Laura Paprian und Marc Grossgasteiger tüfteln an ihrer Zukunft.

Eine Ausbildung – viele Modelle

Um mehr Wertschöpfung für den Hof, einen lukrativen Nebenerwerb und den direkten Kontakt zu Kundinnen und Kunden ging es bei den Abschlussgesprächen der diesjährigen Direktvermarkterakademie. Das Feedback war sehr gut, die Absolventinnen und Absolventen voll Tatendrang und neuer Ideen.

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Weiterbildung Roter Hahn

Den Sonnenhügelhof am Ritten bewohnen Sara und Manfred Messner mit seinen Eltern Frieda und Karl. Hier soll im Nebenerwerb eine Ochsenzucht mit Tiroler Grauvieh entstehen: Geplant ist, Tiere im Alter von anderthalb bis zwei Jahren direkt von anderen Bauern oder aus der Versteigerung zu kaufen und sie dann mit dem hofeigenen Grundfutter und altem Brot als Kraftfutter zu mästen. Jedes Jahr sollen so zehn Ochsen verkauft werden, im Nebenerwerb. Weil Manfred durch seinen Hauptberuf gute Kontakte zur Gastronomie hat, ist der Plan, die Tiere nach Wunsch zerlegt und im Fall auch gereift an die gehobene Gastronomie zu liefern. Gespräche hat Manfred bereits geführt, Interesse ist da. Noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen, die ersten Ochsen sind aber bereits verkaufsfertig. „Wenn wir direkt an die Gastronomie verkaufen, bleibt am Hof mehr Wertschöpfung“, meint Manfred. Zentral ist für ihn, dass die Gastronomen die Besonderheit des Produkts ihren Gästen gut kommunizieren: indem in der Speisekarte auf die besondere Rasse und ihre Herkunft hingewiesen und das Servicepersonal entsprechend geschult wird.

120 Stunden Ausbildung 
Auch seinen Businessplan stellt Manfred vor: als Teil des Abschlussgesprächs, das er Ende März im Rahmen der Direktvermarkterakademie im Südtiroler Bauernbund geführt hat. Die Bauernbund-Weiterbildung organisiert die Kurse, die seit 2019 jedes Jahr veranstaltet werden und Direktvermarkterinnen und Direktvermarktern sowie Bäuerinnen und Bauern, die es noch werden möchten, das nötige Rüstzeug für ihren Betriebszweig mitgeben. In diesem Jahr waren es neun Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die in 120 Stunden (18 Tagen) den Lehrgang absolvierten. Manfred hat der Kurs viel gebracht: „Jetzt weiß ich, wie ich drangehen muss“, sagt er, die nächsten Schritte sind ihm klar. Die Referentinnen und Referenten waren gut vorbereitet und konnten wertvolle Informationen und Tipps geben, wenn auch nicht jede und jeder im gleichen Ausmaß. Das eine oder andere Modul sei vielleicht neu zu überdenken. Das Feedback nimmt Christoph Falkensteiner, Leiter der Bauernbund-Weiterbildung, gerne auf. Schließlich wird das Konzept jedes Jahr aufs Neue angepasst. Immer in Absprache mit der Abteilung Marketing, die die Ausbildung mitträgt und bei den Abschlussgesprächen mit Hans J. Kienzl vertreten ist. So ergibt sich am Ende jedes Abschlussgespräches eine rege Diskussion: Dabei geht es im Fall von Manfred Messner um Kooperatio­nen, Konzepte und Kommunikation ebenso wie um Fleischqualität, Fütterung und Kundenwünsche. Und nicht zuletzt wird darüber diskutiert, ob es Sinn macht, Mitglied bei der Qualitätsmarke „Roter Hahn“ zu werden, auch wenn nicht an Endkonsumentinnen und -konsumenten verkauft wird. Hans J. Kienzl unterstreicht: „Inzwischen gibt es eine Reihe von Köchinnen und Köchen in der gehobenen Gastronomie, die das Gütesiegel als Garantie für heimische Qualität vom Bauernhof schätzen.“ Einige seien sogar Botschafterinnen/Botschafter, sogenante „Ambassadors“ der Marke. „Es ist gerade ein guter Zeitpunkt, um mit Qualitätsfleisch auf den Markt zu kommen“, ermutigt Kienzl den angehenden Direktvermarkter. Falls er Fragen oder Beratung braucht, könne er sich jederzeit melden.

Gemüseanbau als Zuerwerb
Neu in der Landwirtschaft sind ­Laura Paprian und Marc Grossgasteiger. Sie sind von Beruf Skilehrerin bzw. Snowboardlehrer, Marc hat aber bereits in der Landwirtschaft gearbeitet und in der Fachschule Dietenheim den Junglandwirtekurs besucht, seine Freundin die ­Direktvermarkterakademie. Denn die beiden bauen seit 2020 Gemüse an, mit ziemlichem Erfolg: Es ist ein Südhang am Dorfausgang in Pfalzen, wo – teils im Gewächshaus – Tomaten, Auberginen, Zucchini, Knoblauch, Schnittlauch, Basilikum, verschiedene Kohlgewächse, Rohnen, Lauch, Fenchel, Kürbis und sogar Melonen wachsen. Den beiden schweben auch Getreide und Reben (Solaris) als Kulturen vor. Vorerst für den Eigenbedarf, den Überschuss bekommen Freunde und Bekannte. Für die Zukunft können sie sich auch einen Selbstbedienungsladen vorstellen, wo Interessierte ihre Produkte kaufen können. Ihr Ziel ist, die Landwirtschaft im Nebenerwerb aufzubauen. Inzwischen haben sie sich eine Fräse angeschafft, auch ein paar Hühner und einen Hahn. Auch die vorerst für  den Eigenbedarf an Eiern. Die junge Frau stellt der Direktvermarkterakademie ebenfalls ein gutes Zeugnis aus: „Ich habe viel gelernt und es war sehr spannend“, erklärt sie zum Schluss.

Anbau und Vermarktung professionalisieren
Eine Bäuerin in Fleisch und Blut ist Sibylle Mazoll: Sie und ihr Mann Michael bewirtschaften gemeinsam ihre Höfe. Den Moorguthof in Laas, von dem Sibylles Mutter stammt, führen die beiden seit 2014 als Pächter. Die Dauerwiesen dort wurden zunächst melioriert, auf zwei Hektar pflanzten sie Äpfel und auf weiteren Flächen bauen sie Gemüse an. Die ersten Schritte als Direktvermarkter machten Sibylle und Michael mit Kartoffeln, die eigentlich nur für den Eigenbedarf gedacht waren, bald wurden es aber mehr. Heute beliefern sie zwischen Handel und Gastronomie sechs bis sieben Abnehmer, vorwiegend mit Kartoffeln und kleineren Mengen an anderen Gemüsearten. Der Boden am Moorguthof ist – wie der Name bereits vermuten lässt – torfig, salzig und nass. Michael tüftelt daher an einer für den Standort passenden Fruchtfolge zwischen Kartoffeln, Blumenkohl, Zwiebeln und anderen Kulturen, um die schwierigen Böden fruchtbar zu halten. Auch die Mechanisierung im Ackerbau wird schrittweise ausgebaut, oft mit Gebrauchtmaschinen. Ziel der beiden ist es, den Anbau zu professionalisieren, die Vermarktung und das Marketing zu optimieren und die rechtlichen Aspekte im Griff zu behalten. „Der Kurs beinhaltet alles, was man als Direktvermarkterin braucht", erklärt Sibylle. Er sei sehr gut aufgebaut, fast alle Einheiten inhaltlich gut und die Referentinnen und Referenten für jede Frage gerüstet. Der Bereich Social Media sei allerdings noch ausbaufähig. Und sie hätte sich mehr Tipps in Bezug auf Verkaufsgesprächen mit Wiederverkäufern gewünscht, der Schwerpunkt lag dabei vor allem bei Endverbraucherinnen und -verbrauchern. Hilfreich sei auch die Erstellung des Businessplans gewesen, meint die Bäuerin, auch weil sie bereits konkrete Zahlen zur Verfügung hatte. Überschlagsmäßig kalkuliert hatten sie und ihr Mann schon vorher, die Berechnungen hätten sie aber bestätigt. Vor allem die Hofbesichtigungen waren für Sibylle aufschlussreich: Die Berufskolleginnen und -kollegen seien sehr mitteilsam gewesen und hätten auf alle Fragen klare Antworten gehabt.

Für die nächste Generation
Julius Schönthaler vom Tugglhof in Tanas hat die Direktvermarkterakademie absolviert, um sich ein Bild von den Möglichkeiten für seinen Mischbetrieb zu machen: Neben wenigen Tieren, die er noch hält, baut er Äpfel und seit 2004 Süßkirschen an. Seine Flächen sind weit verstreut, im Tal die Äpfel, weiter oben die Kirschanlage und auf 1200 Metern Meereshöhe die Grünlandflächen. Auch etwas Wald gehört zum Hof. In diesem Sommer werden die Kirschen noch an die Genossenschaft geliefert. Sollten die Erlöse  im Süßkirschenanbau dieses Jahr aber nicht zufriedenstellend sein, wird er mit der Direktvermarktung beginnen. Dann wird sich herausstellen, ob sich das rechnet. Denn die Auszahlungspreise für Kirschen sind in den letzten Jahren etwas eingebrochen: Während Julius in den ersten Jahren mit der Ernte in eine Zeit hineinfiel, in der wenig Angebot am Markt war, hat sich das inzwischen gewandelt. Entsprechend schwieriger wurde es am Markt. Julius meint, über die Direktvermarktung an Händler bessere Erlöse erwirtschaften zu können, zumal seine Kirschen qualitativ hochwertig sind. Die Entscheidung wird in den nächsten Jahren fallen. Die Direktvermarktung könnte für die nächste Generation einen Mehrwert darstellen und das Betriebsergebnis positiv beeinflussen.  

Manfred Messner vom Sonnenhügelhof stellt sein Konzept vor.

Schon jetzt vormerken

Im November 2026 beginnt die nächste Auflage der Direktvermarkterakademie. Plätze können bereits jetzt reserviert werden unter weiterbildung@sbb.it oder der Telefonnummer 0471 999368.

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