Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 17.06.2022

„Der Wolf ist für die Biodiversität klar negativ“

Der Schweizer Biologe Marcel Züger referiert am 6. Juli in Vahrn zum Umgang mit Wölfen in der Schweiz – und was Südtirol daraus lernen kann. Züger räumt dabei mit Vorurteilen über die ökologische Bedeutung des Wolfs auf. Und er betont: Herdenschutz funktioniert nicht ohne Bejagung. von Tobias Egger

Züger kommt auf Einladung des Südtiroler Bauernbundes nach Südtirol, um hier von seinen Erfahrungen in der Schweiz mit Wolfsangriffen und Herdenschutz zu berichten.

Züger kommt auf Einladung des Südtiroler Bauernbundes nach Südtirol, um hier von seinen Erfahrungen in der Schweiz mit Wolfsangriffen und Herdenschutz zu berichten.

Marcel Züger ist Diplombiologe (ETH Zürich) und Inhaber des Ökobüros Pro Valladas GmbH, das Beratungen und Ausführung von Naturschutz- und Landschaftspflegearbeiten anbietet. Er publiziert Videos zu Wolfsangriffen und will über den Wolf aufklären. Seine anfängliche Begeisterung über das erstmalige Auftreten des Wolfs in der Schweiz ist nach einigen Jahren gewichen. Mittlerweile sieht Züger die Artenvielfalt in der Kulturlandschaft durch den Wolf stark bedroht. Auch Herdenschutzmaßnahmen sieht der Biologe zunehmend kritisch, auch weil sie ohne massive Bejagung der Wölfe nicht funktionieren würden. 

Südtiroler Landwirt: Herr Züger, Sie sind diplomierter Biologe. Wie stehen Sie zum Wolf? 
Marcel Züger: Ich finde den Wolf eine faszinierende Art. Es gibt aber noch mindestens tausend andere Arten, die ich faszinierend finde. Der Wolf wird derzeit über alle anderen Arten gestellt, obwohl er gar nicht bedroht ist. Losgetreten wurde ein Wolfsschwemme, die auf Kosten ganz vieler anderer Arten geht, die zum Teil selten und gefährdet sind.

Befürworter argumentieren, der Wolf spiele eine wichtige Rolle für das Ökosystem und trage zur Biodiversität bei. Stimmen Sie dem nicht zu? 
Diese Aussage stimmt in der Wildnis. Wir leben aber in einer gepflegten Kulturlandschaft. Die Bergbauernbetriebe erhalten hier eine große Artenvielfalt, die es so in der unberührten Naturlandschaft gar nicht gäbe. Die Wölfe können einzelne positive Aspekte bringen, die Gesamtbilanz für die Biodiversität ist ganz klar negativ.

Den Südtiroler Bauern wird oft gesagt, sie sollen sich die Schweiz zum Vorbild nehmen und Herdenschutz betreiben. Was sagen Sie dazu? 
Auch schlechte Vorbilder sind Vorbilder. (lacht) Im Ernst, wenn Sie etwas von der Schweiz lernen können: Herdenschutz ohne massive Bejagung funktioniert nicht. Wir haben immer mehr Risse in korrekt geschützten Herden. Und die Wölfe weichen auf das nächstschwächere Glied aus: Es gibt immer mehr Angriffe auf Rinder, Esel usw. Jüngst kam ein erfahrener, kräftiger Herdenschutzhund bei einem Wolfsangriff ums Leben. Wenn wir wolfssicher zäunen wollten, müssten wir das wie in den Tierparks machen: über zwei Meter hoch, zusätzlich ordentlich Strom drauf. Das ist unbezahlbar, technisch nicht umsetzbar, und ökologisch wäre das eine wahre Katastrophe.  

Vom Bauernbund eingeladen
Züger kommt auf Einladung des Südtiroler Bauernbundes nach Südtirol, um hier von seinen Erfahrungen in der Schweiz mit Wolfsangriffen und Herdenschutz zu berichten – und was Südtirol davon lernen kann. Der Informationsabend mit dem Titel „Wölfe in der Schweiz – Lehren für Südtirol. Ein Schweizer Biologe berichtet“ findet am Mittwoch, dem 6. Juli, an der Fachschule für Land- und Hauswirtschaft Salern statt. Beginn der Veranstaltung ist um 20 Uhr. Im Anschluss an den Bericht findet eine Diskussion statt. Der Kontakt mit Züger erfolgte über den Ahrntaler Tierhalter und Agronomen Wilhelm Innerhofer, der jüngst neun Schafe bei einem Wolfsangriff zu beklagen hatte.

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung bis zum Montag, 4. Juli, ist erwünscht (SBB-Weiterbildungsgenossenschaft, Tel. 0471 999438; E-Mail: weiterbildung@sbb.it).

 

Marcel Züger: „Herdenschutz ohne massive Bejagung funktioniert nicht.“

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