Bioland: Allianz geschmiedet
Um einen Schulterschluss für eine resiliente und wettbewerbsfähige Landwirtschaft ging es beim diesjährigen Bioland-Seminar Ende Jänner am Ritten. Klar wurde: Aktuelle Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam bewältigen – über Betriebs-, Verbands- und Landesgrenzen hinweg.
Wie kann eine Landwirtschaft aussehen, die ökologisch tragfähig, wirtschaftlich stabil und gesellschaftlich anerkannt ist? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Bioland-Seminars 2026, das am Ritten führende Vertreterinnen und Vertreter des Biolandbaus aus Südtirol, Österreich, Deutschland und der Schweiz zusammenführte. Unter dem Leitmotiv Kooperation und Schulterschluss wurde deutlich: Die Herausforderungen der Gegenwart lassen sich nur gemeinsam bewältigen – über Betriebs-, Verbands- und Landesgrenzen hinweg. Eröffnet wurde das Seminar mit Grußworten von Alma Calliari, Obfrau von Bioland Südtirol, Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser und Landesrat Luis Walcher, welche die Bedeutung einer konsequenten Weiterentwicklung der Biostrategie betonten. „Mehr Bio auf dem Teller“ sei nicht nur ein agrarpolitisches Ziel, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Landwirtschaft, Handel, Tourismus und Gastronomie gemeinsam tragen müssten. Landesrat Walcher unterstrich die wachsende Bedeutung der sektorübergreifenden Zusammenarbeit, um die regionale Wertschöpfung zu stärken.
Reinhard Verdorfer, Geschäftsführer von Bioland Südtirol, ordnete das Seminar in einen größeren Marktkontext ein. Während in Südtirol bereits rund 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche biologisch bewirtschaftet werden, liegt der Bioanteil in der klassischen Einkaufstasche bei gerade mal fünf bis sechs Prozent. „Flächenwachstum muss mit Produktionswachstum und Markttransformation Hand in Hand gehen“, unterstrich Verdorfer. Zentrale Hebel hierfür seien mehr Sichtbarkeit von Bio im Handel, eine stärkere Verankerung in Gastronomie und öffentlicher Gemeinschaftsverpflegung sowie eine Entlastung der Betriebe durch einfachere und kostengünstigere Kontroll- und Zertifizierungssysteme. Die neue Periode der Gemeinsamen Agrarpolitik GAP biete hier Chancen, die gezielt genutzt werden müssten.
Bio-Allianz als Chance
Internationale Perspektiven brachten die Präsidenten der Bioverbände der Schweiz, Österreichs und Deutschlands ein. Urs Brändli (Bio Suisse) präsentierte die Strategie 2030–2040 und skizzierte globale Trends: eine insgesamt nachhaltigere Landwirtschaft, die steigende Bedeutung von Bodengesundheit, Ernährung und Gesundheit sowie die klare Abgrenzung von Bio gegenüber Greenwashing-Strategien großer Konzerne. Politik bleibe wichtig, dürfe aber nicht überschätzt werden – entscheidend seien Markt, Handel und bewusste Konsumentscheidungen. Barbara Riegler, Bundesobfrau von Bio Austria, sprach offen über strukturelle Herausforderungen: In Österreich hätten in den letzten drei Jahren rund 1.000 Biobetriebe aufgegeben. Gleichzeitig wachse die Nachfrage. „Der Markt ist da – was fehlt, sind Betriebe“, meinte Riegler. Umso wichtiger sei eine länderübergreifende Bio-Allianz, die Märkte gemeinsam bearbeitet, Doppelstrukturen abbaut und den Zugang für Bäuerinnen und Bauern vereinfacht. Das Jahr 2026, von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Bäuerinnen erklärt, solle dafür gezielt genutzt werden. Für Jan Plagge, Präsident von Bioland e. V., ist die Bio-Allianz Ausdruck eines notwendigen Kulturwandels. Steigender Wettbewerbsdruck, Klimaextreme, wirtschaftliche Belastungen und politische Unsicherheiten forderten neue Formen der Zusammenarbeit. Die Bioverbände müssten ihre Rolle als Marktgestalter stärken, Qualitäts- und Herkunftssicherung weiterentwickeln und sich klar gegen eine Deregulierung neuer Gentechniken positionieren. „Der ökologische Weg muss Priorität haben – für Bio wie für die gesamte Landwirtschaft“, betonte Plagge.
Der Waldviertler Unternehmer und Biopionier Johannes Gutmann schilderte den Werdegang und die Idee von Sonnentor, der Biokräuterhandels GmbH die er im Jahr 1988 mit nur 23 Jahren gründete: „Ich habe seit jeher auf kleinteilige und persönliche Zusammenarbeit, Anbaupartnerschaften und wertgestützte Unternehmensstrategie gesetzt. Das hat sich für Sonnentor bis heute bezahlt gemacht.“ Das Bioland-Seminar 2026 machte deutlich: Bio ist mehr als eine Produktionsweise. Es ist ein gesellschaftliches Projekt, das Mut zur Kooperation, klare politische Haltung und wirtschaftliche Weitsicht verlangt. Der eingeschlagene Weg des Schulterschlusses soll in Südtirol konsequent weitergegangen werden – für eine Landwirtschaft mit Zukunft, regionaler Stärke und internationaler Verantwortung.