Südtiroler Bäuerinnenorganisation | 17.02.2022

„Wagt ein Ehrenamt, es bereichert!“

Auf ein trotz Pandemie ereignisreiches Jahr blickt Landesbäuerin Antonia Egger im Interview zurück. Mit Zuversicht geht sie in das neue Jahr, das geprägt sein wird von den Neuwahlen, die 2023 anstehen. von Ulrike Tonner

Landesbäuerin Antonia Egger: „Ganz wichtig ist das Thema soziale Absicherung.“ Foto: SBO, Armin Huber

Landesbäuerin Antonia Egger: „Ganz wichtig ist das Thema soziale Absicherung.“ Foto: SBO, Armin Huber

Landesbäuerin Antonia Egger fordert im Interview mit dem „Südtiroler Landwirt“ von der Politik gute Rahmenbedingungen für den ländlichen Raum und eine zukunftsfähige soziale Absicherung. Sie sieht den Wahlen in der Südtiroler Bäuerinnenorganisation zuversichtlich entgegen und hofft, dass die Bäuerinnen wieder Lust auf Gemeinschaft haben.

Südtiroler Landwirt: Frau Egger, das Jahr 2021 war pandemiegeprägt. Einige Ereignisse fanden aber statt. Zu Ihrer Zufriedenheit?

Antonia Egger: Ja, auf alle Fälle, vor allem die 40-Jahr-Feier in Toblach. Der Landesbäuerinnentag im Sommer war eine Herausforderung, aber es war wichtig, ihn abzuhalten, um in Kontakt zu bleiben. Das hat mir auch Auftrieb für meine Arbeit gegeben, denn in dieser Zeit Landesbäuerin zu sein, ist nicht einfach. Durch die Lockdowns und die sich ständig ändernden Regelungen war die Arbeit die letzten beiden Jahre schwierig. Ich habe bemerkt, dass sich die Bäuerinnen einigeln, sich auf die Arbeit daheim konzentrieren und wenig Interesse für die Vereinsarbeit haben. Das erschreckt mich. Ich hoffe, dass die Bäue­rinnen wieder mehr zusammenkommen. 

Im Herbst stehen Wahlen in der Bäuerinnenorganisation an. Macht Ihnen das Sorge?

Wir sehen der Wahl positiv entgegen. Bauernjugend und Senioren haben es geschafft, in der Pandemiezeit die Wahlen durchzuführen, wir werden es auch schaffen. Ich bin zuversichtlich, dass es den Bäuerinnen ein Anliegen ist, draußen die Ortsgruppe weiterzuführen, und dass sich Bäuerinnen finden, die motiviert in die Vereinsarbeit einsteigen.

Wie lief die Netzwerkarbeit außerhalb der Bäuerinnenorganisation?

Wir hatten viele Kontakte mit den Frauenorganisationen und anderen Einrichtungen, auch außerhalb der Landesgrenze, zwar teilweise über Zoom, doch sie waren wichtig, um gemeinsam nach vorne zu denken. Vor allem die Zusammenarbeit mit den Bäuerinnen aus Österreich, Bayern und der Schweiz empfinde ich immer als großen Gewinn, z. B. beim Bäuerinnentag in Schlanders gemeinsam mit den Graubündner Bäuerinnen. Wir können viel voneinander lernen. Wichtig ist, stets weiterzudenken und nicht stehen zu bleiben.

Ist die politische Diskussion stehengeblieben?

Ich muss gestehen, dass die aktuellen landwirtschaftlichen Themen durch Corona schon in den Hintergrund gelangt sind. Außer die frauenpolitischen Themen, da waren wir mit den anderen Frauenorganisationen immer in Verbindung. Wir hatten im Sommer zudem einen informativen Austausch mit Landesrätin Waltraud Deeg, denn es ist wichtig, dass wir uns bei den sozialen Themen einbringen.

Was fordern Sie von der Politik?

Die Politik darf den ländlichen Raum nicht vergessen: Digitalisierung, ländliches Wegenetz, Mobilität, keine Auflösung von Strukturen, z. B. Schulen in kleinen Dörfern. Die Rahmenbedingungen müssen so sein, dass die Familien in den kleinen Weilern draußen Zugang zu Bildung, Arbeit und Gemeinschaft haben. 

Und ganz wichtig ist das Thema soziale Absicherung, da muss die große Politik dranbleiben, damit wir in Zukunft nicht einer Verarmung der Bäuerinnen und Bauern entgegengehen.

Gibt es eine konkrete Forderung von den Bäuerinnen?

Unsere Schulprojekte sind uns ganz wichtig. Hier braucht es weiterhin finanzielle Unterstützung, die darf nicht angetastet werden. Die Schulprojekte bieten ein finanzielles Standbein für die Bäuerinnen und bieten die Basis für Kommunikation mit der Gesellschaft. 

Dabei geht es auch um das Thema Nachhaltigkeit, oder?

Ja, genau. Wir sind im Netzwerk der Nachhaltigkeit dabei und möchten aufzeigen, dass wir viele nachhaltige Projekte haben. Das gelingt durch unsere Schulprojekte. Ich bin der Meinung, dass wir als landwirtschaftliche Familienbetriebe nachhaltig wirtschaften, dadurch können wir unsere Höfe der nächsten Generation übergeben. Natürlich können wir uns weiterentwickeln. Die Höfe sollen sich modernisieren, aber immer im Einklang mit der Natur, stets mit dem richtigen Maß. 

Auch das Thema Saatgut gehört hier dazu?

Das Thema Saatgut ist eine komplexe Angelegenheit, hier bedarf es unbedingt neuer Regelungen. Es gibt die Artenvielfaltshöfe, die ihr Saatgut selbst vermehren. Diesen Betrieben möchten wir im Bäuerinnen-Dienstleistungsportal eine Plattform bieten. 

Die Südtiroler Bäuerinnenorganisation braucht es also weiterhin?

Auf jeden Fall, sie ist immer aktuell. Sie muss sich den Herausforderungen der Gesellschaft anpassen und auf die Anliegen und Ideen der Mitglieder hören. Man kann nicht alles umsetzen, doch vieles herauspicken. Nicht ich und der Landesbäuerinnenrat sind die SBO: Die SBO sind alle Mitglieder, sie machen die SBO zu dem, was sie ist!

Ihr Aufruf an die Bäuerinnen? 

Wagt, ein Ehrenamt in der SBO anzunehmen! Ich habe so viele positive Begegnungen gehabt, Erfahrungen und Erlebnisse, die mich positiv geprägt haben. Wagt ein Ehrenamt, es bereichert!