Die Vitrine, die im Frauenmuseum in Meran anlässlich des Internationalen Jahres der Bäuerinnen gestaltet wurde.

Die Kraft der Hände

Eine Gastvitrine im Frauenmuseum Meran rückt Entwicklung und Bedeutung der Bäuerinnen in den Mittelpunkt. Sie wurde in Zusammenarbeit mit der Südtiroler Bäuerinnenorganisation am 5. März eröffnet und lädt zum Auftakt des Internationalen Jahres der Bäuerinnen auf Entdeckungsreise ein.

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Bäuerinnenorganisation

Anlässlich des Internationalen Jahres der Bäuerin widmet das Frauenmuseum Meran seine neue Gastvitrine dem Thema „Die Kraft der Hände – Bäuerinnen im Fokus“. Kuratorin Claudia Winkler, ausgebildet in Kostümgeschichte und seit zwei Jahren im Museum für den kuratorischen Bereich verantwortlich, hat die Ausstellung maßgeblich gestaltet. Mit feinem Gespür für historische Zusammenhänge und die heutige Lebenswirklichkeit der Bäuerinnen verbindet sie Objekte, Symbole und Alltagsgegenstände zu einem eindrucksvollen Blick auf weibliche Arbeit – damals wie heute. 

Südtiroler Landwirt: Frau Winkler, was war der Ausgangspunkt für die Gestaltung dieser Gastvitrine?
Claudia Winkler:
Wir haben uns gefragt: Was möchten wir darstellen? Uns war wichtig, die Entwicklung der Bäuerinnen sichtbar zu machen – ihre historischen Wurzeln, ihre Verantwortung für Ackerbau und Versorgung und dass es eigentlich den Frauen zu verdanken war, dass Felder bestellt und Korn angebaut wurde. Diese Geschichte wollten wir in die heutige Zeit übertragen, ohne die historischen Brüche zu vernachlässigen. Deshalb zeigen wir einerseits Kleidung und Objekte, die zeitliche Entwicklungen dokumentieren, andererseits die Überleitung zum Heute, wo Bäuerinnen vielfach Managerinnen sind. Sie tragen Verantwortung, organisieren Haushalt, Kinder, Hof, Vertrieb, Nachhaltigkeit. Diese stille, aber tragende Kraft wollten wir zeigen.

Viele Objekte in der Vitrine vermitteln Verantwortung – etwa das Eiergeld ...
Das Eiergeld zeigt klar, wie zentral die Rolle der Frauen war. Sie waren für die Hennen verantwortlich: fürs Füttern und Einsammeln der Eier – die Erträge durften sie behalten. Für viele Frauen war das ein erstes eigenes Einkommen, in einer Zeit, in der die Frauen finanziell noch stark von den Männern abhängig waren. Diese Objekte verdeutlichen, wie viel weibliche Arbeit auf den Höfen geleistet wurde und wie innovativ Frauenwirtschaft schon damals war.

Ein weiteres Element ist Erde. Welche Rolle spielt sie im Konzept?
Erde steht für Ursprung und Verbundenheit – mit der Wurzel, mit dem, wo alles entsteht. Ohne sie keine Pflanzen, kein Ertrag. Sie verweist auf den Kreislauf: säen, wachsen, ernten – und wieder von vorn. Dieser Zyklus zieht sich über Jahrhunderte durch und bildet die Grundlage aller landwirtschaftlichen Arbeit. Das wollten wir sichtbar machen.

Es geht auch um das Motiv des „Tragens“. Was bedeutet es im Kontext der Bäuerinnen?
Das Tragen meint weit mehr als körperliche Last. Frauen tragen Verantwortung – für Hof, Kinder, Arbeit und Gemeinschaft. Es geht auch, um das Er-Tragen, da kann man viel hineininterpretieren. Sie waren und sind die tragende Kraft im Hintergrund. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Jahrhunderte. Das wollten wir sichtbar machen.

Wie sind Sie bei der Auswahl der Objekte vorgegangen?
Uns war Natürlichkeit wichtig. Wir haben viel mit Holz, mit historischen Werkzeugen und Kleidungsstücken gearbeitet. Die Recherche war intensiv und sehr spannend – wir sind immer wieder in Geschichten eingetaucht, haben Verknüpfungen gesucht und eine Kombination gewählt, die sowohl ästhetisch als auch inhaltlich trägt. Dieser Prozess war ein sehr schöner Teil der Arbeit.

Was erwartet Besucherinnen und Besucher, wenn sie die Vitrine zum ersten Mal sehen?
Sie können eine kleine Entdeckungsreise antreten. Viele Objekte lassen sich wie in einem Wimmelbild finden. Besucherinnen und Besucher können überlegen: Warum steht dieses Objekt hier? Was erzählt es? Im zweiten Teil der Ausstellung zeigen wir Gegenstände, die heute kaum mehr genutzt werden. So wird sichtbar, wie viel Muskelkraft früher nötig war und welche Arbeitsschritte eine Bäuerin bewältigen musste. Wir haben alles gut dokumentiert, damit niemand ohne Informationen bleibt.

Was wünschen Sie sich für diese Ausstellung im Laufe des Jahres?
Wir wünschen uns Neugier und Reflexion. Viele Besucher kommen nach der Besichtigung zu uns an die Rezeption und möchten mehr wissen – das zeigt, dass die Themen bewegen. Auch für Schulklassen hoffen wir, dass sie erkennen, wie Landwirtschaft früher aussah, ohne moderne Geräte. Und vielleicht regt die Ausstellung an, über die Landwirtschaft von heute nachzudenken – und über die Rolle der Frauen, die sie tragen.  

Claudia Winkler ist im Frauenmuseum Meran für den kuratorischen Bereich verantwortlich.

Interview: Ulrike Tonner

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