In letzter Zeit sorgten Wildschweine vor allem in den Dörfern am Deutschnonsberg für Probleme in der Landwirtschaft. 

Wildschweine auf dem Vormarsch

Am Deutschnonsberg häufen sich die Nachweise von Wildschweinen. Besonders alarmierend ist, dass inzwischen auch Bachen und Frischlinge auftreten. Bei einer Aussprache mit Vertretern von Bauernbund, Landesverwaltung und Jägerschaft ging es kürzlich um mögliche Gegenstrategien.

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SBB

Wildschweine könnten sich zu einer wachsenden Gefahr für Südtirols Landwirtschaft entwickeln. Derzeit gilt vor allem der Deutschnonsberg als Brennpunkt. Aus dem benachbarten Trentino wandern immer wieder Tiere ein. Waren es in der Vergangenheit überwiegend einzelne Keiler, wurden in den vergangenen Jahren auch Bachen und Frischlinge festgestellt. Das zeigt, dass die Gefahr einer dauerhaften Ansiedlung steigt. Bei einer Aussprache mit Vertretern des Landes, der Jagdreviere und der Landwirtschaft wurde deshalb das Ziel bekräftigt, Südtirol möglichst schwarzwildfrei zu halten. Auftretende Tiere sollen frühzeitig festgestellt und konsequent entnommen werden, bevor sich fortpflanzungsfähige Bestände bilden können. Der Südtiroler Bauernbund war bei der Aussprache unter anderem mit Direktor Siegfried Rinner und Mitgliedern der Ortsbauernräte am Deutschnonsberg
vertreten.

Große Schäden möglich
Wildschweine können innerhalb kurzer Zeit erhebliche Schäden auf Wiesen, Äckern und anderen landwirtschaftlichen Flächen verursachen. Auf der Suche nach Nahrung brechen sie Grünland um, zerstören Kulturen und beeinträchtigen empfindliche Lebensräume. Auch die Artenvielfalt kann unter einem stärkeren Schwarzwildbestand leiden. Am Deutschnonsberg ist der Druck besonders groß, weil ständig weitere Tiere aus dem Trentino einwandern können. Die Maßnahmen auf Südtiroler Seite können daher nur erfolgreich sein, wenn zugleich im Nachbarland Trentino mehr Wildschweine entnommen werden. Die Zusammenarbeit mit den dortigen Behörden und Jagdverantwortlichen soll deshalb verstärkt werden.

Nachweise rasch melden
Eine entscheidende Rolle spielt das Monitoring. Entlang der bekannten Einwanderungskorridore sollen vermehrt Fotofallen eingesetzt werden. Sie könnten von den Jagdaufsehern betreut und möglichst mit einer raschen digitalen Bildübertragung ausgestattet werden, hieß es bei der Aussprache. Diskutiert wurde auch der Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkameras. Sichtungen, Spuren und Schäden müssen möglichst umgehend gemeldet werden. Neben den Jägern sind dabei auch die Landwirte gefordert. Eine schnelle Meldung kann darüber entscheiden, ob einzelne Tiere oder ganze Rotten rechtzeitig lokalisiert werden. Allerdings genüge es nicht, lediglich eine Meldepflicht vorzusehen, betonte Direktor Rinner: „Landwirtschaft und Bevölkerung müssen umfassend darüber informiert werden, warum jede Beobachtung wichtig ist und an welche Stelle sie gemeldet werden soll.“

Moderne Technik zulassen
Für die Entnahme von Wildschweinen bestehen bereits verschiedene rechtliche Möglichkeiten. Jagdaufseher und Angehörige des Landesforstkorps dürfen die Tiere unter bestimmten Voraussetzungen ganzjährig erlegen. Auch Nachtjagderlaubnisse können ausgestellt werden. Zudem ist seit mehreren Jahren der Einsatz von Fallen möglich, wurde bisher aber kaum genutzt. Nun soll ein neues und einheitliches Dekret die bestehenden Regelungen übersichtlicher zusammenfassen. Dieses soll auch den Einsatz moderner technischer Hilfsmittel wie Nachtoptik ermöglichen. Außerdem könnten speziell ausgebildete Entnahmespezialisten ganzjährig eingesetzt werden. Mit der Ausbildung soll nach Ansicht der Teilnehmer nicht nur in den derzeit betroffenen Gebieten begonnen werden. Auch Jagdaufseher in anderen Landesteilen sollten vorbereitet werden, da künftig überall in Südtirol Wildschweine auftreten könnten.

Ganze Rotten entnehmen
Neben Kastenfallen wurde bei der Aussprache auch ein modernes Netzfallensystem angesprochen. Damit können mehrere Tiere einer Rotte gleichzeitig gefangen werden. Fallen erfordern allerdings eine intensive Betreuung. Die Tiere müssen durch regelmäßiges Ausbringen von Futter an den Fangplatz gewöhnt werden. Zudem ist zu klären, wer die Anlagen täglich kontrolliert. In Gebieten mit geringer Schwarzwilddichte ist der Erfolg außerdem schwerer vorhersehbar. Als Problem wurden die langen Beschaffungswege der öffentlichen Verwaltung genannt. Die Anschaffung neuer Fallensysteme könne mehrere Monate dauern. Angesichts der zunehmenden Dynamik sei jedoch rasches Handeln notwendig.

Keine reguläre Jagd
Die Vertreter der betroffenen Reviere sprachen sich dafür aus, alle verfügbaren Mittel einzusetzen. Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, einen jagdlich nutzbaren Schwarzwildbestand aufzubauen. Ziel müsse vielmehr sein, die Tiere vollständig zu entnehmen und eine dauerhafte Ausbreitung zu verhindern. „Dazu braucht es klare Zuständigkeiten, gut ausgebildete Einsatzkräfte, geeignete Ausrüstung und einen unbürokratischen Zugang zu den betroffenen Gebieten“, unterstrich Rinner. Vor allem aber müssten Nachweise frühzeitig bekannt werden. Je schneller auf Sichtungen reagiert werde, desto größer sei die Chance, Südtirol weiterhin weitgehend schwarzwildfrei zu halten. 

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