Betriebsberatung | 03.03.2022

Neue Landschaftspflegebeiträge

Die Landesregierung hat vergangene Woche neue Kriterien für die Vergabe von Landschaftspflegebeiträgen genehmigt. Ansuchen um Beiträge für Vorhaben im Bereich der Landschaftspflege können nun wieder für das ganze Landesgebiet gestellt werden – und zwar noch bis 31. Mai.

Bei den Holzzäunen hängt die Höhe des Beitrages von der Beschaffenheit des Zaunes ab.

Bei den Holzzäunen hängt die Höhe des Beitrages von der Beschaffenheit des Zaunes ab.

Nachdem im Jahr 2021 ein Beitragsstopp erfolgte, von dem nur die Beitragsgesuche in den Schutzgebieten (z. B. Natura-2000-Gebiete, Biotope, Naturparke) ausgenommen waren, hat die Landesregierung für das Jahr 2022 diese Einschränkung aufgehoben. Konkret werden Beiträge für Investitionen gewährt, die dazu beitragen, das traditionelle Landschaftsbild zu erhalten. 

Beiträge erhöht

Dabei wird zwischen Ansuchen ohne Kostenvoranschlag und mit festgelegten Fördersätzen (Errichtung von Holzzäunen, Eindeckung von Schindeldächern und Errichtung und Sanierung von Trockenmauern) sowie mit Kostenvoranschlag (ordentliche Instandhaltung von Waalen, ordentliche Instandhaltung von Zufahrts- und Wanderwegen in den Naturparken und im Nationalpark Stilfser Joch) unterschieden. Im Nationalpark Stilfser Joch werden darüber hinaus die Abtragung von Stachel- und Maschendraht, Holztröge aus Lärchenholz und „Schwellen“ für die Stabilität und Fixierung von Zaunpfosten gefördert. 

Die Beiträge innerhalb und außerhalb von Schutzgebieten wurden gleichgestellt und fast überall erhöht. Die bäuerlichen Kleindenkmäler, wie Kapellen, Mühlen, Venezianersägen und auch die Strohdächer, kommen dagegen in den neuen Förderungsrichtlinien nicht mehr vor. Diese sollen künftig über das Landesdenkmalamt geregelt und gefördert werden. Für Objekte, die unter Denkmalschutz stehen, ist beim Amt für Denkmalschutz anzusuchen. 

Ansuchen per E-Mail

Um den Beitrag zu erhalten, müssen Gesuchsteller auf jeden Fall vor Beginn der durchzuführenden Arbeiten ansuchen. Es ist nicht mehr möglich, Gesuche in Papierform einzureichen. Die Gesuche müssen ausschließlich digital per E-Mail oder PEC-Nachricht eingereicht werden. Dazu muss der entsprechende Vordruck verwendet werden, und alle erforderlichen Unterlagen müssen im PDF-Format mitgeschickt werden. 

Wie im vorigen Jahr sind die Gesuche ausschließlich an das Verwaltungsamt für Raum und Landschaft zu richten, der Heimatpflegeverband nimmt keine Gesuche mehr an. Bei Vorhaben innerhalb des Nationalparks Stilfser Joch ist das Gesuch an das Landesamt für den Nationalpark zu übermitteln.

Eigenleistung auch verrechenbar

Anspruchsberechtigte sind u. a. Privatpersonen, welche Eigentümer oder Pächter der Liegenschaften sein müssen. Die Ansuchen werden chronologisch bearbeitet. 

Sobald die im Haushalt vorgesehenen Mittel erschöpft sind, werden keine weiteren Ansuchen entgegengenommen. Vorrangig behandelt werden dabei Ansuchen in Schutzgebieten (z. B. Naturparke, Nationalpark Stilf­ser Joch, Landschaftsschutzgebiet Seiser Alm). Das Ansuchen um Endauszahlung samt Erklärung über den fachgerechten Abschluss der Arbeiten muss innerhalb 31. Dezember des Folgejahres der Ausgabe beim zuständigen Amt eingereicht werden. 

Arbeitsstunden in Eigenregie können für Vorhaben mit Kostenvoranschlag vom Antragsteller und deren am Hof lebenden, mitarbeitenden Familienmitgliedern belegt ­werden. Auch kann man vorhandenes Eigenmaterial auflisten.

Der Beitrag muss mindestens 300 Euro ausmachen. Sucht ein Landwirt beispielsweise für einen Bretterzaun mit drei Brettern an, für den der Beitrag 6 Euro pro Laufmeter beträgt, muss er für mindestens 50 Meter Zaun ansuchen. Der Landwirt verpflichtet sich, das geförderte Objekt nach der Beitragsauszahlung 15 Jahre lang in gutem Zustand und ohne Veränderungen zu erhalten. 

Holzzäune

Bei den Holzzäunen hängt der Beitrag vom Zauntyp ab, siehe dazu die Tabelle. Es wird nur der Neuholzanteil gefördert, bei nicht fachgerechter Errichtung werden 30 Prozent der Förderung abgezogen. Nicht gefördert werden Zäune auf Sockeln oder Mauern sowie auf Metallsäulen und mit Holzschutzmitteln behandelte oder aus nicht heimischen Holzarten bestehende Zäune. 

In den detaillierten Richtlinien des Amtes wird beschrieben, wie der jeweilige Zaun auszuführen ist. Eine Besonderheit gibt es beim Speltenzaun, der nur mehr für die ­Einfriedung von Bauerngärten, „Wasser-Tschotten“ oder kleinen Auslaufflächen gefördert wird.

Schindeldächer

Beiträge für Schindeldächer werden bei bestehenden und neu zu errichtenden Gebäuden gewährt, wenn das gesamte Dach eingedeckt wird und wenn sie das traditionelle Landschaftsbild aufwerten. 

Darunter fallen zum Beispiel Almhütten, Ställe, Heuschupfen, Holzschuppen und Wohngebäude. Nicht förderungswürdig sind hingegen Dächer von Ferienhäusern, Privatvillen, Gasthäusern, aber auch von Gebäuden, die ausschließlich dem Urlaub auf dem Bauernhof dienen. 

Weiters führen die nachträgliche Montage von Photovoltaikpaneelen, Solarkollektoren oder Dachliegefenstern zum Ausschluss von der Förderung. Im Falle einer Verschalung sind spezifische Vorgaben zu beachten, es erfolgt jedoch keine Beitragskürzung mehr.

Trockenmauern und sonstige Beiträge

Für die Errichtung oder Sanierung von Trockenmauern wird ein Beitrag von 50 Euro pro Quadratmeter Sichtfläche gewährt (früher 30 €/m²). Die Basis der Trockenmauer muss mindestens 60 Zentimeter breit sein. Zyklopenmauern werden nicht gefördert. Wenn Steine verwendet werden, die größer sind als die einer fachgerecht ausgeführten Trockenmauer, wird der Beitrag um 30 Prozent reduziert. Trockenmauern von Hotels oder Privatvillen werden nicht gefördert.

Für die ordentliche Instandhaltung von naturbelassenen Waalen gibt es einen Beitrag von 50 Prozent des anerkannten Kostenvoranschlages.

Die ordentliche Instandhaltung von Zufahrtswegen innerhalb von Naturparken, die als Hauptwanderwege genutzt werden, wird mit 30 Prozent der anerkannten Kosten gefördert. Welche Wege das genau sind, entscheidet der Naturparkausschuss oder der Führungsausschuss des Nationalparks Stilfser Joch.

Speziell im Nationalpark Stilfser Joch werden noch folgende Vorhaben gefördert: Die Abtragung von Stachel- und Maschendraht mit 1,10 Euro pro Laufmeter, traditionelle Holztröge aus Lärchenholz von mindestens drei Meter Länge mit einem Höchstbeitrag von 300 Euro pro Trog und „Schwellen“ aus Lärchenholz, die der Fixierung von Zaunpfosten in einer Trockenmauer dienen, mit 15 Euro pro Schwelle.

Kontakt und Informationen

Ansprechpartner ist jeweils das Verwaltungsamt für Raum und Landschaft (Landhaus 11, Rittner Straße 4, 39100 Bozen, Tel. 0471 417874, 0471 417792, 0471 417790, E-Mail:  verwaltung.landschaft-raum@provinz.bz.it bzw. PEC-Adresse raumlandschaft.territoriopaesaggio@pec.prov.bz.it. Auf der Internetseite des Amtes (Suche mit Stichwort „Landschaftspflegebeiträge Südtirol“) findet man das aktuelle Gesuchsformular und die detaillierten Anforderungen, die das einzelne Objekt, z. B. einen Holzzaun, betreffen. Der Antragsteller muss dafür Sorge tragen, dass diese Vorschriften eingehalten werden, und darf erst mit den Arbeiten beginnen oder Materialien ankaufen, nachdem das Gesuch eingereicht wurde.

Die Förderungen werden in der SBB-Broschüre „Investitionsförderung“ beschrieben. Mitglieder erhalten sie kostenlos über „mein SBB“, in den SBB-Bezirksbüros oder bei der Abteilung Betriebsberatung. 

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