„Wir sind die Vertrauensbrücke“
Die Südtiroler Qualitätskontrolle (SQK) sorgt seit 25 Jahren dafür, dass Gütesiegel und Herkunftsangaben halten, was sie versprechen. Im Gespräch mit dem „Südtiroler Landwirt“ erklärt Geschäftsführer Dietmar Sinner, warum Bauern davon profitieren und wohin sich die Qualitätsarbeit entwickelt.
Südtiroler Landwirt: Herr Sinner, was macht die Südtiroler Qualitätskontrolle konkret?
Dietmar Sinner: Wir schauen, dass das, was auf dem Etikett steht oder was eine Marke verspricht, auch wirklich eingehalten wird. Vor allem in landwirtschaftlichen Betrieben, Verarbeitungs- und Abpackbetrieben prüfen wir Anbau, Rückverfolgbarkeit, Pflanzenschutz und innere wie äußere Produktqualität.
Viele bringen die SQK zuerst mit Äpfeln in Verbindung. Für welche Produkte und Bereiche sind Sie heute tatsächlich unterwegs?
Der Apfel bleibt unser wichtigstes Produkt, etwa beim Südtiroler Apfel g. g. A., bei der integrierten Produktion, bei GlobalG.A.P., beim Thema Nachhaltigkeit. Wir arbeiten aber auch im Weinbau und beim Qualitätszeichen Südtirol. Außerdem kontrollieren wir Südtiroler Speck und andere geschützte Wurstwaren vor allem über Marktüberwachung im In- und Ausland.
Sie haben Nachhaltigkeit angesprochen. Welche Rolle spielt dieses Thema inzwischen in Ihrer Arbeit?
Eine sehr große. Im Obstbau gibt es etwa das Programm „sustainapple“ mit rund 150 Maßnahmen zu Ökonomie, Wasser, Biodiversität und Boden. Hier führen wir die Kontrollen durch. Zudem prüfen wir das Nachhaltigkeitslabel Südtirol – da geht es um touristische Betriebe und kleine Unternehmen, die regionale Produkte wie Milch, Butter, Joghurt, Äpfel, Wein nach klaren Vorgaben einsetzen müssen.
Wie läuft eine Kontrolle bei einem Betrieb ganz praktisch ab – von der Anmeldung bis zum Zertifikat?
Zuerst meldet sich der Bauer oder Betrieb bei uns und sagt, für welches Programm er überprüft werden will. Wir prüfen die Unterlagen, dann greifen Kontrollpläne, die Frequenz und Inhalte vorgeben. Ein fachlich kompetenter, unabhängiger Techniker führt die Kontrolle durch – teils angemeldet, teils unangekündigt. Zuerst werden Aufzeichnungen, Lieferscheine und Nachweise geprüft, dann Betriebsgelände und Flächen. Je nach Programm ziehen wir Proben und geben sie an akkreditierte Labors weiter. Danach gibt es einen Bericht, intern folgt das 4-Augen-Prinzip, erst dann wird ein Zertifikat ausgestellt. Und auch danach überwachen wir die Einhaltung, sonst wird ein Zertifikat ausgesetzt oder entzogen.
Wie oft stoßen Sie tatsächlich auf schwere Mängel? Oder arbeiten alle Betriebe sauber?
Kleine Mängel gibt es öfter, schwere Verstöße, die zur Nichtzertifizierung oder zum Entzug eines Zertifikats führen, sind selten. Über 99 Prozent der Bauern arbeiten sehr professionell und halten die Vorgaben ein. Gerade diese Mehrheit hat ein Interesse daran, dass wir jene herausfiltern, die sich nicht an alle Regeln halten.
Wo sehen Sie die Südtiroler Qualitätskontrolle im Gefüge zwischen Bauern, Verarbeitern, Handel und Konsumenten?
Wir sind eine Vertrauensbrücke. Die Produzenten arbeiten nach klaren Produktionsregeln, wir garantieren faire Kontrollen und gleiche Behandlung. Verarbeiter und Handel erhalten Sicherheit über eine verlässliche Qualität und können ihren Kunden gegenüber Vertrauen schaffen. Konsumenten können auf geprüfte Herkunft und transparente Qualität bauen. Ohne so ein System wäre es schwierig, Herkunft und Qualität glaubwürdig zu vermitteln.
Wohin entwickelt sich die Qualitätskontrolle in den nächsten Jahren – Stichworte Digitalisierung und KI?
Die Anforderungen werden zunehmen: mehr Transparenz, mehr Nachvollziehbarkeit, mehr Erwartungen an Herkunft und Nachhaltigkeit. Digitalisierung spielt dabei eine Schlüsselrolle. Für Betriebe soll sie aber kein Mehraufwand, sondern ein hilfreiches Werkzeug sein. KI wird gewisse Tätigkeiten unterstützen, aber der Kontrolleur als Mensch bleibt wichtig – ein Roboter wird ihn sicherlich nicht ganz ersetzen.
Und langfristig: Wie könnte Ihre Arbeit in zehn, 15 Jahren aussehen?
Ich rechne mit deutlich stärker datenbasierter Arbeit. Kontrollen werden weniger pauschal sein. Gleichzeitig müssen wir die Betriebe mitnehmen: Die Anforderungen steigen, doch das System muss praktikabel bleiben und Mehrwert bringen. Entscheidend wird sein, dass alle dem Südtiroler Produkt vertrauen können.
Das vollständige Gespräch mit Dietmar Sinner ist Inhalt der aktuellen Folge des Podcasts „Zuaglost“.