Südtiroler Landwirt, Produktion | 26.11.2021

Uni Bozen: neues Glashaus

Pflanzen, Schadorganismen und die Dynamik dazwischen: In neun unabhängig voneinander steuerbaren Glashausbereichen wird die Freie Universität Bozen künftig Versuche machen: Die neue Forschungseinrichtung wurde kürzlich am Standort Laimburg vorgestellt.

Versuche unter kontrollierten Bedingungen können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uni Bozen im neuen Gewächshaus machen. Foto: unibz/laganá

Versuche unter kontrollierten Bedingungen können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uni Bozen im neuen Gewächshaus machen. Foto: unibz/laganá

Bereits seit dem Sommer 2020 ist das neue Glashaus der Freien Universität Bozen in Betrieb: Es ist nach neuesten technischen Standards gebaut und enthält neun Bereiche mit getrennt definierbaren Umweltbedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit, Strahlungsintensität, Foto­periode, Bewässerung und Pflanzenernährung). In dem 200 Quadratmeter großen Glashaus, das am Standort Laimburg gebaut wurde, stehen den Forschungsteams der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik so getrennte Zellen für physiologische und phytopathologische Experimente zur Verfügung.

 Günther Mathá, Generaldirektor der Freien Universität Bozen, wies bei der Vorstellung des Glashauses Mitte November auf die Wichtigkeit der neuen Struktur für die Grundlagenforschung hin. Der Dekan der Fakultät, Marco Gobbetti, unterstrich, dass das Gewächshaus den experimentellen Anforderungen der verschiedenen Forschungsgruppen, insbesondere in den Bereichen Landwirtschaft und Umwelt, gerecht werden muss. So befassten sich die ersten Versuche mit physiologischen Studien über Wasserstress bei Reben, phytopathologischen Studien, um die Interaktion zwischen Pflanze und Krankheitserregern zu verstehen, und entomologischen Studien. Dazu kamen Versuche zu den Mechanismen der Nährstoffaufnahme und Experimente über den Einsatz von Sensoren zur Überwachung des allgemeinen Gesundheitszustandes von Pflanzen. 

Zwei exemplarische Versuche

Durch Infektionsversuche an Pflanzen können Pathogenitätstests durchgeführt werden sowie die Entwicklung und Intensität des Krankheitsverlaufs erfasst werden. „Infektionsversuche mit lebenden Pflanzen spielen eine wichtige Rolle bei biotrophen Krankheitserregern, die auf ihre Wirtspflanze angewiesen sind“, sagte Sanja Baric, Professorin für Pflanzen- und Vorratsschutz. „Weiters können wir im Gewächshaus das Zusammenspiel zwischen Pflanze und Schaderreger untersuchen. Durch den Zugang zum neuen Gewächshaus wird unsere Methodenpalette erweitert und es können neue Ansätze bei der Erforschung von Pflanzenkrankheiten gefunden werden.“

An einem Projekt zur Apfeltriebsucht arbeitet der Entomologe Hannes Schuler in einer der Zellen. „Wir werden neue Einblicke in die Krankheitsübertragung erhalten, was wichtig für die Bekämpfung dieser Krankheit ist. 


Ein ergänzendes Interview mit Hannes Schuler und Sanja Baric finden Sie in der Ausgabe 21 des „Südtiroler Landwirt“ vom 26. November auf Seite 44 oder online auf „meinSBB“.