Starker Rückhalt für Bergbauern
Drei Landwirtschaftsminister diskutierten bei der Europawanderung auf der Schwemmalm in Ulten mit Vertretern aus Südtirol, Österreich und Deutschland über die Zukunft der Berglandwirtschaft und der EU-Agrarpolitik. Einig waren sich alle: Die Berglandwirtschaft brauche in den kommenden Jahren mehr Unterstützung denn je, um langfristig überleben zu können.
Der Südtiroler Bauernbund und EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann laden einmal im Jahr zur Europawanderung. Heuer führte sie auf die Schwemmalm in Ulten. Mit Francesco Lollobrigida aus Italien, Norbert Totschnig aus Österreich und Alois Rainer aus Deutschland nahmen erstmals drei Landwirtschaftsminister teil. Mit dabei waren außerdem Landeshauptmann Arno Kompatscher, Vertreter der Landespolitik sowie zahlreicher Bauernverbände und Landwirtschaftskammern. Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser verwies auf die Bedeutung der kleinstrukturierten Landwirtschaft. Ulten sei dafür ein gutes Beispiel. „Wir müssen alles tun, um diese Landwirtschaft zu erhalten“, sagte Gasser. Das Großraubwild belaste die Betriebe zunehmend. Bereits jetzt würden weniger Schafe aufgetrieben und erste Weiden aufgegeben. Für Rinder seien diese Flächen vielfach ungeeignet. Herbert Dorfmann berichtete über die laufenden Verhandlungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik, zur Bioverordnung und zu Pflanzenschutzmitteln. Noch innerhalb dieses Jahres solle geklärt werden, wie viel Geld der Landwirtschaft künftig zur Verfügung steht. Die besonderen Bedingungen der Berggebiete müssten stärker berücksichtigt werden. „Wenn die Berglandwirtschaft nicht besser berücksichtigt wird, wird sie es nicht schaffen“, warnte Dorfmann. Das System sei fragil: Brächen der Milchpreis oder Förderungen weg, könne es zusammenbrechen. „Die Berge brauchen Tiere, sonst gibt es die Almen nicht mehr. Zuerst geht das Tier, dann die Landschaft, dann die Sicherheit und dann der Mensch.“
Italiens Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida forderte, Europas Lebensmittelproduktion stärker abzusichern und heimische Produkte vor unfairer Konkurrenz zu schützen. „Wir können nicht nachhaltig arbeiten und gleichzeitig in Konkurrenz zu Importen stehen, die unsere Standards nicht einhalten“, sagte er. Die Bedeutung der Landwirtschaft werde häufig unterschätzt. „Lebensmittel sind nicht weniger wert als Waffen und Autos.“ Eine leistungsfähige Landwirtschaft sichere Unabhängigkeit. Probleme in den Berggebieten würden früher oder später auch die Täler erreichen. Der deutsche Landwirtschaftsminister Alois Rainer sprach sich für weniger Bürokratie und mehr Handlungsspielraum aus. „Wir brauchen die EU, und wir brauchen die Vielfalt der Landwirtschaft“, betonte er. Beim Großraubwild sei die Belastungsgrenze in der Region überschritten. Gleichzeitig müsse das Wolfsmonitoring verbessert werden. Bei Pflanzenschutzmitteln dauere die Zulassung teilweise bis zu zehn Jahre. „Die Schädlinge warten nicht so lange“, sagte Rainer. Er forderte zudem eine stärkere Förderung der ersten Hektar und der benachteiligten Gebiete sowie einen ausreichenden finanziellen Rahmen für die GAP. Auch Österreichs Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig wandte sich gegen Einsparungen. „Das, was wir brauchen, geht nicht mit einer Reduzierung des Budgets.“ Klimawandel, geopolitische Spannungen und eine mögliche EU-Erweiterung verlangten eine starke GAP. „Die Landwirtschaft ist der Kitt der Europäischen Union“, betonte Totschnig. Bei der EU-Wiederherstellungsverordnung brauche es Praxisnähe und ein Omnibuspaket. Die Landwirtschaft müsse zugleich zeigen, was sie bereits für Natur und Umwelt leiste. Nachhaltigkeit bedeute für ihn vor allem Bewirtschaftung.
Landeshauptmann Arno Kompatscher erklärte, ohne die GAP gäbe es in weiten Teilen Europas keine Landwirtschaft mehr. Tierwohl und Umweltschutz stünden nicht infrage. Entscheidend sei jedoch die Umsetzung. „Mit Misstrauen, Kontrollwahn und Zettelwirtschaft geht es nicht“, sagte Kompatscher. Betriebe, die europäische Standards einhalten, müssten vor unfairer Konkurrenz geschützt werden. In Südtirol habe die GAP wesentlich dazu beigetragen, Abwanderung zu verhindern, die Kulturlandschaft zu erhalten und den Tourismus zu sichern. Die Bewirtschaftung schütze zudem vor Bodenerosion. Beim Wolf brauche es eine Zusammenarbeit im gesamten Alpenraum. Zum Abschluss rief Gasser dazu auf, aus dem Treffen Kraft für die bevorstehenden Entscheidungen zu sammeln: „Wir treffen uns spätestens in einem Jahr wieder und schauen, was wir erreicht haben.“