Bauernbünde im Austausch
Vor zwei Wochen trafen sich der Landesbauernrat des Südtiroler Bauernbundes und die Bundesvorstehung des Tiroler Bauernbundes zu einer gemeinsamen Sitzung am Sitz der Mila – Bergmilch Südtirol in Bozen. Dabei standen mehrere aktuelle Themen auf der Tagesordnung.
Nach einer virtuellen Betriebsführung und einer Verkostung besprachen die Teilnehmer unter der Leitung des Südtiroler Bauernbund-Landesobmanns Daniel Gasser und seines Tiroler Amtskollegen Josef Geisler eine Reihe von aktuellen Themen. Im Mittelpunkt standen agrarpolitische Zukunftsfragen, die regionale Vermarktung und die Umsetzung neuer EU-Vorgaben. Gasser und Geisler betonten die Bedeutung des Austauschs zwischen den Bauernvertretungen dies- und jenseits des Brenners.
Ein Thema war die Gemeinsame Agrarpolitik ab 2028. Europaparlamentarier Herbert Dorfmann stellte dazu die Position der Europäischen Volkspartei vor: „Aktuell und in den kommenden Monaten geht es vor allem darum, die benötigten Gelder für das Agrarbudget zu sichern und diese dann gerecht zu verteilen. Das wird ein hartes Stück Arbeit, aber ich bin zuversichtlich, dass die Landwirtschaft auch in Zukunft gut mit den EU-Geldern arbeiten kann.“ Martin Tröger, Geschäftsführer des Viehvermarktungskonsortiums Kovieh, stellte das Fleischvermarktungsprogramm „ALPS BEEF – Südtirol“ vor. Dieses setzt auf Fleisch, das natürlich, rückverfolgbar, schmackhaft und aus Südtirol ist. Vor der Schlachtung ist keine Silage erlaubt, die Tiere müssen sich frei bewegen können. Ziel ist es, regionale Wertschöpfung zu schaffen und Metzgern sowie Konsumenten Qualität und Transparenz zu bieten.
Diskussion über Verordnung zur Renaturierung
Breiten Raum nahm die EU-Verordnung über die Wiederherstellung der Natur ein. Für Tirol stellte Josef Geisler den aktuellen Fahrplan vor. Die Verordnung ist seit 19. August 2024 in Kraft. Bis 1. September 2026 müssen die Mitgliedstaaten Entwürfe ihrer nationalen Wiederherstellungspläne vorlegen, die finalen Pläne sollen bis 1. September 2027 an die EU-Kommission übermittelt werden. Die Verordnung betrifft unter anderem Naturschutz, städtische Ökosysteme, Gewässer, landwirtschaftliche Ökosysteme und Wälder. Für die Landwirtschaft besonders relevant sind Vorgaben zu Agrarumweltindikatoren, zur Entwicklung typischer Vogelarten in der Agrarlandschaft („Farmland Bird Index“) und zur Wiedervernässung entwässerter, landwirtschaftlich genutzter Moorböden. Allein in Tirol wären bis 2030 rund 400 Hektar Wiedervernässungsfläche betroffen. Zugleich bleiben viele Fragen offen – etwa zur Finanzierung, zur rechtlichen Verbindlichkeit der Pläne, zum Monitoring und zu möglichen Auswirkungen auf Genehmigungsverfahren.
Für Südtirol informierte Julia Mayr über den Stand der Umsetzung in Italien. Ein gesetzesvertretendes Dekret soll die nationale Gesetzgebung an die EU-Verordnung anpassen. Zuständigkeiten sollen zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium aufgeteilt werden; auch Regionen und autonome Provinzen sind in die Umsetzung eingebunden. Der Südtiroler Bauernbund hat unter anderem eine echte öffentliche Konsultation, die Mitarbeit der autonomen Provinzen an allen Arbeitstischen, eine ausreichende Finanzierung und Ausnahmen für Klein- und Kleinstbetriebe eingefordert.
Über den aktuellen Stand zur EU-Entwaldungsverordnung sprach Evelyn Gallmetzer. Diese Verordnung, deren Geltungsbeginn mehrfach aufgeschoben wurde, sorgte für viel Unmut. Befürchtet wird ein enormer bürokratischer Aufwand für die Waldbesitzer, gefordert eine Entlastung vor allem für kleine Betriebe. Mittlerweile liegt ein Vorschlag der EU-Kommission zur Vereinfachung vor. Dieser enthält zwar Änderungen des Anwendungsbereichs für bestimmte Erzeugnisse, allerdings nicht in Bereichen, die die alpine Land- und Forstwirtschaft wirklich entlasten würden. Die Bauernvertreter forderten weitere konkrete Verbesserungen.
Die beiden Landesbäuerinnen Andrea Lechleitner und Antonia Egger sprachen bei der gemeinsamen Sitzung über die Rolle der Bäuerinnen in den beiden Verbänden: „Die Bäuerinnen sind zwar auf unterschiedliche Weise in die einzelnen Verbandsstrukturen eingebunden, weil auch die Voraussetzungen in beiden Ländern unterschiedlich sind. Wir fühlen uns aber gehört und gut akzeptiert“, waren sich die beiden Frauen einig. Die gemeinsame Sitzung machte deutlich: Tirol und Südtirol stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Es geht um die Zukunft der bäuerlichen Betriebe, um regionale Wertschöpfung und um eine praxistaugliche Umsetzung europäischer Vorgaben.