„Brandschutz am Hof beginnt bei mir“
Brände zählen zu den folgenschwersten Schadensereignissen in der Landwirtschaft – auch in Südtirol. Der Südtiroler Bauernbund startet deshalb eine Sensibilisierungskampagne zur Brandverhütung und zum richtigen Verhalten im Ernstfall.
Die Voraussetzungen für einen Brand sind auf vielen Höfen schon von vornherein gegeben: Brennbare Stoffe wie Holz, Heu, Stroh, Treibstoffe, Kunststoffe lagern oft in unmittelbarer Nähe potenzieller Zündquellen. In vielen Fällen lassen sich Brände auf defekte, veraltete oder überlastete Elektroanlagen zurückführen; Staub, Feuchtigkeit, beschädigte Leitungen oder provisorisch verlegte Kabel verschärfen das Risiko zusätzlich. Hinzu kommt, dass in den vergangenen Jahren viele Wirtschaftsgebäude mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet wurden – auch diese stellen besondere Anforderungen an Installation, Kontrolle und Wartung. Weitere Gefahrenquellen sind heiß laufende Maschinen und Geräte, Schweiß-, Schneid- oder Schleifarbeiten in der Nähe brennbarer Stoffe sowie die Selbstentzündung von Heu. Die Folgen eines Brandes sind für die betroffenen Familien oft schwerwiegend: Neben erheblichen Sachschäden besteht bei Bränden immer eine hohe Gefahr für Menschen und Tiere. Nicht selten stehen die Betroffenen nach einem Brand vor den Trümmern ihrer Existenz.
Brandvermeidung steht an erster Stelle
Werden Elektroanlagen fachgerecht ausgeführt, regelmäßig überprüft und gewartet, geht von ihnen grundsätzlich keine Gefahr aus. Im landwirtschaftlichen Betrieb gelten sie dennoch als höchstes Brandrisiko. Installationen und Wartungsarbeiten sollten deshalb ausschließlich befähigten Fachbetrieben überlassen werden. Sinnvoll sind unter anderem externe Hauptschalter je Brandabschnitt, Überspannungsschutz, gegen Nagetiere geschützte Kabelkanäle , staubdichte Leuchten mit niedriger Oberflächentemperatur. Auch durch grundlegende Brandschutzmaßnahmen lassen sich viele Brände – und damit schwere Schicksalsschläge – verhindern. Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen gehören nach Möglichkeit in eigene Maschinenräume und nicht in den Heustadel; nach dem Abstellen sollte die Stromzufuhr über den Batteriehauptschalter unterbrochen werden. Heiß laufende Teile wie Bremsen, Riemen sind regelmäßig zu kontrollieren, Filter, Kühlöffnungen und Belüftungen zu reinigen sowie Spinnweben und Staub zu entfernen. Bei Schweiß-, Löt-, Schneid- oder Schleifarbeiten ist brennbares Material im Umkreis von mindestens zehn Metern zu entfernen; ein Feuerlöscher sollte griffbereit sein. Die gesetzlichen Vorgaben sind zudem klar: Liegt eine kontrollpflichtige Brandschutztätigkeit laut DPR 151/2011 vor, muss ein Brandschutzprojekt erstellt werden. Dazu zählen unter anderem Treibstofftanks mit Betankungsvorrichtung ab sechs Kubikmetern, die Lagerung von über 50.000 Kilogramm Heu, Stroh oder Holz, Stromaggregate mit einer Gesamtleistung von mehr als 25 Kilowatt sowie Beherbergungsbetriebe mit mehr als 25 Betten. Für Heu, Stroh und Holz gilt eine Ausnahme, wenn keine Beherbergungstätigkeit besteht und im Umkreis von 100 Metern keine Nachbarn vorhanden sind.
Sechs Themen, ein Ziel
Die Bauernbund-Sensibilisierungskampagne „Brandschutz am Hof beginnt bei mir“ ist Teil einer mehrstufigen Brandschutzstrategie, mit der die Brandrisiken an den Höfen verringert und die Betriebe bei der Anpassung an die gesetzlichen Vorgaben unterstützt werden sollen. Herzstück der Kampagne ist ein Faltblatt zu Brandursachen, zu deren Vermeidung und zum richtigen Verhalten im Ernstfall. Er greift sechs zentrale Themen auf: Elektroinstallationen als höchstes Brandrisiko in der Landwirtschaft, die Selbstentzündung von Heu durch Feuchtigkeit und mangelnde Wärmeabfuhr, heiß laufende Maschinen und Geräte in der Nähe brennbarer Stoffe, gefährliche Tätigkeiten wie Schweiß-, Schneid-, Schleifarbeiten, organisatorischer Brandschutz sowie bauliche Schwachstellen wie fehlende Brandwände, schadhafte Kamine. Beim Heu weist das Faltblatt auch auf Warnzeichen wie süßlichen oder aromatischen Geruch, Dampf, Rauch, ein Absinken des Heustocks hin; ab 70 Grad Celsius ist sofort die Feuerwehr zu alarmieren. Organisatorisch empfiehlt das Faltblatt ein generelles Rauchverbot am Hof, gut erreichbare und funktionstüchtige Löscheinrichtungen sowie die Information aller Hofbewohner über Standort und Bedienung. Temperatur-Differenzialmelder und Sirenen in Wirtschaftsgebäuden, die mit Wohnhaus und Mobiltelefon verbunden sind, können wertvolle Zeit bringen. Auch Brandabschnitte, Feuerwände, frei gehaltene Flucht- und Rettungswege, regelmäßig überprüfte Kamine und ein Blitzschutzsystem in exponierten Lagen tragen zur Sicherheit bei.
Weitere Bausteine der Strategie
Über die Kampagne hinaus umfasst die Bauernbund-Brandschutzstrategie Vor-Ort-Inspektionen von Photovoltaik-Anlagen durch fachkundige Elektrotechniker des Handwerkerkonsortiums ARO, verschiedene Schulungen sowie die Neuauflage der Broschüre „Elektroanlagen und Brandschutz an der Hofstelle“. In Kürze wird es also möglich sein, sich mit der Abteilung Innovation & Energie des Bauernbundes in Kontakt zu setzen, um gegen eine Gebühr von 200 Euro plus Mehrwertsteuer Photovoltaik-Bestandsanlagen durch einen geschulten, lokalen Handwerksbetrieb brandschutztechnisch überprüfen zu lassen. Diese Dienstleistung beinhaltet die Prüfung der zur Photovoltaik zugehörigen elektrischen Anlagen inklusive Wechselrichter, Erdung und eventuellem Batteriespeicher im Gebäude, also auch die Prüfung von Modulen und Verkabelung auf dem Dach. Seit 1. September 2025 gilt zudem eine neue Brandschutzrichtlinie für neue Photovoltaik-Anlagen oder wesentlich veränderte Anlagen, wenn sie sich auf Gebäuden mit kontrollpflichtiger Brandschutztätigkeit befinden. Die Installation muss so erfolgen, dass eine Brandausbreitung auf das Gebäude verhindert oder zumindest eingeschränkt wird. Eine frühzeitige Abstimmung mit dem Installateur wird daher empfohlen. Bereits im Jahr 2024 wurden zwei Pilot-Brandschutzprojekte mit alternativen Standardlösungen genehmigt; derzeit werden Brandschutzbestimmungen auf Landesebene ausgearbeitet, damit künftig nicht jedes Projekt einzeln genehmigt werden muss. Für Treibstofftanks mit Betankungsvorrichtung in und an landwirtschaftlichen Gebäuden wurde auf Grundlage eines Bauernbund-Antrags bereits eine Ausnahmegenehmigung erteilt. Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Brand, gilt: Notrufnummer 112 wählen, Menschen und Tiere nur ohne Eigengefährdung in Sicherheit bringen und Entstehungsbrände mit funktionsfähigen Löschmitteln bekämpfen. Bei Vollbrand ist die Brandbekämpfung Aufgabe der Feuerwehr. Unterstützt wird der Südtiroler Bauernbund bei der Umsetzung der Brandschutzstrategie von der Firma Securplan aus Meran, mitfinanziert wird das Maßnahmenpaket von der Versicherungsgesellschaft ITAS.