Landesrat Luis Walcher stellt den Agrar- und Forstbericht als strategisches Planungsinstrument vor.

Zahlen, Fakten und ­(positive) Entwicklungen

Zwei Jubiläen, die Neuauflage der Weideprämie und Fortschritte beim Wildtiermanagement sind die Schwerpunkte des Agrar- und Forstberichtes 2025. Diese Woche wurde er – mit neuem Konzept und Layout – der Öffentlichkeit vorgestellt.

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Wirtschaft

Jedes Jahr aufs Neue bietet der Agrar- und Forstbericht einen Blick zurück. „Er wird seit seinen Anfängen immer nach dem selben System erstellt, damit werden die darin gesammelten und aufbereiteten Daten vergleichbar und sind entsprechend aussagekräftig“, erklärte Landesrat Luis Walcher bei der Vorstellung des Agrar- und Forstbericht 2025 am Dienstag dieser Woche im Palais Widmann in Bozen. „Der Bericht ist darüber hinaus aber auch Grundlage für Entscheidungen, die die Politik trifft, um den gesamten Landwirtschaftssektor in die Zukunft zu führen“, unterstrich Walcher. Heuer präsentiert sich das umfangreiche Werk in neuem Layout. Neben Produktionszahlen, einem Überblick über die Förderungen für landwirtschaftlichen Betriebe, Einblicke in land- und hauswirtschaftliche Ausbildung, universitäre Lehre, Forschung und Verwaltungstätigkeit des letzten Jahres rückt das neue Konzept unter „Im Fokus 2025“ vier Schwerpunkte ins Blickfeld: das 50-jährige Jubiläum des Versuchszentrums Laimburg, drei Jahrzehnte Waldarbeitskurse, die Wiedereinführung der Weideprämie und das Wolfsmanagement.

50 Jahre Forschung für die Praxis
Im Jahr 1975 wurde das Land- und Forstwirtschaftliche Versuchszentrum Laimburg gegründet. Was mit sieben Beschäftigten begann, hat sich in 50 Jahren zur führenden Forschungseinrichtung für Südtirols Landwirtschaft, Gartenbau und Lebensmittelverarbeitung entwickelt. Heute arbeiten rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Hauptsitz in Pfatten, in den Laboren am NOI Techpark, in Außenstellen und auf Versuchsflächen im ganzen Land. „Jährlich werden etwa 400 Projekte und Versuche betreut“, erklärte Walter Guerra als stellvertretender Direktor der Forschungseinrichtung. Seit seiner Gründung steht die praxisnahe Forschung für die heimische Landwirtschaft im Mittelpunkt des Versuchszentrums Laimburg. So entwickelte man Strategien für die Herausforderungen, die Bäuerinnen und Bauern im Obst- und Weinbau beschäftigen. Auch die Berglandwirtschaft ist ein wichtiger Teil der Forschungsarbeit. Versuche zu Grünland, Freilandgemüse, Ackerbau und Kräutern sollen dazu beitragen, regionale Kulturpflanzen, Artenvielfalt und Bewirtschaftungsformen zu erhalten. Seit 2013 wird der Bereich Lebensmitteltechnologie aufgebaut. Guerra stellte konkret zwei Forschungsprojekte vor und hatte dazu auch Anschauungsmaterial mitgebracht: So werden seit vier Jahren am Standort Pfatten 57 Sorten von Kulturheidelbeeren auf ihre Eignung für Südtiroler Verhältnisse getestet (siehe Bericht"Südtiroler Landwirt" Ausgabe 13/2026 S. 57). Zehn dieser Sorten konnten verkostet werden. Ein weiteres Forschungsprojekt befasst sich mit der Bekämpfung der Apfelblutlaus: Es ist im letzten Jahr gestartet und soll den Einsatz entomophager Pilze in der Regulierung des Schädlings testen. „Wir nehmen dieses Problem sehr ernst und legen alles daran, hier Antworten zu finden“, schloss Guerra.

Sicherheit bei der Waldarbeit
Die Agentur Landesdomäne verwaltet mit 75.000 Hektar Fläche rund zehn Prozent der Gesamtfläche Südtirols. Der stellvertretende  Direktor der Agentur, Andreas Agreiter, gab zunächst einen Überblick über die einzelnen Bereiche, die in der Landesdomäne zusammengefasst sind: Der Agrarbetrieb Laimburg, der Forstbetrieb, die Gärten von Schloss Trauttmansdorff, das aquatische Artenschutzzentrum und die Forstschule Latemar einschließlich aller zugehöriger Immobilien, Betriebe und Gebäude. In der Forstschule Latemar werden die Waldarbeitskurse abgehalten, und das bereits seit 1995. „Inzwischen finden jährlich rund 100 Kurse mit rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt“, erklärte Agreiter. In drei Jahrzehnten wurden hochgerechnet mehr als 10.000 Personen in rund 2.100 Kursen ausgebildet. Zentrales Anliegen der Waldarbeitskurse ist die Sicherheit. Die Waldarbeit zählt nämlich zu den gefährlichsten Tätigkeiten in der Land- und Forstwirtschaft. In den Kursen geht es deshalb nicht nur um den fachgerechten Einsatz der Motorsäge, sondern auch um Baumbeurteilung, Risikoeinschätzung, Fälltechniken, Maschinenwartung und persönliche Schutzausrüstung. Schnittschutzhose und Schutzhelm, die vor 30 Jahren noch als ungewöhnlich galten, sind heute selbstverständlich und Standard. Gleichzeitig hat sich die Waldarbeit stark verändert. Früher schlugen viele Waldbesitzer ihr Holz während des Winters selbst. Heute übernehmen zunehmend spezialisierte Unternehmen die Arbeit und setzen dabei auf Maschinen. Größere Holzmengen werden in kürzerer Zeit aufgearbeitet. Damit steigen auch die Anforderungen an die Ausbildung. Besondere Gefahren entstanden in den vergangenen Jahren durch Schadholz. Nach dem Sturm Vaia sowie nach Schnee- und Windwurfereignissen mussten vielfach unter Spannung stehende Bäume aufgearbeitet werden. Dafür wurden eigene Schadholzkurse entwickelt. Heute bergen vor allem Käferholz und Totholz hohe Risiken. Das Angebot richtet sich an Waldbesitzerinnen und -besitzer, Forstunternehmen, Feuerwehren, den Bevölkerungsschutz und landwirtschaftliche Schulen. Gerade bei ­Schülerinnen und Schülern sind die Vorkenntnisse sehr unterschiedlich. Umso wichtiger ist der Praxisbezug: „Alle Arbeitsschritte werden nicht nur erklärt, sondern unter Anleitung selbst ausgeführt“, unterstrich Andreas Agreiter. Die Waldarbeitsinstruktoren stehen zudem im Austausch mit Bildungsstätten in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Italien und bilden sich regelmäßig weiter.

Weideprämie stärkt Almen und Tiere
Mit der Wiedereinführung der Weideprämie setzte das Land 2025 einen neuen Förderimpuls für die Almwirtschaft. Ressortdirektor Ulrich Höllrigl unterstrich in seinen Ausführungen: „Die Alpung von Rindern und Pferden trägt maßgeblich zu Tiergesundheit und Tierwohl  bei und hält zudem die Almen offen.“ Zudem solle die neue Weideprämie einen Anreiz für Bäuerinnen und Bauern schaffen, sich weiterhin der Milchviehhaltung und der Milchproduktion zu widmen. Die Resonanz bewertet Höllrigl als positiv: Für den Almsommer 2026 wurden 4.844 gültige Ansuchen gestellt. Das bedeutet insgesamt 43.000 Tiere (Rinder und Pferde), die heuer  auf 1.335 Almen aufgetrieben wurden. Die neue Prämie beträgt 200 Euro je Großvieheinheit. Voraussetzung sind mindestens eine Großvieheinheit sowie eine Weidedauer von mindestens 60 Tagen. Gefördert werden Rinder und Pferde, die in der nationalen Viehdatenbank registriert sind. Der Auftrieb kann auf Almen in Südtirol, im übrigen Italien oder im Ausland erfolgen, sofern die Tiere aus einem Südtiroler Betrieb stammen.

Gute Ernten, weniger Betriebe
Neben den Schwerpunktthemen enthält der Agrar- und Forstbericht 2025 Zahlen zur Entwicklung der Landwirtschaft. Ressortdirektor Ulrich Höllrigl stellte sie vor und stellte vorab fest: „Für Südtirols Berglandwirtschaft war 2025 in Futtermenge und -qualität ein gutes Jahr.“ Dann ging er ins Detail: In der Milchwirtschaft lieferten 3.903 Betriebe rund 375 Millionen Kilogramm Milch an die insgesamt zehn Genossenschaften. Während die Zahl der Milchlieferanten dem allgemeinen Trend folgend weiter sank, stieg die angelieferte Menge gegenüber dem Vorjahr um rund zehn Millionen Kilogramm. Auch die Viehvermarktung entwickelte sich 2025 positiv, wie Höllrigl unterstrich: Insgesamt wurden 38.536 Tiere lebend vermarktet, deutlich mehr als 2024. Gleichzeitig stiegen die Preise in vielen Kategorien. Der Rinderbestand Südtirols lag bei 124.122 Tieren, hinzu kommen rund 37.800 Schafe und 29.500 Ziegen. „Im Obstbau wurde mit 1,057 Millionen Tonnen Erntevolumen zum dritten Mal in Folge die Millionengrenze überschritten“, berichtete der Ressortdirektor. Regelmäßige Sommerniederschläge sorgten im Jahr 2025 für gute Fruchtgrößen, während Frost, Hagel und Schadorganismen vergleichsweise geringe Ausfälle verursachten. Die Obstbaufläche ging allerdings erneut leicht zurück und belief sich auf rund 17.500 Hektar. Golden Delicious blieb mit einem Anteil von gut 23 Prozent die wichtigste Sorte im Südtiroler Sortiment. Neue Sorten und Clubsorten legen aber weiter zu und erreichten zusammen bereits einen Anteil von knapp 17 Prozent an der Gesamternte. Die Südtiroler Rebfläche ist seit der Jahrtausendwende  um fast 1.000 Hektar gewachsen und umfasste Ende 2025 insgesamt 5.878 Hektar. Die Traubenernte lag mit rund 46.560 Tonnen um gut sieben Prozent über jener des Vorjahres. Insgesamt wurden rund 329.500 Hektoliter Wein aus Südtiroler Trauben erzeugt, 93,4 Prozent davon als DOC-Wein.

Landesabteilung Forstdienst: Wald erholt sich
51 Prozent der Landesfläche Südtirols ist von Wald bedeckt. Ihm kommt dank seiner vielfältigen Funktionen wie Klima- und Bodenschutz eine große Bedeutung zu. Der stellvertretende Direktor der Landesabteilung Forstdienst, Emilio Dallagiacoma, legte zunächst offen, dass der Wald in den letzten Jahren stark gelitten hat: Vaia, Schneedruck und Windwurf und nicht zuletzt der Borkenkäfer haben ihm zugesetzt. „2025 konnten wir aber wieder positive Signale erkennen, der Wald erholt sich“, unterstrich Dellagiacoma. So habe es in den Fallen zur Beobachtung des Borkenkäferfluges nur noch die Hälfte an Fängen gegeben. Schließlich legte der stellvertretende Abteilungsdirektor die Arbeiten in Regie der Forstbehörde dar. Sie umfassen eine ganze Reihe an Maßnahmen, von Aufforstungen über die Errichtung von Hofzufahrten bis hin zu Maßnahmen zur Waldbrandprävention. Zudem wurde in das ländliche Wegenetz investiert: Allein im Jahr 2025 wurden 134 entsprechende Projekte gefördert. In den Jahren 2021 bis 2025 konnten insgesamt nicht weniger als 452 Projekte mit 106.078.113 Euro finanziert werden. „Die Bedeutung eines funktionierenden ländlichen Wegenetzes ist dem Landesrat voll bewusst, deshalb liegt hier ein großer Schwerpunkt“, unterstrich Dellagiacoma. 

Fachschulen als Kaderschmiede
Die land- und hauswirtschaftlichen Fachschulen sind zwar nicht mehr unter dem Dach des Landwirtschaftsressorts vereint, da sie aber die Ausbildung der künftigen Bäuerinnen und Bauern bewerkstelligen, sind sie fester Bestandteil des Agrar- und Forstberichtes. Darum war Gertraud Aschbacher, Direktorin der Fachschule Dietenheim, als Vertreterin der sechs Fachschulen bei der Vorstellung des Berichts anwesend und stellte diesen Bereich vor:  Rund 1.000 Schülerinnen und Schülern werden landesweit an den Fachschulen unterrichtet und erhalten eine breite und gleichzeitig sehr spezifische Ausbildung, mit der sie auf ihre Zukunft auf den Höfen vorbereitet werden. „Unsere Schülerinnen und Schüler sind stark auf ihren Heimathöfen verwurzelt, sie haben aber auch einen offenen Blick nach außen und schauen mutig in die Zukunft“, stellte Aschbacher klar. Die Fachschule Dietenheim feierte kürzlich ihr 100-jähriges Bestehen: Im Jahr 1925 war die Landes-Winterschule von Wiesen/Pfitsch in den Ansitz Mair am Hof in Dietenheim übersiedelt.

Universität: Lehre und Forschung 
Thomas Zanon von der Fakultät für Agrar-, Umwelt- und Lebensmittelwissenschaften berichtete über die Forschungsaktivität an der Freien Universität Bozen und über die Forschungsschwerpunkte in den Bereichen Agrarwissenschaft, Analyse und Management von Bergökosystemen und Lebensmittelwissenschaft. Ziel sei es, einerseits Grundlagenforschung zu betreiben, aber auch immer mehr in Richtung Praxis zu arbeiten. Davon zeugt etwa ein Projekt zur Milchziegenhaltung, die für Südtirol Zukunft hat, aber gezielte Unterstützung, Forschung und Beratung benötigt. 

Renate Anna Rubner

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