Bäuerlicher Notstandsfonds | 09.12.2021

Netzwerk mit Helfersyndrom

Vertrauen, Solidarität und Hilfsbereitschaft prägen seit über 30 Jahren die Arbeit des „Bäuerlicher Notstandsfonds – Menschen helfen“ (BNF). Auf der Agrialp blickten Partner und Weggefährten zurück – und nach vorne.

Rückblick mit Partnern auf der Agrialp: (v. l.) Wolfram Gapp, Josef Dariz, Moderator Guido ­Steinegger, Günther Bellutti und Erich Näckler

Rückblick mit Partnern auf der Agrialp: (v. l.) Wolfram Gapp, Josef Dariz, Moderator Guido ­Steinegger, Günther Bellutti und Erich Näckler

Nach dem Vorbild von Hilfsorganisationen im Ausland wurde am 15. März 1990 die „Notstandsvereinigung der Südtiroler Bauern“ auf Initiative des Südtiroler Bauernbundes und der bäuerlichen Organisationen gegründet. Josef Dariz, Gründungsmitglied und noch heute Obmann des BNF, erklärte: „Es war damals der Wunsch, sich selbst im Land zu helfen, wenn Schicksalsschläge die Existenz der Familie bedrohten.“ Mittlerweile nennt sich der Verein „Bäuerlicher Notstandsfonds – Menschen helfen“.

In den ersten Jahren galt es, die Organisation bekannt zu machen, von deren Notwendigkeit zu überzeugen und Spender zu sensibilisieren. Es wurden eigene Spendenaktionen und Benefiz-Veranstaltungen mit anderen Partnern organisiert. Immer mehr Menschen wurden auf den BNF aufmerksam, organisierten unterschiedliche Veranstaltungen und sammelten Spenden, allen voran die bäuerlichen Organisationen. 

Vertrauen ist die Basis

Das Vertrauen in die Arbeit des BNF wurde immer größer – und dadurch stieg auch die Bereitschaft von vielen Privaten, Firmen und Vereinen, zu spenden und damit Menschen in Not zu unterstützen. Es entwickelte sich ein großes Netzwerk mit langjährigen Unterstützern. Stellvertretend für ganz viele freiwillige Unterstützer waren auf der Agrialp die „Südtiroler Flugretter“, der Kiwanis Club Bozen und der Landesfeuerwehrband vertreten. 

Erich Näckler, Initiator und Koordinator des Kalenders „Flugretter helfen“, erinnerte sich, wie er vor vielen Jahren eine Hilfsorganisation als Partner gesucht hat: „Als ich mit der Idee des Kalenders an den BNF herangetreten bin, wurde ich mit offenen Armen aufgenommen.“ Seither sind 15 Jahre vergangen. Aus der jährlichen Kalender-Aktion konnten bisher 75 Familien mit 260.000 Euro unterstützt werden, und die Zusammenarbeit geht weiter. Der neue Kalender „Flugretter helfen 2022“ ist bereits erschienen und gegen eine Mindestspende von 15 Euro erhältlich. 

Günther Bellutti, langjähriges Vorstandsmitglied des Kiwanis Club Bozen, unterstrich die Zielsetzung des Clubs: „Kindern zu dienen und sie zu unterstützen, ist in der DNA der Kiwaner.“ Seit 2010 unterstützt der Club das BNF-Hilfsprojekt „Zukunft schenken“. Bisher konnte die Ausbildung von 46 Jugendlichen aus bedürftigen Familien mit 200.000 Euro unterstützt werden. „Wir wissen, dass die Fälle vom BNF geprüft werden und jeder Euro in berechtigten Notsituationen eingesetzt wird“, betonte Bellutti.

Ein besonderes Verhältnis besteht zwischen dem BNF und den freiwilligen Feuerwehren in Südtirol. Beide treten immer bei akuten Notfällen auf, schnell, zuverlässig, unbürokratisch und ehrenamtlich – zuerst die Feuerwehr, dann häufig auch der BNF. Wolfram Gapp, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes, verwies auf eine Gemeinsamkeit aller Anwesenden auf der Agrialp-Aktionsbühne: „Das Helfersyndrom verbindet uns. Es ist unser Antrieb und unsere Motivation, dort zu helfen, wo Hilfe gebraucht.“

Die bäuerlichen Organisationen sind seit der ersten Stunde ein wichtiger Bestandteil des BNF. Stellvertretend dafür waren Landesobmann Leo Tiefenthaler, Landesbäuerin Antonia Egger, Bauernjugend-Landesobmann Raffael Peer und der Präsident-Stellvertreter der Seniorenvereinigung Hansi Weissensteiner zu Gast beim Podiumsgespräch. Sie unterstrichen die Wichtigkeit dieser Hilfs­organisationen, die Weitsichtigkeit der Gründungsmitglieder und die ehrenamtliche Arbeit des neunköpfigen Vorstandes. Außerdem berichteten sie von persönlichen Erfahrungen, auch von Fällen, wo der BNF helfen konnte. 

2602 Familien haben Hilfe erhalten

In den vergangenen 30 Jahren hat der „Bäuerliche Notstandsfonds – Menschen helfen“ insgesamt 2930 Notstandsgesuche bearbeitet. 2602 Familien (bäuerliche und nicht bäuerliche) erhielten Unterstützung, und so manche Existenz wurde damit gesichert. Alle bäuerlichen Vertreter äußerten den Wunsch für die Zukunft, dass es den BNF nicht brauchen möge, wohlwissend, dass dies sicher nicht der Falle sein wird. Antonia Egger forderte alle Menschen auf: „Geht mit offenen Augen durchs Leben. Es gibt viele Notsituationen und Schicksale. Versuchen wir, sie wahrzunehmen und zu helfen.“

Zum Abschluss nutzte BNF-Obmann Josef Dariz die Gelegenheit, allen von Herzen zu danken, die in den vergangenen 30 Jahren einen Betrag geleistet haben, besonders den unzähligen Spendern: „Mit jeder Spende schenkt ihr uns Vertrauen. Mit jeder Spende steht ihr Betroffenen zur Seite und schenkt ihnen neue Hoffnung!“