Spannend: Veterinärmedizin in Wien
Schritt für Schritt kommt Simon Irenberger seinem Traumberuf Tierarzt näher: Der Niederdorfer hat die Aufnahmeprüfung an der VetMed Wien bestanden und studiert nun im vierten Semester. Geschafft hat er das auch dank des Vorbereitungskurses, der ihm vom Südtiroler Bauernbund finanziert wurde.
Simon will Tierarzt werden, eigentlich immer schon. Denn er hat eine besondere Affinität zu Tieren. Deshalb hat er bereits während der Mittelschule ein Schulpraktikum bei einem Tierarzt gemacht. Diese Praktikumswoche war spannend für ihn, der Veterinär betreibt eine eigene Kleintierpraxis in Innichen und betreut auch Großtiere auf den Höfen rundum. Überall durfte Simon während seines Praktikums mit dabei sein, bei den Außendiensten ebenso wie bei kleinen chirurgischen Eingriffen in der Praxis, Kastrationen beispielsweise. Diese frühe Erfahrung mit seinem Traumberuf hat ihn in seinen Zukunftsplänen bestätigt, diesen Weg verfolgt er konsequent.
Intensive Vorbereitungszeit
Simon Irenberger ist Jahrgang 2005, er ist in Niederdorf aufgewachsen. Die ältere Schwester ist gerade dabei, ihren Bachelor in Innsbruck abzuschließen, wo sie sich zur Hebamme ausbilden lässt, der Bruder besucht noch die Wirtschaftsfachoberschule (WFO) in Innichen. Er selber hat das Realgymnasium in Bruneck besucht, die Schule ist ihm immer leichtgefallen. Im Juni 2024 hat Simon die Matura gemacht, besonders dafür vorbereitet hat er sich aber nicht. Denn in den Monaten vorher hat er seine Energie schon ganz in die Aufnahmeprüfung an der Veterinärmedizinischen Universität (VetMed) Wien gesteckt. Im Februar desselben Jahres hat er sich dort nämlich um einen Studienplatz beworben. Dass die hart umkämpft sind, wusste er. Also musste er sich gut vorbereiten. Im März wurden die Prüfungsunterlagen zur Verfügung gestellt: 350 Seiten Biologie, Chemie und Physik. Grundlagen, die es zu beherrschen gilt. Manches war Simon schon bekannt, vieles aber auch Neuland. Simon brachte in Erfahrung, dass der Südtiroler Bauernbund Anwärterinnen und Anwärtern der VetMed den Vorbereitungskurs finanziert. Er bewarb sich für diese Unterstützung, die im Jahr 2024 erstmals angeboten wurde. Mit elf weiteren jungen Südtirolerinnen und Südtirolern wurde er angenommen, der Kurs fand im April in Innsbruck statt: An drei Tagen jeweils von acht Uhr morgens bis 16 Uhr wurde den insgesamt 25 Jugendlichen der Prüfungsstoff vermittelt. Besonders hilfreich war aber, dass die Trainerinnen und Trainer Tipps gaben, welche Themen besonders prüfungsrelevant sind und wie die Prüfung abläuft. Schließlich wurde an Prüfungsfragen gearbeitet, so konnten sich alle ein klareres Bild von der Aufnahmeprüfung machen. Nach den drei Tagen war Simon klar: „Es ist machbar, aber eine gute Einteilung wird entscheidend.“ Zunächst lernte er jeden Tag fünf Seiten des Skripts, später wurden es dann mehr. Immer wieder kaute er den Stoff durch, hilfreich waren dabei auch die Unterlagen und Lernhilfen, die im Vorbereitungskurs ausgehändigt wurden. „Durch den Kurs konnte ich die Schwerpunkte besser legen, bis zur Prüfung habe ich zwar stetig weitergelernt, aber mit insgesamt weniger Stress“, meint der junge Niederdorfer.
Nur 223 Studienplätze für insgesamt 1.407 Bewerber
Zwischen dem Maturaabschluss und der Aufnahmeprüfung in Wien lag ziemlich genau ein Monat. Diese Zeit nutzte Simon konsequent: Während alle anderen ihren Abschluss feierten, lernte er weiter, jeden Tag. Als er sich schließlich in den Zug nach Wien setzte, war er sehr aufgeregt. Ganz optimal lief die Prüfung am 18. Juli nicht. „Ich habe für eine Physikaufgabe zu lange gebraucht, die Zeit ist sehr knapp bemessen, deshalb habe ich ein paar der Aufgaben zeitlich nicht mehr geschafft.“ Entsprechend war Simons Gefühl nach der Prüfung, er war sich alles andere als sicher, sie bestanden zu haben. Aber bereits zwei Wochen später hatte er Gewissheit: Er hatte bestanden und einen der 223 Studienplätze ergattert. Und das bei 1.407 Bewerberinnen und Bewerbern. Hatte er einen Plan B? „Ich hätte es sicher noch einmal versucht“, erzählt Simon. Das Jahr dazwischen hätte er entweder gearbeitet oder das Fach Biologie belegt, sozusagen als Vorbereitung auf den Test. Aber das war dann ja hinfällig, zum Glück!
Erstes und zweites Semester
Er schrieb sich an der VetMed ein und organisierte sich einen Wohnheimplatz. Das war aber nicht schwierig: Die Veterinärmedizinische Universität Wien liegt etwas außerhalb, ein Studentenwohnheim direkt daneben. Dort quartierte er sich ein, viele andere Studentinnen und Studenten seines Studiengangs nutzen dieses Angebot auch. Am 1. Oktober 2024 ging’s dann los, nicht ohne eine kurze Einführung ins Studium. Im ersten Semester ging es vor allem um Grundlagen, in vier Lehrmodulprüfungen (LMPs) wurde das Gelernte abgefragt. So stellt man sicher, dass alle Studierenden etwa auf demselben Stand sind. Auch Anatomie ist ein großer Block, im ersten Semester werden Knochen, Gelenke und Muskeln drangenommen, dazu gibt es jeweils Prüfungen. Das zweite Semester war praktischer, viele Übungen werden dann angeboten, während derer das Wissen gleich abgefragt wird. In der Anatomie geht es mit dem Nervensystem und den Organen weiter. „Lernen muss man ständig“, erklärt Simon, denn jede Woche hat er zwei, drei Teilprüfungen abzulegen. Der Schwerpunkt liegt auf den Wiederkäuern, also Rind, Schaf und Ziege, auf Pferden, Fleischfressern, Schwein und Geflügel. Komplex ist das Ganze, weil sich die Tiere teils stark voneinander unterscheiden, dadurch wird der Stoff sehr umfangreich.
Praktisch und abwechslungsreich
Simon hat bisher alle Prüfungen bestanden, gerade hat er das dritte Semester abgeschlossen: Mit topografischer Anatomie, also einem Sezierkurs, bei dem es um Kopf, Muskeln oder auch Verdauungsorgane geht. Das Studium ist sehr praktisch – und abwechslungsreich, wie Simon bestätigt. Am Ende des vierten Semesters folgt die erste Diplomprüfung mit dem ganzen Stoff von bisher. Zunächst wird in vier Blöcken die Theorie abgefragt. Falls man sie besteht, folgt die praktische Prüfung, die sogenannte „OSPE“. Insgesamt gibt es drei Diplomprüfungen, die letzte endet mit der Diplomarbeit. Aber das ist für Simon noch Zukunftsmusik, er fokussiert sich auf das, was nun ansteht: Er lernt schon für die erste Diplomprüfung.
Der Plan: Erfahrung sammeln und dann die Selbstständigkeit
Von seinen Kommilitonen haben bisher nur ganz wenige das Handtuch geworfen, wie Simon erklärt. Er hat sich inzwischen einen guten Freundeskreis aufgebaut, es sind alles Österreicherinnen und Österreicher. Die meisten sind weiblich, Simon schätzt etwa 70 Prozent. Viele sind Pferdenärrinnen und möchten auch auf dem Gebiet arbeiten. Gefallen würde ihm das auch, aber eigentlich möchte er später einmal eine Praxis haben wie der Tierarzt, bei dem er als Mittelschüler sein Schulpraktikum gemacht hat: eine Ordination für Kleintiere auf Anmeldung und gleichzeitig als Großtierpraktiker auf den Höfen unterwegs sein. Er hat auch vor, nach Südtirol zurückzukommen, aber nicht gleich nach dem Studium: „Zunächst möchte ich Erfahrungen sammeln und mich dann in Südtirol selbstständig machen“, erzählt er. Wien gefällt ihm übrigens gut: Das Wetter – vor allem im Winter – weniger, aber die Stadt findet er toll. Und das Studium zwar fordernd, aber spannend und abwechslungsreich. Er hat für sich die richtige Wahl getroffen.