„Für Produktwerbung Geld in die Hand nehmen“
Die Zulaufstrecke des Brennerbasistunnels im Unterland, die Abänderung des Naturpark-Dekrets Trudner Horn und der schwierige Weinmarkt waren Themen der diesjährigen Vollversammlung des Bauernbund-Bezirks Unterland.
Der vollbesetzte Saal im Haus Unterland in Neumarkt zeigte, wie sehr die Themen, die diskutiert wurden, den Bäuerinnen und Bauern im Unterland unter den Nägeln brennen. Besonders die Zulaufstrecke im Abschnitt Salurn-Branzoll ist ein stark gefühltes Thema, denn es gibt die Sorge, dass dieser Bauabschnitt nicht mehr realisiert werden könnte. Diese Bedenken hat Landesrat Peter Brunner zerstreut. Bereits im Jahr 2003 hat die damalige Landesregierung die ersten Schritte gesetzt. „Es wurden verschiedene Lösungen und Varianten ausgearbeitet. Letztendlich hat man sich für die Variante mit der Zulaufstrecke auf der orografisch linken Seite in den Berg hinein entschieden.“ 2017 habe sich das Verfahren verlangsamt, vor allem wegen der Vorbereitung und Durchführung der strategischen Umweltprüfung, erklärte der Landesrat. Der Umweltbericht sei nun überarbeitet und aktualisiert. „Im September 2025 hat die Landesregierung die Verfahren für die Abänderung der Bauleitpläne und für die strategische Umweltprüfung neu eingeleitet.“
Laut aktuellem Stand soll es nur zwei kurze, offene Trassenabschnitte in den Gemeinden Auer und Neumarkt geben. Aber das sei noch nicht in Stein gemeißelt. Mit etwas Geschick könne man das wahrscheinlich noch abwenden, meinte der Landesrat. „Uns muss bewusst sein, dass es Kompromisse brauchen wird. Wir haben alle ein übergeordnetes Ziel, deshalb bitte ich euch um eure Mitarbeit. Nur gemeinsam können wir dieses Projekt erfolgreich umsetzen“, schloss der Landesrat und bat die Bürgerinnen und Bürger um Geduld: Bald werde man auf breiter Basis informieren können. Die Vorbereitungen laufen inzwischen weiter. Nun werden Deponieflächen gesucht, Milderungsmaßnahmen diskutiert und Baustellenstandorte festgelegt. „Wir versuchen, Flächen zu sparen und so zu bauen, dass die Bevölkerung so wenig wie möglich belästigt wird“, versprach Landesrat Peter Brunner. Er riet den Vertreterinnen und Vertretern der Unterlandler Gemeinden: „Lasst euch nicht auseinanderdividieren!“ Es gehe darum, gemeinsam zu verhandeln, um die insgesamt beste Lösung für das Gebiet zu erwirken.
Dann nahm Brunner zur Abänderung des Naturpark-Dekrets Trudner Horn Stellung: „Der erste Vorschlag war inakzeptabel und deshalb eine Überarbeitung nötig.“ Man werde in einem partizipativen Prozess anwendbare Regeln finden. „Ziel ist ein Naturparkdekret, mit dem wir gut leben können.“ Bezirksobmann Reinhard Dissertori blickte auf das abgelaufene Landwirtschaftsjahr. Insgesamt könne man zufrieden sein, sowohl im Obstbau als auch in der Berglandwirtschaft habe es gute Ernten gegeben. „Der Weinbau hat eine schwierige Ernte hinter sich, aber einen eleganten Jahrgang in den Fässern.“ Erholt habe sich erfreulicherweise der Holzmarkt. Sorgen bereiten dem Bezirksobmann Krankheiten wie Glomerella Leaf Spot, Alternaria oder Bitter Rot, die insgesamt hohen Betriebskosten, das Fehlen von saisonalen Arbeitskräften und der schwächelnde Weinmarkt.
Apropos Weinmarkt: Um eine Einschätzung von außen zu bekommen, war Christopher Sommer, Geschäftsführer der WirWinzer GmbH in München, eingeladen worden. Er sprach von sinkendem Weinkonsum, von neuen Absatzwegen, steigenden Produktionskosten und dem Klimawandel als Herausforderungen. „Südtirol punktet durch seine Positionierung im Premium-Segment, durch seine Offenheit für Digitalisierung und E-Commerce, seine Nachhaltigkeitsstrategie und seinen starken Tourismus.“ Zudem werde nach neuen Märkten Ausschau gehalten, was notwendig sei. In seinen Grußworten sprach auch Landesrat Luis Walcher die aktuelle Situation am Weinmarkt an: „Beim Weinverkauf nach Südtirol verzeichnen Trentino und Veneto Zuwächse im zweistelligen Bereich, während der von Südtiroler Weinen rückläufig ist. Dem müssen wir auf den Grund gehen.“ Zudem informierte Walcher die Bäuerinnen und Bauern aus dem Unterland über zusätzliche Fördergelder, die im letzten und in diesem Jahr zur Verfügung stehen. Ein großer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Bewerbung heimischer Produkte: „Dafür werden wir ordentlich Geld in die Hand nehmen.“
Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser blickte auf die politische Arbeit im letzten Jahr und gab einen Ausblick auf die Schwerpunkte 2026.