Biodiversität fördern ist eines der Ziele von „LandWIRtschaft 2023: Südtirols nachhaltiger Weg“. 

„Sind auf einem guten Weg“

„LandWIRtschaft 2030: Südtirols nachhaltiger Weg“ ist das gemeinsam getragene Strategiepapier der Landwirtschaft. Es bündelt die Nachhaltigkeitsprogramme aller Sektoren sowie acht Leuchtturmprojekte. Kürzlich zog die Steuerungsgruppe bei einem Treffen in Bozen eine Zwischenbilanz.

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Produktion

Die Südtiroler Landwirtschaft sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltig auszurichten – dieses Ziel verfolgen das Landwirtschaftsressort und der Südtiroler Bauernbund seit 2022 gemeinsam. Landwirtschaftslandesrat Luis Walcher zeigte sich zufrieden mit dem bisherigen Verlauf: „Wir haben einen guten Weg eingeschlagen, den es konsequent weiterzuverfolgen gilt.“ Innovationskraft habe die Landwirtschaft seit jeher geprägt – ebenso wie die Verantwortung, die eigene Zukunft aktiv zu definieren. „Alle wollen, dass es mit ihrem Betrieb gut weitergeht – das ist die größte Motivation für nachhaltiges Handeln“, unterstrich Walcher bei einem Treffen der Steuerungsgruppe, bei dem Zwischenbilanz gezogen wurde. Auch Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser dankte allen Beteiligten aus Sektoren, Forschung, Beratung und Verwaltung für die enge Zusammenarbeit. „Nachhaltigkeit funktioniert nur mit der Landwirtschaft , dafür verdienen wir auch die Anerkennung der Gesellschaft.“

Leitsätze und Kennzahlen
Zentrales Element des Strategiepapiers sind die 2022 vom Südtiroler Bauernbund gemeinsam mit allen Partnern definierten Leitsätze zur Nachhaltigkeit. Diese sind mit einem umfangreichen Kennzahlensystem hinterlegt, das eine laufende Bewertung der Fortschritte ermöglicht. Die Bandbreite reicht von betrieblichen Kennzahlen wie Umsatz oder Altersschnitt der Betriebsleiterinnen und -leiter über sektorale Daten – etwa zur Flächennutzung oder zu wassersparenden Bewässerungssystemen – bis hin zu Umweltkennzahlen wie Humusgehalt, Emissionen und Biodiversität. Marianne Kuntz von der Bauernbund-Stabstelle Nachhaltigkeit fasste zusammen: „Im wirtschaftlichen Bereich sind wir sehr gut unterwegs und auch im sozialen und ökologischen Bereich wurde viel angestoßen, dennoch bleibt noch einiges zu tun.“

CO2-Rechner und WasserPilot
Flankiert werden die Leitsätze von acht Leuchtturmprojekten. Eines davon widmet sich der Klimabilanzierung. In Zusammenarbeit mit der Klimahausagentur und den Beratungsringen wurde ein CO₂-Rechner entwickelt. Der Beratungsring für Berglandwirtschaft BRING hat damit erstmals bei 50 interessierten Milchviehbetrieben eine umfassende Treibhausgasbilanz erstellt. Erfasst wurden Emissionen und Einsparpotenziale entlang der gesamten Produktionskette – von der Tierverdauung über den Energieeinsatz bis hin zur Fütterung. BRING-Geschäftsführer Christian Plitzner erklärte: „Mit unserem Rechner kann jeder Betrieb seine Klimabilanz ermitteln, Stärken und Schwächen im Betriebsmanagement erkennen und daraus auch wirtschaftliche Verbesserungen ableiten.“ Eine weitere Zwischenbilanz wurde zum Projekt „WasserPilot“ gezogen. Ziel ist eine sensorgestützte Optimierung der Bewässerung in der Grünlandwirtschaft, vergleichbar mit den bereits etablierten Systemen im Obst- und Weinbau. „An sieben Pilotbetrieben wurden geeignete Sensoren installiert und erste Erfahrungswerte gesammelt“, berichtete Walter Guerra vom Versuchszentrum Laimburg. Die Feuchtigkeitssensoren liefern Echtzeitdaten aus dem Boden und ermöglichen so eine wassersparende, bedarfsgerechte Bewässerung. 

Klima-Credits für heimische Wälder
Im Rahmen des Leuchtturmprojekts „KlimaPilot“ wird derzeit eine Machbarkeitsstudie zur Berechnung der CO2-Speicherung in bewirtschafteten Wäldern durchgeführt. „Am Ende könnte ein Vergütungsmodell für Kohlenstoff-Credits für heimische Waldbesitzer stehen“, erklärte Forstabteilungsdirektor Günther Unterthiner. In Zusammenhang mit dem Projekt „Artenreiches Südtirol“ wurden Informationsveranstaltungen zu Biodiversitätsmaßnahmen organisiert. Derzeit wird eine Broschüre erarbeitet, die praxisnahe Maßnahmen wie Blühstreifen, Hecken und weitere biodiversitätsfördernde Elemente vorstellt, die landwirtschaftliche Betriebe umsetzen können. Ressortdirektor Ulrich Höllrigl präsentierte zudem mehrere Nachhaltigkeitsinitiativen des Landwirtschaftsressorts. Dazu zählen unter anderem der Waldfonds, das Projekt „Wiesenbrüter“ im Obervinschgau sowie das Projekt „Regionales Saatgut“, das auf die Vermehrung heimischer Kräuter und Gräser abzielt. Ressortübergreifend arbeitet das Land derzeit an der Erstellung einer umfassenden Bodenkarte Südtirols.

Neues Zertifikat für Obstbetriebe
Zum Abschluss des Steuerungsgruppentreffens gaben Vertreterinnen und Vertreter der Sektoren Obst, Wein und Milch Einblick in ihre laufenden Nachhaltigkeitsaktivitäten. So wird etwa die Nachhaltigkeitsstrategie „Sustainapple“ des Südtiroler Apfelkonsortiums ab 2026 in ein freiwilliges Zertifikat für Obstbaubetriebe münden. „Mehrere Zertifizierungsstufen sollen die Bemühungen des Apfelsektors auch am Markt stärker sichtbar machen“, sagte Antonia Widmann vom Südtiroler Apfelkonsortium. Dass Südtirols Landwirtschaft ihr Engagement im Bereich Nachhaltigkeit fortsetzen soll, zeigen auch aktuelle Umfragen: Bei der rezenten Mitgliederbefragung des Südtiroler Bauernbundes  befürworteten 79 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer Maßnahmen zur Stärkung der Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft. Für die Steuerungsgruppe ist dies eine weitere Bestätigung, den eingeschlagenen Weg fortzuführen. 

Das Treffen der Steuerungsgruppe zum Projekt „LandWIRtschaft 2023“

Tobias Egger

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