Tiervermarktung ist im Höhenflug
Erstmals lag der Jahresumsatz des Viehvermarktungskonsortiums Kovieh 2025 über 30 Millionen Euro, in fast allen Kategorien gab es deutliche Preissteigerungen. Trotzdem will sich das Kovieh nicht auf den Lorbeeren ausruhen und hat große Pläne.
Bei den Kovieh-Versteigerungen stiegen die Preise für Kälber innerhalb eines Jahres um über 50 Prozent und jene für Rinder um über 35 Prozent. Wie ist eine solche Entwicklung möglich? Kovieh-Obmann Michael Treyer fand bei der Vollversammlung des Kovieh vergangenen Freitag in Bozen zwei wesentliche Gründe für diese Entwicklung: „Zum einen ist das Marktumfeld aktuell sehr günstig für Tierversteigerungen, das haben wir im vergangenen Jahr nicht nur beim Kovieh, sondern auch bei den Zuchtviehversteigerungen gesehen. Zum anderen macht es sich bezahlt, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen sehr guten Kontakt zu unseren Lieferanten pflegen.“ Die Zahlen des Vermarktungsjahres stellte Kovieh-Geschäftsführer Martin Tröger in seinem Bericht vor: Bei 85 Versteigerungen wurden im Jahr 2025 insgesamt 38.536 Tiere verkauft, der allergrößte Teil davon bei den 43 Kälberversteigerungen (19.676 Kälber, ein Schnitt von 457 Kälbern pro Versteigerung) und den 26 Nutztierversteigerungen (16.622 Tiere, im Schnitt 639 Stück) in Bozen. Dazu kamen noch 1.644 Tiere bei 16 Nutztierversteigerungen in St. Lorenzen. Das größte Plus bei den Stückzahlen gab es bei den Kleintieren: Von 6.115 Tieren im Jahr 2024 stieg die Zahl 2025 um fast ein Drittel auf 8.117. Ein Plus von immerhin 942 Tieren (über 10 %) gab es bei den Rindern, bei den Kälber fiel der Anstieg der verkauften Tiere geringer aus (+ 361 Tiere oder 1,9 %). Langfristig zeigt die Tendenz laut Tröger kontinuierlich nach oben: „Seit den Anfängen in den 1980er-Jahren hat sich die Zahl der vermarkteten Tiere mehr als verdreifacht. Zwar sind wir von den Höchstständen Ende der 2010er-Jahre mit über 44.000 Tieren noch ein gutes Stück entfernt, aber es geht wieder aufwärts.“
Südtiroler Kälberaufzucht stärken
Auch wenn sich das Kovieh über die treuen Abnehmer bei den Versteigerungen freut, ist das Ziel für die kommenden Jahre eigentlich ein anderes: „Wir wollen die Einstellerproduktion in Südtirol stärken und haben deshalb gemeinsam mit dem Südtiroler Bauernbund ein Kälberaufzuchtprogramm gestartet (siehe „Südtiroler Landwirt“ Nr. 6/2026, Anm. d. Red.). Damit wollen wir die Produktion von Südtiroler Qualitätsfleisch stärken, denn nur Tiere, die in Südtirol geboren, gemästet und geschlachtet werden, können wir über diese Schiene vermarkten“, erklärte Tröger. Aktuell läuft die Fleischvermarktung vorwiegend über zwei Schienen: zum einen das Südtiroler Qualitätsfleischprogramm, bei dem das Kovieh mit einer Reihe von Vertragsmetzgereien zusammenarbeitet, zum anderen das Projekt „ALPS BEEF SÜDTIROL“ in Zusammenarbeit mit der Firma Siebenförcher. Eine Erfolgsgeschichte sind auch die Qualitätsversteigerungen des Kovieh: Während Qualitätstiere, die klar definierte Kriterien erfüllen müssen, im Laufe des Jahres laufend bei den Nutztierversteigerungen angeboten werden, gibt es mit der Osterochsenversteigerung und der Weihnachtskalbinnenversteigerung zwei bekannte Termine, die vor allem diesen Tieren gewidmet sind. „Gerade bei der Versteigerung der Qualitätstiere zeigt sich, dass wir mit den bestehenden Strukturen in St. Lorenzen, aber auch in Bozen an unsere Grenzen kommen. Um den neuen Anforderungen besser gerecht zu werden, wären Anpassungen und Umbauarbeiten notwendig, doch dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung“, appellierte Obmann Treyer an die Landespolitik.
Womit wir bei den Herausforderungen wären: Bekanntlich wurde das Kovieh vor wenigen Wochen mit der Führung des Schlachthofes Bozen beauftragt. „Für uns bedeutet das eine große Chance, aber auch sehr viel Arbeit“, betonte Martin Tröger. In einem ersten Schritt müsse der bestehende Schlachthof angepasst werden und den geltenden Bestimmungen entsprechen. Zum anderen sei das langfristige Ziel die Errichtung eines neuen modernen Schlachthofes direkt angrenzend an die Vermarktungsanlagen in Bozen Süd. „Dass wir den Schlachthof nun selbst führen dürfen, reiht sich bestens in unser Konzept ein, den ganzen Weg vom Kalb über die Mast bis zur Schlachtung unabhängig von externen Faktoren aus einer Hand anbieten zu können“, erklärte Tröger. Ordentlich ins Schwitzen gebracht hat die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kovieh in den vergangenen Monaten die abrupte Umstellung von der lokalen auf die staatliche Tierdatenbank „VetInfo“. „Mittlerweile haben wir das gut im Griff und können bei der Umschreibung der Tiere unseren Bäuerinnen und Bauern einiges an Bürokratie abnehmen“, freute sich Tröger. Lobende Worte für die Arbeit des Kovieh gab es bei der Versammlung abschließend von den Ehrengästen. Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser rief dazu auf, sich gemeinsam für das vom Kovieh initiierte Kälber-Aufzuchtprogramm einzusetzen und es voranzutreiben. Landesrat Luis Walcher erinnerte an die Bemühungen, einheimisches Qualitätsfleisch noch besser zu positionieren. Der Landtagsabgeordnete Franz Locher erinnerte schließlich daran, dass es auch in Zukunft nicht nur in Bozen, sondern auch in der Peripherie gut funktionierende und moderne Schlachthöfe brauche.
Obmann Michael Treyer: „Mit Qualitätsfleisch haben wir einen Nerv getroffen“
Kovieh-Geschäftsführer Martin Tröger ist auch in der aktuellen Folge des „Südtiroler Landwirt“-Podcasts „Zuaglost“ zu Gast. Dort spricht er vor allem über das geplante Kälberaufzucht-Programm, den Schlachthof in Bozen und die Aufgaben des Kovieh für die Südtiroler Viehwirtschaft. Abrufbar ist die Folge wie gewohnt unter dem Link zuaglost.podigee.io und auf allen gängigen Podcast-Plattformen (Spotify, Apple Podcasts, usw.).