Damit nichts weggeworfen wird
Die Psairer Tafel versorgt rund 80 Familien und Einzelpersonen im Tal mit Lebensmitteln: Teils aus Geschäften, teils über Zuweisungen der Landestafel (banco alimentare). Brigitte Gufler ist die Seele der Tafel, nichts wegzuwerfen ihr Motor. Und konkret helfen kann sie mit weiteren elf Freiwilligen auch.
Freitagnachmittag, 14.30 Uhr in St. Martin in Passeier: Vor dem ehemaligen Bauhof mitten im Dorf warten ein paar Männer und Frauen. Es nieselt. Einlass ist erst in einer halben Stunde, aber die Leute sind geduldig: Sie dürfen bei der Psairer Tafel gegen einen symbolischen Unkostenbeitrag von je zwei Euro einmal pro Woche Lebensmittel beziehen.
Hinter der Tür bereitet Brigitte Gufler schon seit den Morgenstunden alles vor: Sie ist die Koordinatorin der Psairer Tafel und arbeitet, wie alle anderen Helferinnen und Helfer auch ehrenamtlich. In St. Martin hat die Psairer Tafel ihren Hauptsitz mit Lager und drei Außenstellen in Riffian, Moos und seit Kurzem auch in St. Leonhard.
Rund 80 Familien und Einzelpersonen werden betreut
In diesem Jahr feiert die Psairer Lebensmitteltafel ihren zehnten Geburtstag, Präsidentin ist seit den Anfängen die (ehemalige) Bürgermeisterin Rosmarie Pamer – zumindest noch. „Rosmarie war und ist immer für mich/uns da, sie unterstützt mich in allen Belangen, egal ob es die Buchhaltung ist, organisatorische oder bürokratische Fragen“, erklärt Brigitte Gufler. Insgesamt werden rund 80 Familien und Einzelpersonen von der Psairer Lebensmitteltafel unterstützt: Manche sprechen vor und bitten um Unterstützung, andere werden vom Sozialsprengel angesprochen und auf das Angebot aufmerksam gemacht.
Inzwischen sind es nicht mehr nur Rentnerinnen, Rentner und Alleinerziehende, die um Aufnahme bitten, längst schon kommen auch junge Mütter und Väter regelmäßig zur Lebensmittelausgabe. Wie Martina beispielsweise: Die junge Frau erzählt freimütig, welche Erleichterung ihr die Tafel bietet. Trotzdem möchte sie nicht mit ihrem richtigen Namen in der Zeitung stehen. Martina lebt mit ihrem Mann und den beiden Kindern auf einem kleinen Hof etwas oberhalb von St. Martin. Sie haben sich das Wohnhaus soweit hergerichtet, dass sie zwar etwas beengt aber angenehm darin wohnen können. Ihr Mann geht auswärts einer Arbeit nach, sie bleibt bei den Kindern.
Der Hof wirft wenig ab, mit einem Zusatzeinkommen kommt die vierköpfige Familie über die Runden. „Wenn ich einmal pro Woche bei der Tafel Lebensmittel beziehen kann, spare ich mir monatlich rund 150 Euro“, erzählt die junge Mutter. Um die Unterstützung so konkret beziffern zu können, habe sie einen Monat lang auf die Tafel verzichtet und alles im Geschäft eingekauft. Martina schämt sich nicht dafür, die Lebensmitteltafel in Anspruch zu nehmen. Vor allem seit Corona habe sich das geändert.
Damit nichts weggeworfen wird
Brigitte Gufler ist sich des Wertes der Psairer Tafel bewusst, nicht nur für die Leute, die sie in Anspruch nehmen: „Es wäre doch schade, wenn diese Lebensmittel weggeworfen würden!“, sagt sie. Und gleichzeitig könne man Menschen im Tal helfen. „Es ist ja nicht so, dass unsere Kunden ohne die Tafel nicht überleben würden“, räumt sie ein, „aber so sparen sie sich dieses Geld und können damit beispielsweise einem Kind ein Paar ordentliche Schuhe kaufen oder mal zum Pizzaessen gehen.“ Von Diskussionen darüber, wer Anspruch auf die Tafel haben sollte und wer nicht, hält sie nichts: „Auch wenn jemand eine Eigentumswohnung hat, ist das noch kein Grund, sie/ihn nicht zur Tafel zuzulassen. Man kann ja nicht davon essen!“ Und: „Wenn jemand zu uns kommt, gibt es einen Grund dafür.“
Fünf Fahrer und sieben Frauen für die Ausgabe
Brigitte Gufler ist die Seele der Psairer Tafel, hat den Überblick und alles im Griff:...Den ganzen Bericht finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 5 des „Südtiroler Landwirt“ vom 15. März ab Seite 25, online auf „meinSBB“ oder in der „Südtiroler Landwirt“-App.