Glomerella Leaf Spot am Blatt

Neue Krankheiten: Forschung läuft

Glomerella Leaf Spot und Vorernte-Apple Bitter Rot treten in Südtirol erst seit wenigen Jahren auf. Das Versuchszentrum Laimburg untersucht die Erreger, die Krankheitsentwicklung und Maßnahmen für einen standortangepassten Umgang mit diesen neu auftretenden Krankheitsbildern an Äpfeln.

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Produktion

Nachdem die Krankheit Glomerella Leaf Spot (GLS) 2019 erstmals in der italienischen Region Emilia-Romagna nachgewiesen wurde, traten 2020 auch in Südtirol erste Symptome auf. Den Forscherinnen des Versuchszentrums Laimburg gelang es, den Erreger rasch nachzuweisen und molekularbiologisch zu charakterisieren. Vorernte-Apple Bitter Rot (ABR) hingegen ist seit Langem aus zahlreichen Apfelanbaugebieten außerhalb Europas bekannt und kann grundsätzlich bei allen Apfelsorten auftreten. Obwohl weltweit verschiedene Colletotrichum-Arten mit GLS und ABR in Verbindung gebracht werden, wurden bislang alle untersuchten Proben mit Symptomen aus Südtirol der Art Colletotrichum chrysophilum zugeordnet. „Wenn neue Krankheiten auftreten und sich die Bedingungen im Anbau verändern, braucht die Landwirtschaft rasch verlässliches Wissen. Hier zeigt sich der Wert praxisnaher Forschung: Sie schafft die wissenschaftlichen Grundlagen, auf denen Beratung und Betriebe aufbauen können. Mit seiner Forschung zu Glomerella Leaf Spot und Apple Bitter Rot unterstützt das Versuchszentrum Laimburg den Südtiroler Anbau dabei, frühzeitig auf neue Herausforderungen zu reagieren“, erklärt Luis Walcher, Landesrat für Landwirtschaft.

Symptome erkennen
Obwohl beide Krankheiten von derselben Pilzart verursacht werden, handelt es sich nach heutigem Kenntnisstand um unterschiedliche Krankheitsbilder: Glomerella Leaf Spot verursacht typische Blattflecken und kann innerhalb weniger Wochen zu starker Entlaubung führen. Zusätzlich können auf den Früchten kleine, eingesunkene Flecken auftreten, die häufig von einem rötlichen Ring umgeben sind.  Vorernte-Apple Bitter Rot hingegen verursacht bereits am Baum eingesunkene Fruchtfäulen, die sich rasch vergrößern.  

Starke Ausbreitung im Jahr 2026
Die bisherigen Beobachtungen zeigen ein wechselhaftes Auftreten beider Krankheiten: Nach den ersten Nachweisen von Glomerella Leaf Spot wurden 2021 und 2022 nur vereinzelt Symptome beobachtet. 2023 kam es zu einem stärkeren Auftreten, gleichzeitig wurde Vorernte-Apple Bitter Rot erstmals nachgewiesen. Nach dem Jahr 2024 mit vergleichsweise geringem Befall wurden 2025 vermehrt Symptome beider Krankheiten festgestellt. 2026 wurde im Vergleich zu den Vorjahren ein deutlicher Anstieg von Symptomen und Fällen beobachtet. In zahlreichen Apfelanlagen der Talsohle zwischen Meran und Salurn wurden in den letzten Wochen Symptome beider Krankheiten beobachtet. Die Befallsstärke variiert dabei erheblich: von einzelnen Blatt- und Fruchtflecken bis zu Anlagen, in denen nahezu alle Früchte und Blätter Symptome von GLS zeigen. Vorernte-ABR hingegen tritt unregelmäßig verteilt auf, allerdings gibt es auch hier sehr stark betroffene Anlagen. „Die anhaltend hohen Temperaturen bis weit in den September hinein, gepaart mit einzelnen starken Niederschlagsereignissen, dürften dazu beigetragen haben, dass sich der Krankheitsdruck weiter erhöht hat“, betont Sabine Öttl, Leiterin des Instituts für Pflanzengesundheit am Versuchszentrum Laimburg.

Forschung läuft auf Hochtouren
Die Forscherinnen und Forscher des Versuchszentrums Laimburg untersuchen derzeit, wie die pilzlichen Erreger leben, sich verbreiten und unter welchen Bedingungen Infektionen entstehen können. Zudem wird erforscht, wie anfällig verschiedene Apfelsorten sind und welche Maßnahmen sich für den integrierten und biologischen Anbau eignen. Ergänzend werden Methoden weiterentwickelt, um die Erreger zuverlässig nachweisen und mögliche weitere Colletotrichum-Arten frühzeitig erkennen zu können. „GLS und Vorernte-ABR werfen noch viele Fragen auf. Deshalb liegt unser Fokus derzeit darauf, die beteiligten Erreger, ihre Lebensweise und die Krankheitsentwicklung unter Südtiroler Bedingungen besser zu verstehen. Gemeinsam mit unserem internationalen Forschungsnetzwerk und dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau arbeiten wir daran, die notwendigen Grundlagen für ein gutes Gesundheitsmanagement im Apfelanbau zu schaffen“, so Öttl. Mit jeder neuen Erkenntnis wächst das Verständnis für die Krankheiten und damit die Grundlage für Forschung, Beratung und landwirtschaftliche Praxis. Sie unterstützt einen vorausschauenden und standortangepassten Umgang mit den Krankheiten im Südtiroler Apfelanbau. Die Forschungsaktivitäten zu Glomerella Leaf Spot und Apple Bitter Rot werden in Zusammenarbeit mit alpoma und mit Unterstützung der Europäischen Union durchgeführt.  

Fruchtfäule durch Vorernte-Apple Bitter Rot an einem Apfel

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