Drei Bergbauernfamilien freuten sich stellvertretend für Tausende Familien im ganzen Land über den Bergbauernpreis. 

Bergbauernpreis für drei Vorbild-Familien

Der Südtiroler Bauernbund und die Südtiroler Raiffeisenkassen haben auf der SBB-Landesversammlung heute (Samstag) wieder drei Familien mit dem Bergbauernpreis ausgezeichnet. Mit dem Bergbauernpreis, gespendet von den Südtiroler Raiffeisenkassen, werden – stellvertretend für die Tausenden Bergbauern in Südtirol – Familien prämiert, die Besonderes leisten. Zugleich soll die Bevölkerung damit auf die großen Leistungen aller Bergbauernfamilien hingewiesen werden.

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SBB Politik

Sie stellen unter harten Bedingungen hochwertige Lebensmittel her, pflegen dabei die einzigartige Kulturlandschaft, erhalten Tradition und Brauchtum, sind im öffentlichen Dorfleben aktiv und helfen so mit, die Attraktivität des ländlichen Raumes zu sichern. „Bergbäuerinnen und Bergbauern mit ihren Familien erbringen außergewöhnliche Leistungen. Mit dem Bergbauernpreis wollen wir einerseits drei Familien auszeichnen und andererseits zeigen, was wir als Gesellschaft den Bergbäuerinnen und Bergbauern verdanken. Hochwertige Lebensmittel und die Landschaftspflege sind keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis harter Arbeit“, unterstrich Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser. Was Bergbauernfamilien ebenfalls auszeichnet, ist ihr Fleiß, ihre Bescheidenheit und ihre Zufriedenheit. 
„Einen Bergbauernhof zu führen und ihn auch für die nächste Generation attraktiv zu halten, ist eine große Herausforderung in einer Zeit des rasanten Wandels und wo es immer schwieriger wird, sich im Wettbewerb erfolgreich zu behaupten“, erklärte Herbert Von Leon, der Obmann des Raiffeisenverbandes Südtirol. Seit vielen Jahren unterstützen die Raiffeisenkassen Südtirols den Bergbauernpreis finanziell. „Die Bergbauernpreise, die von den Südtiroler Raiffeisenkassen gespendet werden, sind eine wichtige symbolische Anerkennung und eine Wertschätzung für die Verdienste der Südtiroler Bergbäuerinnen und Bergbauern.“

Die Preisträger 2026

Christian und Ingrid Berger
 bewirtschaften zusammen mit Altbauer Franz Berger und den Kindern Anna, Leo und Lena Berger den Oberrieserhof (112 Erschwernispunkte) in  Ahornach/Sand in Taufers. Zum Hof gehören 5,5 Hektar Wiesen. Zudem werden noch zwei Hektar Pachtwiesen bewirtschaftet. Dank der Meliorierungen und der Wiesewege kann der Großteil des Grünlandes mit Maschinen bewirtschaftet werden. Ein zeitgemäßer Fuhrpark ist wichtig, um das Heu zum idealen Zeitpunkt im Stadel einzulagern und um die Arbeit zu erleichtern. Christian Berger investiert daher regelmäßig in den Hof und geht mit der Zeit. 
Der Haupterwerb ist die Milchwirtschaft. Im Schnitt gibt es am Hof 15 Großvieheinheiten. Für mehr Tierwohl hat Christian Berger vor einigen Jahren den Stall zu einem Kombinationsstall umgebaut. Zudem ist ein Teil der Tiere im Sommer auf der Alm. Zweites Einkommen auf dem Oberrieserhof ist die Holzwirtschaft. 18 Hektar Wald gehören zum Hof. Dank eines neuen, zwei Kilometer langen Weges kann der Wald leichter bewirtschaftet werden. Bäuerin Ingrid Berger arbeitet in Teilzeit. Trotz der vielen Arbeit ist Christian Berger in Vereinen und Organisationen im Dorf aktiv. Er hat früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Er war 13 Jahre alt, als seine Mutter starb. Jahre später hat er als jüngstes Kind den Oberrieserhof übernommen und bewirtschaftet ihn seitdem mustergültig. 

Am steilen Gebracksberg im Sarntal liegt der Kohlhof (115 Erschwernispunkte) von Stephanie Oberkalmsteiner. Sie führt den Bergbauernhof zusammen mit der Schwiegermutter Karolina Oberkalmsteiner und den Kindern Leonie und Hannes Oberkalmsteiner. Acht Hektar Wiesen werden zwei Mal gemäht. Um die Bewirtschaftung zu erleichtern, wurde ein Teil der Wiesen im letzten Jahr melioriert und entwässert. Zehn Hektar Weide gehören ebenfalls zum Bergbauernhof. Die Familie lebt vorwiegend von der Aufzucht. Zukünftig will die Familie Oberkalmsteiner in die Direktvermarktung einsteigen. Neben Brot möchten Stephanie und Hannes Oberkalmsteiner dann vor allem Fleisch selbst verarbeiten und vermarkten. Die Idee von Hannes Oberkalmsteiner, der noch zur Schule geht, ist eine Hofmetzgerei. Wichtig ist der jungen Familie der Erhalt der Traditionen, etwa durch die Instandhaltung der Holzzäune. 
Trotz großer Herausforderungen bewirtschaftet die junge Familie den Kohlhof vorbildlich und hat nie ans Aufgeben gedacht. Das ist keine Selbstverständlichkeit, dann das Schicksal hat es mit der Familie Oberkalmsteiner nicht gut gemeint. Vor etwas mehr als zwei Jahren ist Bauer Walter Oberkalmsteiner bei der Waldarbeit von einem Baumstamm erdrückt worden. Dabei wäre genau an diesem Tag ein Grund zum Feiern gewesen: Erstmals nach Jahren hat sich der Kopftumor von Tochter Leonie Oberkalmsteiner verkleinert. Die Verleihung des heurigen Bergbauernpreises am 28. Februar ist für die Familie eine besondere Auszeichnung an einem ganz speziellen Tag: dem Geburtstag von Walter Oberkalmsteiner. 

Andreas Volgger bewirtschaftet mit seinen Eltern Josef und Lea Volgger und Freundin Lena Daniel den Eggerhof in Pfunders/Vintl. Der Hof aus dem 14. Jahrhundert ist seit dem 17. Jahrhundert in Familienbesitz und seit 1988 ein Erbhof. 21 Hektar steile Wiesen, 80 Hektar Alm und 35 Hektar Wald, der nur zum Teil erschlossen ist, werden von der Familie Volgger mustergültig bewirtschaftet, was viel Fleiß und Leidenschaft erfordert. Bei der Heuernte helfen auch immer die Verwandten mit – der familiäre Zusammenhalt ist der Familie Volgger wichtig. Der Hof steht auf verschiedenen wirtschaftlichen Standbeinen. Der Haupterwerb ist die Milchwirtschaft. Im Sommer verarbeitet Altbäuerin Lea Volgger die Milch auf der Alm zu Bergkäse, Graukäse und Butter, die selbst vermarktet werden. Den Rest des Jahres wird die Milch an den Milchhof Brimi geliefert. Ein weiteres Standbein in der Almausschank auf der Bodenalm, die ebenfalls zum Hof gehört.
Der Hof ist dank eines kleinen Wasserkraftwerkes und zweier Photovoltaikanlagen energieautark – das dient nicht nur dem Klimaschutz, sondern hilft mit, Kosten zu sparen. Andreas und Josef Volgger haben laufend in den Hof investiert und ihn an die jeweilige Zeit angepasst. Beeindruckend ist der Lauf- und Kompoststall. Er sorgt zusammen mit der Alpung für das maximale Tierwohl. Bekannt ist die Familie Volgger für ihren Almabtrieb, der immer viele Schaulustige anlockt. Zweimal wurde der Hof in der Vergangenheit von einer Lawine mitgerissen und zerstört. Beide Male wurde er wieder aufgebaut. Das Festhalten am Erbe der Vorfahren zeichnet viele Bergbauernfamilien aus.

Bei der Landesversammlung wurde zu jeder Familie ein Preisträgerfilm gezeigt. Alle drei Filme werden am Samstag, 7. März um 20.25 Uhr im Fernsehen von RAI Südtirol gesendet. 

Die Familie Berger vom Oberrieserhof in Ahornach

Die Familie Oberkalmsteiner vom Kohlhof im Sarntal

Die Familie Volgger vom Eggerhof in Pfunders.

Michael Deltedesco

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