Arbeitssicherheit | 23.06.2022

Schlangen sind Freunde

Schlangen sind von großem Nutzen in der Landwirtschaft: Diese Aussage mag verwundern – doch erfüllen Schlangen in unseren Wiesen und Feldern tatsächlich wichtige und unersetzliche Aufgaben. von Ivan Plasinger

Eine Gefahr sind Schlangen in unseren Wiesen und Feldern höchstens für verschiedene ­Schädlinge.  Foto: Herpeton

Eine Gefahr sind Schlangen in unseren Wiesen und Feldern höchstens für verschiedene ­Schädlinge. Foto: Herpeton

Jeder Landwirt kennt das Gefühl, wenn er an einem warmen Tag durch seine Güter spaziert und plötzlich die eben noch vorhandene Stille durch ein Rascheln im Gebüsch unterbrochen wird. 

Meist ist es eine harmlose Mauereidechse, aber es könnte auch eine besondere Begegnung mit einer Schlange sein. Die wenigsten freuen sich über eine solche Begegnung: Die einen erschrecken kurz, die einen laufen schreiend davon, aber die allermeisten beobachten mit Verwunderung diese Tiere.

Doch ist der Anblick einer Schlange auf dem eigenen Land wirklich ein solch schlechtes Omen, wie es in manchen Sagen und Mythen steht? Muss der Landwirt sich wirklich sorgen, wenn eine Schlange in seinem Grundstück verweilt?

Die Antwort: Auf keinen Fall, Schlangen sind wertvolle Regulatoren im Kampf gegen die Kleinsäugetiere. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur Aufrechterhaltung des ökologischen Gleichgewichtes.

Schädlinge wie die Feldmaus, die Wühlmaus, der Siebenschläfer oder auch selbst der Maulwurf können nur von Schlangen im Nest verfolgt und erbeutet werden. Hier kann sie kein anderer Fressfeind, wie Fuchs, Turm­falke, Mäusebussard, Katze etc., verfolgen, nur die Schlange. In der Landwirtschaft nimmt die Schlange daher einen besonderen Stellenwert in der biologischen Schädlingsbekämpfung ein.

Leider geschieht es immer wieder, dass Schlangen in der Landwirtschaft versehentlich oder gar aus Absicht getötet werden. Durch den Fadenmäher – auch bekannt als „Summser“ – werden unzählige Schlangen oder Schleichen tödlich verletzt. Eine solche Verletzung überleben die wenigsten Schlangen, auch wenn es oft den Anschein hat, man habe sie kaum verletzt. Schlangen sterben meist nach drei bis vier Tagen qualvoll an solchen Verletzungen. Auch das Schneckennetz, dass im Garten oft zum Einsatz kommt, wird für Schlangen immer wieder zur tödlichen Falle.

Um Schlangen zu unterstützen, stellt man am besten in der Obstwiese sogenannte Steinlinsen, Legesteinmauern oder Steinhaufen auf. Es genügt ein kleiner Aushub (ungefähr 50 bis 100 Zentimeter tief, etwa zwei bis fünf Quadratmeter groß), den man mit Steinen in der Größenordnung von 10 bis 40 Zentimetern auffüllt. Alte Holzstöcke und Äste können in die Steinlinse eingearbeitet werden.

Wer sich fürchtet, von einer Schlange gebissen zu werden, kann beruhigt sein. Schlangen sind Fluchttiere und suchen in der Regel bereits das Weite, bevor man sie überhaupt zu Gesicht bekommt. Zudem sind nur drei der acht Arten, welche hierzulande ansässig sind, giftig. Auch die giftigen Arten sind sehr scheu und nicht aggressiv. Ihr Biss ist zwar nicht zu verharmlosen, jedoch ist er für einen erwachsenen Menschen keineswegs tödlich. Klar ist: Schlangen erfüllen eine sehr wichtige Rolle in unserem Ökosystem, ihr Dasein kommt auch uns Menschen zugute.