Optimistisch nach vorne schauen
In Brüssel stehen für dieses Jahr die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und der mehrjährige Finanzrahmen auf der Tagesordnung. Welche Auswirkungen diese Entscheidungen auf die Südtiroler Landwirtschaft haben, war zentrales Thema der Vollversammlung des Bauernbund-Bezirks Bozen in Nals.
Auf ein gutes Landwirtschaftsjahr konnte Bauernbund-Bezirksobmann Oswald Karbon bei der Bezirksversammlung zurückblicken. „Die Heustadel sind sehr gut gefüllt, die Qualität des Heus ist vielversprechend. Gut waren im vergangenen Jahr auch die Preise für Milch und Vieh“, fasste Karbon zusammen. Zufrieden seien auch die Obstbauern: „Mengen und Qualität der Ernte 2025 sind gut. Die Vermarktung ist wegen der Mengen etwas schwieriger, doch die Saison ist noch lang.“ Nach einigen schwierigen Jahren war 2025 zudem ein gutes Forstjahr. „Die Schäden durch den Borkenkäfer gingen zurück, der Holzpreis stieg.“ Ein sehr gutes Jahr verzeichnete auch der Urlaub auf dem Bauernhof.
Die Herausforderungen
Trotz der positiven Bilanz waren im vergangenen Jahr auch Herausforderungen zu bewältigen. „Die ungünstige Witterung hat die Weinlese erschwert. Dennoch erwarten sich die Fachleute wieder einen guten Jahrgang“, erklärte Karbon. Sorgen bereitet jedoch der stagnierende Absatz: „Damit müssen wir uns intensiv beschäftigen und neue Märkte erschließen.“ Auch der Pflanzenschutz im Obstbau werde zu einer immer größeren Herausforderung. „Zum Glück scheint es auf europäischer Ebene ein Umdenken zu geben. Pflanzenschutz bedeutet nämlich auch Ernährungssicherheit“, unterstrich der Bezirksobmann. Zunehmend belasten Bürokratie sowie hohe Betriebs- und Investitionskosten die Betriebe.
Verbandspolitisch standen 2025 das bäuerliche Eigentum, die Grundnutzung bei Infrastrukturprojekten wie der Bahnlinie Bozen–Meran sowie das Gemeindeentwicklungsprogramm im Fokus. Karbon begrüßte die Anpassung des Höfegesetzes, um sicherzustellen, dass Bauernhöfe in Bauernhand bleiben. Der Bezirksbauernrat befasste sich außerdem mit Agri-Photovoltaik und den Natura-2000-Bestimmungen. „Einschränkungen in der Bewirtschaftung von Natura-2000-Flächen müssen entschädigt werden“, bekräftigte Karbon. Einen größeren Fortschritt hätte er sich beim Wolfsmanagement gewünscht. Positiv hob Karbon die neue Alpungsprämie hervor.
Die Schwerpunkte
„Wir setzen einen Schwerpunkt bei Investitionen in der Viehwirtschaft“, erklärte Landesrat Luis Walcher. Auch die Aufzucht werde gezielt gefördert. Trotz rückläufigem Schaddruck durch den Borkenkäfer bleiben die Förderungen in Höhe von 20 Millionen Euro für Waldpflegemaßnahmen bestehen, sicherte er zu. Ein weiterer Schwerpunkt sei die Instandhaltung des ländlichen Wegenetzes und der Forststraßen. Ein stärkerer Fokus liegt auf der Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte. Auf die Schwerpunkte des Südtiroler Bauernbundes ging Landesobmann Daniel Gasser ein. „Wir werden die Verhandlungen zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik sehr genau verfolgen und uns aktiv einbringen, denn es geht um sehr viel.“ Direktor Siegfried Rinner beleuchtete die anstehende Reform. Zwar gebe es noch viele offene Fragen, die Leitplanken seien jedoch gesetzt. „Die EU will Wettbewerbsfähigkeit, Innovation, Digitalisierung sowie Nachhaltigkeit stärken, das Einkommen sichern, den Generationswechsel und den Klimaschutz fördern und die Lebensqualität im ländlichen Raum verbessern. Damit sind wir einverstanden.“ Die geplanten Budgetkürzungen von 22 Prozent sowie Teile der Agrarreform lehnt der Bauernbund jedoch ab. „Um die gesetzten Ziele zu erreichen, braucht die Landwirtschaft nicht weniger, sondern mehr Geld. Dafür werden wir uns starkmachen.“ 2026 rückt der Südtiroler Bauernbund die soziale Absicherung in den Mittelpunkt. Die Bereichsleiterinnen im Bauernbund-Bezirksbüro Bozen, Marion Siessl und Julia Kröss, informierten über verschiedene soziale Themen und appellierten, rechtzeitig an die Rente zu denken. Da es künftig keine Mindestrente mehr gibt, werde eine Zusatzrente immer wichtiger.
Erbhofurkunde für Familie Regele
Feierlicher Höhepunkt der Bezirksversammlung war die Verleihung der Erbhofurkunde an Familie Regele vom Kallerhof/Regelehof in Nals. Seit Ende des 18. Jahrhunderts befindet sich der Hof im Eigentum der Familie. Landesrat Luis Walcher unterstrich in seiner Laudatio: „Familie Regele hat den Hof stetig weiterentwickelt und an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst. Die Erbhofurkunde ist eine Anerkennung für die geleistete Arbeit und das Festhalten an der Landwirtschaft.“ Grußworte überbrachten der Landtagsabgeordnete Franz Locher, die Bezirksbäuerin Veronika Mahlknecht Stampfer sowie der Bezirksobmann der Südtiroler Bauernjugend, David Nussbaumer. Die Bezirksbäuerin erinnerte dabei an das für 2026 ausgerufene Internationale Jahr der Bäuerin, das dazu dienen soll, die Leistungen der Bäuerinnen verstärkt in den Mittelpunkt zu rücken.