„Milchhochzeit“ ist vollzogen

Die Mitglieder der Milchhöfe Mila-Bergmilch und Brimi haben einer Fusion zugestimmt und damit die Grundlage für den „Milchhof Südtirol“ gelegt.

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Wirtschaft

Die beiden entscheidenden Mitglieder-Versammlungen fanden in den vergangenen Wochen statt: Am 29. April stimmten die Mitglieder der Brimi einer Fusion zu, am 8. Mai folgten ihnen jene der Mila-Bergmilch. Bei beiden Abstimmungen kam das „Ja“ auf über 90 Prozent. Dementsprechend zufrieden und froh über den starken Rückhalt waren die beiden Obmänner Joachim Reinalter (Mila-Bergmilch) und Klaus Faller (Brimi) bei der Pressekonferenz am vergangenen Freitag am Mila-Sitz in Bozen. „Es ist keine Übernahme und es gibt keinen Großen, der den Kleinen schluckt oder umgekehrt: Zwei Partner, die sich in ihrem Sortiment perfekt ergänzen, gehen auf Augenhöhe zusammen“, betonte Reinalter.
Sein Kollege Faller ergänzte: „Unsere Mitglieder haben ausgiebig und teils auch kritisch diskutiert und uns einen Vertrau-ensvorschuss gegeben.“ Besonders erfreulich sei die Präsenz zahlreicher junger Mitglieder bei den Versammlungen gewesen. „Das zeigt, dass die Milchwirtschaft eine Perspektive hat“, freute sich Faller. Reinalter unterstrich: „Gemeinsam wollen wir etwas schaffen, was alleine immer schwieriger geht: Am internationalen Markt bestehen, Produktionskosten senken und dem Fachkräftemangel als attraktiver Arbeitgeber entgegentreten.“

Neuer „Milchhof Südtirol“ mit über 3000 Milchlieferanten
Mit der Fusion der beiden Milchhöfe wird der neue „Milchhof Südtirol“ geschaffen. Dieser vereint rund 3.100 Mitgliedsbe-triebe in ganz Südtirol, 750 Mitarbeitende und eine jährliche Milchanlieferungsmenge von circa 275 Millionen Kilogramm. Das Produktspektrum reicht von Trinkmilch, Joghurt, Käse, Mascarpone über Butter bis hin zu Mozzarella und Ricotta. Die beiden Geschäftsführer Matthias Baumgartner (Mila-Bergmilch) und Martin Mair (Brimi) erläuterten den Werdegang der Fusion: „Wir haben uns bemüht, stets transparent zu arbeiten, aufeinander Rücksicht zu nehmen und vor allem unsere Mit-glieder und Mitarbeiter einzubinden.“ Zwei Studien hätten ergeben, dass die kommenden Herausforderungen gemeinsam leichter zu meistern seien als wenn beide Milchhöfe weiter getrennt marschiert wären. Auch ein höherer Auszahlungspreis soll durch die Fusion gewährleistet werden.
Bis zum Jahresende soll der neue „Milchhof Südtirol“ auch operativ tätig werden, Anfang des Jahres 2027 werden dann auch ein Obmann und zwei Vizeobleute gewählt. Die beiden Geschäftsführer sollen beide im Amt bleiben, ebenso wie die nun drei Standorte in Bozen, Brixen und Bruneck mitsamt ihren angestammten Spezialisierungen auf die einzelnen Produktgrup-pen bestehen bleiben. Stellenabbau soll es keinen geben, dafür aber Synergien in Logistik, Einkauf und Verwaltung.

Lobende Worte für die vollzogene „Milchhochzeit“ gab es von Annemarie Kaser, der Direktorin des Sennereiverbandes Südtirol, und Landwirtschafts-Landesrat Luis Walcher. Letzterer bescheinigte den beiden Führungsteams, bei der Fusion „in Sachen Zielsetzung, Transparenz, gegenseitigem Respekt und der nötigen Zeit alles richtig gemacht zu haben“. Kaser bezeichnete die Fusion als „zukunftswei-senden Schritt und stabile Grundlage für kommende Generationen“. An der Aufgabe des Sennereiver-bandes als Dachorganisation aller Südtiroler Milchhöfe ändere die Fusion nichts.

Bernhard Christanell

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