Geschäftsklima trübt sich ein
Steigende Energie- und Produktionskosten sowie eine schwache Nachfrage belasten derzeit Südtirols landwirtschaftliche Genossenschaften. Das geht aus dem aktuellen Wirtschaftsbarometer der Handelskammer Bozen hervor. Besonders angespannt ist die Lage im Weinbau.
Im Obstbau verlief die Vermarktung der Ernte 2025 zunächst positiv, wurde zuletzt aber schwieriger. Gründe sind hohe Lagerbestände in Europa, eine verhaltene Nachfrage und internationale Unsicherheiten. Im Juni lagen die Bestände in Trentino-Südtirol rund 25 Prozent über dem Niveau der vergangenen zwei Jahre. Zwischen den Sorten gibt es jedoch deutliche Unterschiede. Für die heurige Apfelernte sind die Voraussetzungen dank der bisherigen Witterung grundsätzlich günstig. Ertragslage und Auszahlungspreise dürften zufriedenstellend, aber selten sehr gut ausfallen. Belastend wirken Inflation und höhere Kosten für Transport, Verpackung und Produktion. Die Milchgenossenschaften mussten im ersten Halbjahr deutlich niedrigere internationale Milchpreise verkraften. Zuletzt erholten sich die Preise teilweise. Hohe Sommertemperaturen könnten zudem den Absatz frischer Milchprodukte in Italien beleben. Im Ausland wird dagegen ein Rückgang erwartet. Gleichzeitig steigen wegen der Krise im Nahen Osten die Kosten für Energie und Verpackungsmaterial. Da sie kaum weitergegeben werden können, sinkt der Spielraum bei den Auszahlungspreisen. Die Investitionen dürften gegenüber 2025 zunehmen und sich vor allem auf Gebäude konzentrieren. Ein Drittel der Kellereigenossenschaften bewertet die Ertragslage als unbefriedigend. Die Nachfrage ist in Südtirol und im Ausland schwach. Ursachen sind Kaufkraftverluste bei Haushalten und Touristen, neue Konsumgewohnheiten jüngerer Menschen, US-Zölle und geopolitische Spannungen. Handelskammerpräsident Michl Ebner fordert in der Aussendung zum Wirtschaftsbarometer weitere Investitionen in Produktqualität sowie in die Aus- und Weiterbildung der Bauern. Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser bleibt langfristig zuversichtlich. Entscheidend seien Qualität, genossenschaftliche Vermarktung und Direktvermarktung, mehrere Standbeine, Forschung, Innovation, Ausbildung, neue Technologien und die Zusammenarbeit mit dem Tourismus.