Weniger ältere Herren, sondern mehr Junge und vor allem Frauen sitzen in den neuen Ortsbauernräten.

Frischer Wind auf Ortsebene

Die Bauernbund-Wahlen auf Ortsebene sind abgeschlossen. Die wichtigsten Ergebnisse und Trends sowie eine Auflistung der neu gewählten Vertreter auf Ortsebene liefert der „Südtiroler Landwirt“ – mit der vollständigen Liste aller Ortsobleute und deren Stellvertreter.

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SBB Politik

Die Ortsbauernräte für die nächsten fünf Jahre stehen fest: Es sind 1121 Funktionäre, dazu kommen noch die jeweiligen rechtlichen Vertreter der Bauernjugend, Bäuerinnenorganisation und Seniorenvereinigung. Bei den vergangenen Wahlen im Jahr 2018 waren es noch 1109 Funktionäre gewesen. Bevor es nun an die Wahl der Bezirks- und Landesbauernräte geht, bietet sich eine Bilanz der Wahlergebnisse an. Was gleich ins Auge sticht: Es hat sich viel getan. Die Hälfte (50 %), also 78 von 156 Ortsgruppen haben die Spitze gewechselt. Den stärksten Wechsel gab es im Unterland, wo acht von zwölf bzw. 67 Prozent der Orts­obleute neu gewählt wurden. Es folgen die Bezirke Pustertal mit 15 von 25 bzw. 60 Prozent neuen Ortsobleuten, Bozen mit 14 von 25 (56 %), Meran mit 16 von 32 (50 %), das Eisacktal mit zehn von 23 Ortsobleuten (43 %). Der Vinschgau schloss sich nicht an den Trend an und bestätigte 24 von 39 Ortsobleuten; 15 treten ihr Amt neu an (38 %).

Frauen und Junge im Aufwind
Um die Gremien im Verbands- und Genossenschaftswesen vielfältiger und attraktiver zu gestalten, startete der Südtiroler Bauernbund im Vorfeld zu den Ortsbauernratswahlen gezielte Maßnahmen, um die Gewinnung junger und weiblicher Nachwuchskräfte anzuspornen: „LINSA 2.0“ nennt sich das Leuchtturmprojekt, das ganz im Sinne der sozialen Nachhaltigkeit steht. So wurde u. a. zur Unterstützung in der Anwerbung neuer Funktionärinnen und Funktionäre ein eigenes Faltblatt entworfen, das die Tätigkeiten des Ortsbauernrates erläutert und zum Mitmachen ermutigt und das insbesondere für den Einsatz im persönlichen Gespräch gedacht war.

Drei Ortsgruppen werden von Frauen geführt
Wenn man die Wahlergebnisse untersucht, so kann man in dieser Hinsicht einige Erfolge verzeichnen. Die bislang einzige amtierende Ortsobfrau, Erika Kaserer (Ortsgruppe Reschen), wurde in ihrem Amt bestätigt und darf sich in der kommenden Amtsperiode auf Gesellschaft freuen: Mit Ingrid Wiedenhofer in Welschnofen und Jolanda Hinteregger in Lüsen sind nun insgesamt drei Frauen an der Spitze einer Ortsgruppe. Doppelt so viele Frauen gibt es jetzt andererseits als Stellvertreterinnen der Ortsspitzen: 2018 waren es derer vier, inzwischen sind es acht. Ebenso positiv fällt die Bilanz der Altersstruktur der Ortsbauernräte aus: Der Anteil junger Funktionärinnen und Funktionäre hat nämlich allgemein zugenommen. Insgesamt 131 Ortsbauernräte sind jünger als 30 Jahre, davon 36 sogar jünger als 25 Jahre. Im Vergleich: 2018 waren es nur 66 bzw. zwölf. Nahezu gleich ist die Anzahl der 36- bis 50-Jährigen geblieben: 48 Prozent im Vergleich zu den bisherigen 47 Prozent. Elf Prozent weniger Funktionärinnen und Funktionäre gibt es hingegen im Alter zwischen 51 und 65 Jahren. Die über 66-Jährigen sind mit einem Prozent (2018: 3 %) auch etwas zurückgegangen. Unverändert geblieben ist das Durchschnittsalter der Ortsbauernräte, nämlich 44. Um ein Jahr jünger sind die Ortsobfrauen und -männer: 45 Jahre im Vergleich zu den 46 bei den letzten Bauernbund-Wahlen.
In der nächsten Ausgabe wird der „Südtiroler Landwirt“ die neu gewählten Bezirksbauernräte vorstellen.

Annamaria Anderlan

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