Produktion | 01.04.2022

Biodiversität – was tun?

Maßnahmen der Landwirtschaft für die Biodiversität gehen in der Regel mit einem Mehraufwand oder mit ­Produktionsverlust einher. Ein Ausgleich für die Betriebe ist darum unerlässlich. Um diese und andere Handlungsoptionen für Südtirols Landwirtschaft geht es im vierten und letzten Teil der Serie zur Artenvielfalt.

Biodiversität kann man durch Landschafts­elemente wie Trockenmauern fördern.

Biodiversität kann man durch Landschafts­elemente wie Trockenmauern fördern.

Der Fachbericht des Südtiroler Bauernbundes zur Biodiversität listet abschließend Chancen und Möglichkeiten der Landwirtschaft auf. Wichtigste Maßnahme zum Schutz der Biodiversität ist aus landwirtschaftlicher Sicht die Förderung der Vielfalt und Kleinstrukturiertheit der Kulturlandschaft. Landschaftselemente wie Trockenmauern, Hecken, Steinhaufen, Blühstreifen oder Ackerrandstreifen wirken sich grundsätzlich positiv auf die Tier- und Pflanzenvielfalt aus. Am effektivsten sind solche Maßnahmen in Gebieten intensiver Bewirtschaftung wie etwa Obstbauflächen in der Talsohle. 

Optionen für mehr Biodiversität

Als weiterer Baustein wird in dem Fachbericht der sparsame Umgang mit Pflanzenschutzmitteln und Düngern angeführt. Eine Verringerung des Einsatzes dieser Betriebsmittel kommt, wo dies möglich ist, der Biodiversität zugute. Eine weitere Option ist die Verringerung der Bewirtschaftungsintensität durch extensive und biologische Produktion. Auch das trägt zur Tier- und Pflanzenvielfalt bei, wirkt sich allerdings stark produktionsmindernd aus. Einen Beitrag zur Biodiversität leisten auch der Einsatz von autochthonem Saatgut und die Haltung gefährdeter Nutztierrassen. Saatgutbanken spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.

Entgelt notwendig

Im Fachbericht wird darauf hingewiesen, dass Maßnahmen für die Biodiversität meist zu einem Mehraufwand für die landwirtschaftlichen Betriebe oder zu einem geringeren Ertrag führen. Aus diesem Grund ist eine Kompensation des Mehraufwandes von g­rundlegender Notwendigkeit. Von öffentlicher Seite her geschieht dies in erster Linie mit Förderungen wie dem Entwicklungs­programm für den ländlichen Raum. Solche finanziellen Entgelte sind für Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität zwingend notwendig.   

Eine andere Möglichkeit besteht laut ­Fachbericht darin, Mehrleistungen für Biodiversität in der Vermarktung zu nutzen. Als Beispiel wird das Schweizer „Knospe“-Siegel angeführt. Dieses Qualitätssiegel kennzeichnet Produkte, die unter Einhaltung von Biodiversitätsvorgaben hergestellt wurden, und kann somit einen höheren Preis rechtfertigen.

Der Fachbericht weist auch auf einen potenziellen wirtschaftlichen Aspekt von Biodiversitätsmaßnahmen im Bereich des Urlaubs auf dem Bauernhof hin. So könnten UaB-Betriebe besonders von einer vielfältigen Landschaft profitieren, die von Urlaubsgästen geschätzt wird. Einige vielversprechende Projekte dazu gibt es bereits im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie der Sektoren. 

Leitfaden angeregt

Im Hinblick auf die landwirtschaftlichen Organisationen wird in dem Fachbericht die Einführung von übergreifenden Biodiversitätsprojekten angeregt. Ähnlich der Initiative F.R.A.N.Z. des Deutschen Bauernverbands könnten der Bauernbund und die Sektorenverbände einen Leitfaden für biodiversitätsfördernde Bewirtschaftungsmethoden entwickeln und erproben. Wissenschaftliche Partner könnten in das Projekt einbezogen werden. Für den Erfolg der Maßnahmen sollten nicht allein die Effekte auf die Natur ausschlaggebend sein, sondern auch die Wirtschaftlichkeit und die Umsetzbarkeit in den Betrieben.