Veränderung braucht Mut und Leidenschaft, im Weinberg ebenso wie im Keller. Und nicht zuletzt in Kommunikation und Vermarktung.

Klare Visionen, Mut für Neues

Um Künstliche Intelligenz im Weinberg und den Einfluss verschiedener Trübungsgrade im Most ging es bei den WineTalks des Absolventenvereins Landwirtschaftlicher Schulen in der Kellerei Bozen. Auch Betriebe stellten sich vor: junge wie Juwel Weine und traditionsreiche wie Niepoort.

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Wirtschaft

Im Schweizer Weinbauzentrum Wädenswil forscht man an KI-gestützten Prognosemodellen für Krankheiten. Über die letzten drei Jahre wurde an einer Modulation des Infektionsrisikos für den Falschen Mehltau gearbeitet. Salome Schneider stellte ihre Arbeit und speziell das Projekt VitiProtect bei den WineTalks des Absolventenvereins Landwirtschaftlicher Schulen in der Kellerei Bozen vor. „Die Prognose ist sehr anspruchsvoll“, unterstrich Schneider. Andererseits bedingt die Regulierung der Pilzkrankheiten im Weinbau einen hohen Fungizideinsatz. „Wenn man ihn reduzieren will, müssen die Prognosemodelle genauer werden“, meinte die Wissenschaftlerin, das könne mehrere Spritzgänge und dadurch Zeit und Geld einsparen. Die traditionellen Prognosemodelle seien aber nicht sicher genug. Deshalb arbeite man nun mit Künstlicher Intelligenz. Allerdings: „Die Qualität dieser Prognosen ist so gut wie der Daten-Input, es braucht Unmengen an Daten“, unterstrich Schneider. Ziel des Projekts VitiProtect ist, ein lernendes Prognosemodell zu entwickeln, das Veränderungen der Umwelt in Echtzeit in die Prognose integriert. Zunächst für den Falschen Mehltau, künftig wird man sich auch mit Echtem Mehltau und mit anderen Krankheiten befassen. Die Ergebnisse zeigen erste Erfolge. „Wir sind optimistisch“, meinte Salome Schneider, es gebe aber einige Herausforderungen: Neben dem bereits angesprochenen großen Datenvolumen, das es braucht, um zuverlässige Vorhersagen machen zu können, sind das die teils hohen Anschaffungskosten und nicht zuletzt die „Blackbox KI“, das heißt, man kennt zwar In- und Output, aber der Weg dazwischen bleibt den Menschen verborgen. Schneider unterstrich die Notwendigkeit, dass unterschiedliche Nutzertypen Unter­stützung bekommen sollen, denn ihnen komme eine Schlüsselfunktion zu. 

Trübungsgrade im Most 
Über Aspekte der Mostvorklärung sprach Johannes Burkert vom Institut für Weinbau und Önologie an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim. In seinen Ausführungen und der Blindverkostung einiger Versuchsweine und zweier Weine von Südtiroler Kellereibetrieben vermittelte er dem Fachpublikum, welchen Einfluss verschiedene Trübungsgrade im Most und die Stabulation auf Gärdynamik, Aromen und Qualität der daraus gewonnenen Weine haben. 

Bauchgefühl und Visionen
Juliane Eller hat im Jahr 2013 mit gerade mal 23 Jahren den elterlichen Betrieb in einem kleinen Ort in Rheinhessen übernommen und total umgekrempelt: Ihre Eltern bauten 35 Rebsorten an, sie nur noch fünf. Daraus werden in viel Handarbeit acht Weine gekeltert, die ausschließlich als Flaschenweine verkauft werden: Zum Großteil in Deutschland, aber auch in Länder wie Brasilien, Australien. Um die Qualität zu erzeugen, die sie in die Flasche bringen will, setzt sie über Flächentausch auf alte Reben, Sorten wie Blauburgunder, Riesling und biologische Produktion. Eller ist der Überzeugung: „Veränderung braucht Mut und Leidenschaft.“ Darüber sprach die junge Winzerin, die nicht nur ihren Betrieb Juwel Weine lanciert hat und damit erfolgreich ist, sondern auch die Marke „Juliane Eller“ kreiert hat. Die Winzerin motivierte die großteils jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu, sich auf das eigene Bauchgefühl zu verlassen und sich stets auf das Wesentliche zu konzentrieren, die eigenen Ziele und Visionen zu verfolgen und Partnerschaften mit den richtigen Menschen einzugehen. Sie unterstrich: „Unternehmensnachfolge ist keine Selbstverständlichkeit, es ist eine Lebensaufgabe, ein Ausbalancieren zwischen dem Werk der Eltern und dem Mut für Neues.“ Sie habe das Glück, dass ihre Eltern ihr voll vertrauten, obwohl sie nach ihrer Ausbildung zur Winzerin und Önologin an der Hochschule Geisenheim noch unerfahren war. Beide, sowohl Vater als auch Mutter, und sogar ihre ältere Schwester sind im Betrieb beschäftigt. Gemeinsam ziehen sie das Familienunternehmen weiter, alle Entscheidungen werden auf Augenhöhe diskutiert und einstimmig getroffen. „Wenn auch nur einer von uns dagegen ist, machen wir es nicht, auch wenn’s manchmal wehtut!“, unterstrich Juliane Eller.

Zwischen Tradition und Innovation
Am Nachmittag der WineTalks stellte ­Daniel Niepoort sein Unternehmen vor, das er heute in sechster Generation führt. Er erzählte von den Anfängen des Traditionsbetriebes, der mit Portwein weltweit Bekanntheit erreicht hat, und erläuterte, wie sich Niepoort im Laufe der Jahrzehnte zu einem tief verwurzelten, aber doch dynamischen und innovativen Weinbauunternehmen weiterentwickelt hat. Und zum Schluss sprach Ruben Larentis von der Sekt­kellerei Ferrari über die Geschichte des Trento DOC und darüber, wie sich der Schaumwein aus dem Trentino, der nach der klassischen Methode in der Flasche vergoren wird, entwickelt hat und entwickeln wird. 

Bis auf den letzten Platz ausgebucht waren die WineTalks des Absolventenvereins Landwirtschaftlicher Schulen.

Renate Anna Rubner

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