft im Nebenerwerb geführt werden, was bedeutet, dass die Tiere nicht mehr ständig unter Kontrolle sind, da entgehe den Bäuerinnen und Bauern schon mal die Brunftzeit. Aber: „In letzter Zeit wurde viel in Ställe investiert, das kann das Tierwohl positiv beeinflussen und damit auch die Fruchtbarkeit der Tiere“, erklärte Zischg. Deutlich gestiegen seien die Eigenbestandsbesamungen, die Kurse, die Bäuerinnen und Bauern dafür absolvieren müssen, werden stark nachgefragt, der Trend wird sich also fortsetzen. Gleichzeitig sind die Tierarzt-Besamungen um 3,6 Prozent (–2283) gesunken. Auch weil es oft an Großtierpraktikern fehle, wie Zischg unterstrich, eine weitere Herausforderung für die Berglandwirtschaft.
Die Gebrauchskreuzungen nehmen zu: Sie schlagen für 2025 mit 43.250 zu Buche, und zwar über alle Rassen hinweg. Und nehmen damit 38,9 Prozent Anteil an den gesamten Besamungen ein, die meisten mit Blauer Belgier und Limousine. Daneben ist der Natursprung in den letzten 20 Jahren stabil geblieben: Südtirol hat 265 Stierhalter mit 327 Stieren und 7.193 Natursprüngen im Jahr 2025 zu verzeichnen, was sechs bis sieben Prozent entspricht. „Der Natursprung ist für die Betriebe oft Plan B, wenn die künstliche Befruchtung scheitert“, meinte Zischg. Mit der Tierkörperverwertung und der Tierkennzeichnung schließt sich der Kreis der Dienstleistungen, die die Tierzuchtvereinigung anbietet. Im Jahr 2025 wurden 2.746 Tonnen Material entsorgt, 158 Tonnen weniger als im Jahr zuvor. „Dank der Firma Dabringer funktioniert dieser Dienst reibungslos“, unterstrich Dieter Herbst. Und Peter Zischg schloss: „2025 wurden 99.471 Tiere gekennzeichnet, den Dienst führen 50 Kennzeichner und neun Zuchtwarte aus. In anderen Gegenden mache das der Bauer selbst, mittelfristig werde das wahrscheinlich auch bei uns möglich. Am Ende der Vollversammlung wurden zwei langjährige Mitarbeiter der Tierzuchtvereinigung geehrt: Andreas Klammsteiner und Karl Perkmann. Zwei Tierärzten wurde ebenfalls ein Geschenkkorb übergeben. Sie sind in den Ruhestand getreten. Und Lob gab es auch: Sowohl der Landtagsabgeordnete Franz Locher als auch Alberich Hofer, Vertreter der Bergbauern im Landesbauernrat, erklärten: „Die Dienste der Vereinigung der Tierzuchtverbände werden zwar kaum gesehen, aber sie sind unverzichtbar für die Berglandwirtschaft und sehr
wertvoll.“