Bauernbund rückt soziale Absicherung in den Mittelpunkt
Zu Beginn des Jahres treten traditionell zahlreiche Neuerungen in Kraft. Welche Änderungen auf die Bäuerinnen und Bauern zukommen, stand im Mittelpunkt des großen bäuerlichen Informationstags im Vereinshaus in Pfalzen. Diskutiert wurden unter anderem die Waldpflege, die soziale Absicherung, die nationale Tierdatenbank sowie die Maschinenförderung.
Im heurigen Jahr stellt der Südtiroler Bauernbund die soziale Absicherung in den Fokus seiner Verbandspolitik, betonte Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner. Ziel sei es, die bäuerliche Bevölkerung im Alter besser abzusichern – durch die staatliche Rente, eine Zusatzrente sowie die Anerkennung von Erziehungs- und Pflegezeiten. „Wir werden die Bäuerinnen und Bauern heuer intensiv sensibilisieren. Mit gezielten Informationen und Webinaren wollen wir aufzeigen, wie wichtig es ist, möglichst früh mit Einzahlungen in einen Zusatzrentenfonds zu beginnen. Wer rechtzeitig startet, kann bereits mit kleinen Beiträgen viel erreichen“, so Rinner. Positiv bewertete er in diesem Zusammenhang den Zusatzrentenbeitrag für Neugeborene. Zugleich appellierte er an die ältere Generation: „Vielleicht könnten Großeltern ab der Geburt ihrer Enkelkinder regelmäßig einen kleinen Beitrag einzahlen.“
Erste Anlaufstelle bei Fragen zur sozialen Absicherung ist das Bauernbund-Patronat, das größte seiner Art in Südtirol. Es informiert auch über aktuelle Neuerungen wie den „Bonus Mamme“ oder die Freistellung bei Erkrankung eines Kindes. Zudem wurde der ISEE-Wert für Leistungen wie das Landeskindergeld angepasst. Über eine erfreuliche Entwicklung berichtete Wolfgang Weger, Amtsdirektor des Forstinspektorats Bruneck: „Die Borkenkäferpopulation ist deutlich rückläufig. Das zeigt sich auch in den Fangzahlen, die im dritten Jahr in Folge gesunken sind. Gleichzeitig ist die Wintersterblichkeit gestiegen. Auch die natürlichen Feinde, wie Spechte, Milben und Insekten sowie Pilze, setzen dem Borkenkäfer zu“, erklärte Weger.
Um die Wälder widerstandsfähiger und klimafitter zu machen, stehen gezielte Fördermaßnahmen bereit. Insgesamt gibt es fünf Förderschienen – von Schadholzmanagement und Zwangsnutzungen über Waldpflegemaßnahmen bis hin zur Schutzwald- und Lebensraumpflege sowie zur forstlichen Erschließung. Wichtig sei auch, dass sich die sog. Käferflächen rasch wieder begrünen. „Die Natur leistet viel, doch es braucht auch das Engagement der Waldeigentümer“, betonte Weger. Zudem rief er dazu auf, gefährliche Bäume rechtzeitig zu entfernen. Eine Sensibilisierungskampagne der Landesverwaltung soll zusätzlich auf die Bedeutung des Waldes aufmerksam machen. Martin Stuppner vom Amt für Landmaschinen hat die Neuerungen bei den Förderungen von Maschinen vorgestellt. Es gebe einige neue förderfähige Maschinen und Anlagen. Ein Ziel sei, besonders die Betriebe in der Milchwirtschaft zu unterstützen. Die Förderungen seien dafür angepasst worden und werden digital gestellt. Neuerungen gibt es auch bei der Hauptuntersuchung für Traktoren mit einer zugelassenen Höchstgeschwindigkeit über 50 km/h. Stuppner rief dazu auf, sich rechtzeitig für die Hauptuntersuchung anzumelden, um Sanktionen zu entgehen.
Dass den Bäuerinnen und Bauern einiges beim nationalen System zur Rückverfolgbarkeit der betrieblichen Abfälle (RENTRI) erspart bleibt, unterstrich die SBB-Bezirksleiterin Andrea Steger. „Der SBB konnte einige wesentliche Ausnahmen und somit Erleichterungen erzielen, die die Eintragung, das Register oder den Transport zur Genossenschaft betreffen.“ Steger erinnerte weiters an den richtigen Zeitpunkt für die Hofübergabe. „Wichtig ist, rechtzeitig an die Hofübergabe zu denken, besonders bei schwerer Krankheit oder bei hohem Alter des Hofübergebers oder wenn die Altersgrenze des Hofübernehmers für die Junglandwirteförderung naht. Immer wieder kommt es vor, dass die Zeit knapp ist und noch Richtigstellungen bei Grundbuch und Kataster nötig sind.“ Daher appellierte Steger, sich rechtzeitig mit dem Bezirksbüro in Verbindung zu setzen. Neu ist zudem die außerfamiliäre Hofübergabe. In seltenen Fällen haben Hofeigentümer keine Nachfolgerin oder keinen Nachfolger, oder sie wollen den Hof nicht weiterführen. Die Übertragung an eine Familie außerhalb der Kernfamilie kann dann sicherstellen, dass der Hof auch in Zukunft bewirtschaftet wird. Eine große Veränderung und einige Schwierigkeiten hat die Umstellung auf die nationale Tierdatenbank gebracht. Uwe Holzmann, der tierärztliche Koordinator der Sanitätseinheit Ost, begrüßt die Einführung einer einzigen Datenbank für alle Tierarten. Der Ersteinstieg bereitete einigen Bäuerinnen und Bauern Schwierigkeiten. Bei Problemen sollten sie sich an den Beratungsring BRING oder den amtstierärztlichen Dienst wenden. Sobald sich die Bäuerinnen und Bauern an das System gewöhnt hätten, würden die Vorteile deutlich: „Wer die Daten in der Tierdatenbank aktiv nutzt, behält den Überblick über den eigenen Betrieb.“ Auch das Tierwohlsystem Classyfarm und eine einheitliche Tierwohlzertifizierung machen Sinn, denn sie würden den Konsumentinnen und Konsumenten Transparenz und Orientierung bieten. „Eine Untersuchung aus der Toskana zeigt zudem, dass gute Tierschutzparameter zu einer höheren Milchleistung führen.“
Nach den Kurzreferaten folgte im Vereinshaus in Pfalzen, das bis auf den letzten Platz gefüllt war, die Diskussion u. a. mit Bezirksobmann Manfred Vallazza, Senator Meinhard Durnwalder, den Landtagsabgeordneten Franz Locher und Sepp Noggler, dem Präsidenten der Bezirksgemeinschaft Pustertal, Robert Steger, und den Referenten. Themen waren u. a. der Wolf, die digitale Erhebung der landwirtschaftlichen Flächen, Förderungen, der Urlaub auf dem Bauernhof, Entschädigungen bei kurzfristiger Besetzung bäuerlichen Grundes, das Tierwohlsiegel und die immer größer werdende Bürokratie. Zum Abschluss appellierte der Bauernbund-Bezirksobmann Manfred Vallazza, bei der Arbeit vorsichtig zu sein, um Unfälle zu vermeiden.
Das Interesse an den Neuerungen in der Landwirtschaft und an der Diskussion war groß. Im vollbesetzten Vereinshaus in Pfalzen stellten sich Sepp Noggler, Meinhard Durnwalder, Franz Locher, Robert Steger, Siegfried Rinner, Martin Stuppner, Wolfgang Weger und Uwe Holzmann den Fragen der Bäuerinnen und Bauern. Die Stimmung war insgesamt sehr gut.