Stricken: gut für Hirn und Herz
Stricken liegt im Trend: Es wirkt beruhigend, macht Spaß und jedes Stück, das gefertigt wird, ist ein Unikat. Auch Studien beschäftigen sich mit der Handarbeit und dem Werken mit Wolle. Und haben acht Gründe ausgemacht, weshalb Stricken (und Häkeln) guttut.
Wer in seiner Freizeit zu Wolle und Nadeln greift und strickt, beansprucht Feinmotorik und Gehirn gleichermaßen: Konzentration, Koordination und motorische Abläufe werden damit gefördert. Das hat Folgen, denn wer das Gehirn stetig trainiert, bleibt agil, im besten Fall beugt man dadurch sogar Demenz vor. Und aufgepasst: Wer noch nicht stricken kann und es erst lernt, profitiert sogar doppelt! Wissenschaftliche Studien belegen die positiven Auswirkungen, die das Arbeiten mit Nadel und Zwirn hat. Hier sind die wichtigsten zusammengefasst. Eine Strickanleitung gibt es auch: für ein „Kleidchen“ für die Wärmflasche.
Stricken beruhigt
Wer sich dem Stricken widmet, weiß: Die Handarbeit muss langsam und bedächtig gemacht werden. Schnell, schnell funktioniert hier nicht, denn dann verheddern sich die Fäden, Maschen fallen aus der Nadel, man strickt falsch oder unregelmäßig. Stricken bedeutet also Entschleunigung. Die Tätigkeit ist meditativ, vor allem, wenn man’s schon kann. Wer noch am Lernen ist und um jede Masche kämpft, muss schon mal mit verspannten Schultern rechnen. Aber das legt sich, Übung macht den Meister! Die rhythmische Wiederholung einfacher Bewegungen beruhigt und hält dennoch wach, weil Stricken Konzentration verlangt. Das völlige Aufgehen in dem, was man gerade tut, reduziert Stress, lenkt von üblen Gedanken ab und mildert innere Unruhe, sogar Depressionen oder Angst. Und weil die Hände beschäftigt sind, sinkt zudem der Impuls, ständig nach der Fernbedienung, dem Tablet oder Smartphone, der Zigarette oder nach der Chipstüte zu greifen. Stricken ist also die ideale Nebenbeschäftigung beim Fernsehen oder wenn man eine längere Reise mit dem Zug oder Flugzeug macht.
Stricken ist gesund
In den letzten Jahren gab es auffallend viele Studien über die medizinischen und psychischen Folgen des Handarbeitens im Allgemeinen und des Strickens im Besonderen – mit durchwegs positiven Ergebnissen. So wurde festgestellt, dass sich 73 Prozent der Menschen, die mindestens dreimal pro Woche stricken, nicht nur beim Stricken (siehe Punkt „Stricken beruhigt“), sondern generell deutlich weniger gestresst fühlen. Die Entspannung, die durch das Stricken entsteht, senkt nämlich den Puls um bis zu elf Schläge pro Minute und damit auch den Blutdruck. Das hilft nebenbei bei Schlafstörungen und Schlaflosigkeit. Und es wird beruhigendes Serotonin ausgeschüttet, was sogar chronische Schmerzen lindern kann.
Stricken stärkt das Selbstbewusstsein
Wenn man ganz in eine Tätigkeit versinken kann, lenkt das von schlechten Gedanken ab. Man konzentriert sich auf den Moment, Masche für Masche. Das kann laut Studien Struktur geben und Menschen, die an Angstzuständen leiden, helfen. Zudem ist das fertige Werkstück – egal ob es sich um einen Topflappen, einen Schal oder einen Pullover handelt – eine Leistung, auf die man stolz sein kann.
Stricken hält geistig fit
Auch wenn jemand nur dasitzt und still strickt, geht im Gehirn dabei einiges ab: Aktiv sind etwa die Regionen für Aufmerksamkeit, Planung, sensorische Informationen, räumliche Orientierung, visuelle Informationen, das Speichern von Erinnerungen, das Sprachverstehen und die Koordination von Bewegung. Zwischen all diesen Arealen verlaufen neuronale Verbindungen, und je mehr die beansprucht werden, umso geschmeidiger bleiben sie. Das hält uns geistig agil.
Stricken für mehr Achtsamkeit
Freizeitbeschäftigungen wie Gärtnern oder Stricken sind neurologische Booster: Handarbeiten sorgt für Vernetzung im Gehirn, weshalb Erziehungswissenschaftler dafür plädieren, dem Handwerklichen und kreativ Gestalterischen in der Bildungsdebatte wieder mehr Aufmerksamkeit zu widmen und es gezielt einzusetzen. Tatsächlich profitieren Strickende ein Leben lang kognitiv von diesem Hobby. Zudem geht es beim handwerklichen Schaffen auch darum, sich einer Aufgabe zu stellen, manchmal etwas tüfteln zu müssen und sie erfolgreich zu bewältigen und zu Ende zu führen. Das heißt, man erwirbt dabei Fähigkeiten, die es zu einem erfüllten (Berufs-)Leben braucht.
Stricken trainiert körperlich
Stricken ist ein hervorragendes Training für die Feinmotorik: Finger, Hände und Unterarme werden dabei beansprucht. Die Gelenke werden durch die ständige Bewegung geschmeidig gehalten, das wirkt dem Knorpelabbau entgegen und kann das Arthroserisiko verringern. Zudem kann Stricken nach manchen Arm- und Handgelenkbrüchen physiotherapeutisch eingesetzt werden, weil die ständigen kleinen Bewegungen Muskeln und Sehnen guttun. Aber Achtung: Als Rehabilitationsübung sollte man kleine Stücke stricken, um das Gewicht gering zu halten.
Stricken macht glücklich
Das Wichtigste aber ist und bleibt: Von 3.500 Strickerinnen und Strickern, die weltweit befragt wurden, sagten über 80 Prozent, dass sie sich nach dem Stricken glücklicher fühlten. Denn das Gehirn ist beim Stricken hoch konzentriert, Belohnungs- und Glückshormone wie Dopamin werden ausgeschüttet. Und wenn man das fertige Stück endlich in Händen hält: Ein selbst gestrickter Schal oder Pullover ist eine tolle Belohnung. Wenn man dafür auch noch ein Kompliment bekommt, macht das erst recht zufrieden und spornt an – für ein weiteres Unikat!