Bauernbund-Strategie 2030 auf Schiene
Wie wird unsere Landwirtschaft 2030 aussehen? Was bedeutet das für die Verbandsarbeit des Bauernbundes und für seine Dienstleistungen? Wie können also Entwicklungen begleitet oder sogar vorweggenommen werden? Antworten auf diese Fragen soll die Strategie 2030 geben.
Der satzungsgemäße Zweck des Bauernbundes, die Lage des Bauernstandes in wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und politischer Hinsicht zu stärken und zu festigen, hat sich seit 1904, dem Gründungsjahr des Tiroler Bauernbundes, nicht geändert. Die Rahmenbedingungen aber sehr wohl – die Welt ist vielschichtiger und die Zusammenhänge sind komplexer geworden. Es gilt heute deshalb umso mehr, planvoll, abgestimmt und strategisch vorzugehen – deshalb hat der Südtiroler Bauernbund die „Strategie 2030“ ausgearbeitet. In den vergangenen Monaten haben sich Landesbauernrat, Präsidium, Geschäftsleitung, die Bezirks- und Abteilungsleiter und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilungen im Rahmen des Projekts „Strategie 2030“ intensiv mit der zukünftigen Ausrichtung des Südtiroler Bauernbunds befasst.
Strategische Ziele und Maßnahmen
Das Ergebnis liegt nun vor: 27 strategische Ziele mit Zielgrößen (siehe Tabelle) und 163 strategische Maßnahmen wurden definiert. Beschlossen wurde das Gesamtpaket „Strategie 2030“ im Rahmen der Klausur des Landesbauernrates am 27. Juni. Startschuss für die Arbeiten am Strategieplan war eine spannende Runde von Präsidium und Geschäftsleitung mit drei externen Impulsgebern im Februar 2025: Der Wiener WIFO-Experte Franz Sinabell, der ehemalige Ressortdirektor der EU-Generaldirektion Landwirtschaft Georg Häusler und Universitätsprofessor Gottfried Tappeiner hielten der Landwirtschaft und dem Südtiroler Bauernbund dabei den Spiegel vor und regten konkrete Schwerpunktsetzungen an. In den großen Trichter flossen neben den Anregungen der drei externen Impulsgeber und den Erkenntnissen aus der Bauernbund-Mitgliederbefragung erstmals auch die Anforderungen der landwirtschaftlichen Partnerorganisationen. Heraus gekommen sind die strategischen Ziele als Herzstück und in der Folge die Maßnahmen, die dazu dienen, die Ziele bis 2030 umzusetzen.
„Die ,Strategie 2030‘ ist ein Ausdruck dafür, wie Bewährtes und Innovatives sich gegenseitig ergänzen und befruchten können. Wir bauen als Bauernbund auf ein grundsolides Fundament auf. Wenn wir auch in Zukunft erfolgreich sein wollen, müssen wir uns auch die Zeit nehmen, den Blick auf den Horizont zu richten“, unterstreicht Landesobmann Daniel Gasser das Ergebnis und dankt allen Funktionärinnen, Funktionären, Führungskräften sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihr Engagement. „Die Berücksichtigung globaler, europäischer, staatlicher und auch regionaler Entwicklungen ist für die Weiterentwicklung der Landwirtschaft wesentlich“, meint Gasser weiter. In diesem Zusammenhang brauche es gute Lösungsansätze und starke Netzwerke.
Der Hof als Wirtschaftsstandort
„Während wir in den vergangenen beiden Strategieprozessen vor allem die Digitalisierung und Nachhaltigkeitsthemen in den Fokus gestellt haben, wurde diesmal die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Landwirtschaft und der bäuerlichen Betriebe in den Mittelpunkt gerückt“, sagt Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner, „wir sehen den Bauernhof verstärkt als Wirtschaftsstandort, dessen Entwicklungspotenziale ausgeschöpft werden müssen.“ Die Möglichkeit von Nebenerwerb, die Diversifizierung der
Betriebe, Energieproduktion als Geschäftsmodell für die Landwirtschaft, überbetriebliche Zusammenarbeit und die Möglichkeit der Ausübung von nicht-landwirtschaftlichen Tätigkeiten am Hof sind nur einige der Themen, die in den nächsten fünf Jahren verstärkt unter die Lupe genommen werden sollen. Darüber hinaus ist die Stärkung der regionalen Kreisläufe ein wesentliches Element der „Strategie 2030“. Siegfried Rinner erklärt: „Dabei sind wir auf die Unterstützung der Politik angewiesen, damit unsere Ideen für eine stärkere Verankerung der landwirtschaftlichen Produkte in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung greifen können.“ Die Bäuerinnen und Bauern erwarten sich vom Südtiroler Bauernbund zu Recht eine starke Interessenvertretung und qualitativ hochwertige Dienstleistungen. In der letzten Mitgliederbefragung stellen die Mitglieder dem Südtiroler Bauernbund ein sehr gutes Zeugnis aus. Dieser Erfolg kommt aber nicht von ungefähr: Strategische Planung und Qualitätsanstrengungen zum Wohle der Mitglieder werden im Bauernbund seit Langem großgeschrieben.
Nun beginnt Umsetzung
Die „Strategie 2030“ ist nach 2006, 2010, 2015 und 2020 bereits der fünfte breit angelegte Prozess, um mittel- bzw. langfristige Ziele und Strategien zu entwickeln. Begleitet wurde sie vom Nordtiroler Berater Dietmar Wirth, die Projektleitung hatte Hauptabteilungsleiter Matthias Bertagnolli inne. Nun beginnt die Umsetzung der strategischen Maßnahmen: Sie fließen in den nächsten Jahren in die jährlichen Betriebsziele und Mitarbeitergespräche ein. Damit schließt sich der Kreis. Am Ende steht die Zufriedenheit der Mitglieder.