Bauernbund, Politik | 21.07.2022

UaB Opfer des Bettenstopps?

Das Landestourismusentwicklungskonzept 2030, von Landesrat Schuler ­eingebracht, schlägt weiter hohe Wellen. Dabei ist der Urlaub am Bauernhof in die Schusslinie geraten.

SBB-Direktor Siegfried Rinner: „Können mit den erreichten Ausnahmen zufrieden sein.“

SBB-Direktor Siegfried Rinner: „Können mit den erreichten Ausnahmen zufrieden sein.“

Der Urlaub auf dem Bauernhof (UaB) scheint das einzige Problem des Südtiroler Tourismus zu sein. Dabei ist der UaB in Südtirol eine Erfolgsgeschichte und hat vielen Betrieben das wirtschaftliche und familiäre Überleben gesichert. Aus der ganzen Welt kommen Delegationen nach Südtirol, um die Marke „Roter Hahn“ und unseren UaB kennenzulernen. Das geht natürlich zu weit! 

Darum hat der dritte Gesetzgebungsausschuss im Landtag beinahe einstimmig beschlossen, dass UaB für Betriebe mit weniger als 1,5 Hektar und mehr als 6 Hektar Obst/Weinbau und mit weniger als 5 GVE der UaB verboten wird. Ist doch klar, denn genau diese Betriebe brauchen ja keinen UaB, denn sie verdienen ja genug aus der Landwirtschaft. 

Entschuldigt meinen Zynismus, aber ohne diesen ist das alles nicht mehr auszuhalten. Nun, ich kann euch beruhigen: Dieser Todesstoß für den UaB wird wohl nicht durch den Landtag gehen. Aber viele von euch haben den Kompromiss – ihr habt sicherlich bereits in einer Tageszeitung davon gelesen – kritisiert, mit dem wir UaB schlussendlich großteils von diesem Bettenstopp draußen haben wollen. Ich denke, dass angesichts der schweren politischen Geschütze, die hier gegen die bäuerlichen Abgeordneten und den Bauernbund aufgefahren werden, wir uns mit den erreichten Ausnahmen zufrieden zeigen können. 

Positiv ist auf jeden Fall, dass Landesrat Arnold Schuler zu diesen Ausnahmen steht und damit dem UaB seine Sonderrolle als wichtiges Einkommensstandbein für unsere Bäuerinnen und Bauern auch weiterhin zugesteht.

Es stimmt mich traurig, dass Vertreter der Südtiroler Volkspartei dem Bauernbund und den bäuerlichen Abgeordneten vorwerfen, sie würden gegen die bäuerlichen Familien arbeiten, weil sie den Bettenstopp für alle Betriebe aufschieben wollten. Ich bin überzeugt, wir sind näher bei den Menschen und ihren Sorgen, als es sich viele Volksvertreter vorstellen können. 

Die ständigen Angriffe von Seiten des HGV sind wir bereits gewohnt, sie überraschen uns daher nicht. Wir werden uns aber auch weiterhin für die Südtiroler Kleinbetriebe einsetzen. 

Aber jetzt muss auf alle Fälle Schluss sein mit solchen Strafmaßnahmen. Dafür haben wir nicht die vergangenen 40 Jahre gearbeitet. Um dieses Schauspiel zu sehen, kommen die Delegationen nicht aus Japan, den USA, China, Kasachstan und vielen anderen Ländern nach Südtirol! 

Sie wollen einen starken Urlaub am Bauernhof sehen, der auch weiterhin seinen Zweck erfüllt, der im Landesgesetz zum UaB folgendermaßen festgeschrieben ist: „Das Land Südtirol unterstützt den ,Urlaub auf dem Bauernhof‘, der darauf ausgerichtet ist, die Entwicklung und die Wiedergewinnung des Gleichgewichts in landwirtschaftlich genutzten Gebieten und den Verbleib der Landwirte im ländlichen Raum zu fördern, die Multifunktionalität in der Landwirtschaft und die Differenzierung der landwirtschaftlichen Einkommen zu unterstützen, die heimischen Produkte und das ortsgebundene Brauchtum aufzuwerten sowie die ländliche Kultur und die Erziehung zu einer gesunden Ernährung zu begünstigen.“ Noch Fragen?