Seniorenvereinigung | 30.11.2021

Für ein gutes Miteinander

Das Zusammenleben mehrerer Generationen ist nicht immer einfach – besonders auf einem Bauernhof nicht. Bei einer Tagung in Nals erhielten bäuerliche Familienmitglieder Tipps, wie ein gutes Miteinander gelingt.

Damit das Zusammenleben mehrerer Generationen am Hof gelingt, braucht es Wertschätzung, Respekt und Toleranz.

Damit das Zusammenleben mehrerer Generationen am Hof gelingt, braucht es Wertschätzung, Respekt und Toleranz.

Um Konfliktsituationen vorzubeugen, haben die Seniorenvereinigung im Südtiroler Bauernbund, die Südtiroler Bäuerinnenorganisation, die Südtiroler Bauernjugend und der Südtiroler Bauernbund gemeinsam eine Tagung organisiert. Besonders während der Lockdowns traten mehr Menschen als gewöhnlich mit ihren Sorgen an die bäuerlichen Organisationen heran. Oft fühlten sie sich in ihrer Familie einsam oder es gab Konflikte zwischen den Generationen, die am Hof zusammenleben.

Gespräche wichtig

 „Generationenkonflikte gibt es seit jeher. Die Generationen haben unterschiedliche Meinungen und Herangehensweisen. Aber durch Gespräche können diese Verschiedenheiten überwunden und ein gemeinsamer Weg gefunden werden“, sagte Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler. Für Landesbäuerin Antonia Egger war klar: „Besonders innerhalb der Familie ist ein gutes Auskommen wichtig. Dass ein Partner von außerhalb des Hofes kommt, erschwert die Situation zusätzlich, denn es treffen zwei Welten aufeinander. Jede Familie hat andere Gewohnheiten und Rituale. Es braucht einige Zeit, bis man das begreift und akzeptiert.“ Die Landesvorsitzenden der Südtiroler Bauernjugend, Angelika Springeth und Raffael Peer, unterstrichen, dass ein respektvolles Zusammenleben am Hof die wichtigste Grundlage für ein erfolgreiches Wirtschaften sei.

Lebensberatung hat immer offenes Ohr
Die Landespräsidentin der Seniorenvereinigung im Südtiroler Bauernbund, Theresia Larcher, berichtete in ihren Grußworten von ihren Erfahrungen: „Viele Seniorinnen und Senioren hätten während des letzten Lockdowns Hilfe und Unterstützung gebraucht, aber sie haben sich nicht getraut, etwas zu sagen. So sind sie vereinsamt. Erst als wir im ‚Seniorenboten‘ ein Interview mit der ‚Lebensberatung für die bäuerliche Familie‘ veröffentlichten, haben sich viele Senioren gemeldet und Hilfe angenommen.“
Die Lebensberatung war gleich zur Stelle und hatte für alle Anliegen ein offenes Ohr. Die Organisation gibt es seit 2009. Gestartet ist sie mit zwölf freiwilligen Frauen, aktuell bieten 25 Frauen und ein Mann ehrenamtlich Beratungen an.

Herausforderungen sind überall dieselben
Seit sieben Jahren sind Susanne Fischer und Erhard Reichsthaler als Sozial- und Eheberater tätig. Überall, wo sie hinkommen, sind die Herausforderungen dieselben: Partnerschaft, Schwiegereltern und die Kindererziehung. Aber auch das Thema Hofübergabe begegnet den beiden immer wieder. Mit viel Witz und Leichtigkeit präsentierten sie den rund fünzig Teilnehmerinnen und Teilnehmern das sonst ernste und bedrückende Thema der Generationenkonflikte. Die große Herausforderung auf den Höfen sei, dass dort zwei Systeme zusammentreffen, die eigentlich nicht vermischt werden dürften: das System Arbeit und das System Familie. Beide Systeme würden unterschiedlich funktionieren. Das sei die große Herausforderung. „Die Bäuerinnen und Bauern in Österreich sind sehr außenorientiert und möchten nicht, dass familiäre Konflikte nach außen getragen werden. So kommt es, dass jede Familie denkt, sie sei die einzige mit einem Konflikt. Jedoch ergeht es den anderen Familien genauso“, erklärte Erhard Reichsthaler. Deshalb sei eine Konfliktkultur so wichtig, denn durch das Reden kann man viele Probleme lösen.

Nicht immer leicht, aber zielführend: Nicht über Schwiegerfamilien schimpfen
Ein weiterer Ratschlag von Fischer und Reichsthaler war, niemals über die Schwiegerfamilie zu schimpfen. Jede Familie sei eben anders. Aus Liebe zum Partner sollte man dessen Familie respektieren. Ebenso wichtig sei, tolerant zu sein. Damit das gelinge, brauche es in einem Mehrfamilienhaus klar getrennte Privatbereiche für jede Familie. „Abstand macht Toleranz erst möglich“, erklärte Susanne Fischer. Für gemeinsam genutzte Bereiche brauche es klare Regeln, z. B. wer diese reinigt und wie oft. Und manchmal müsse man einfach beide Augen zudrücken. Ansonsten sei ein Mehrgenerationenhaus ideal zum Leben und für die Kindererziehung. „Wenn mehrere Generationen vor Ort sind, dann können die Kinder von jedem etwas anderes lernen.“
Ebenso wichtig sei es, die Hofübergabe offen zu besprechen und klar zu regeln. „Wir sehen immer wieder, dass dieses Thema zu wenig Achtung erhält“, so die Referenten. Hofübergeber wie Hofübernehmer müssen sich im Klaren sein, was sie fordern bzw. zu welchen Bedingungen sie den Hof übernehmen.

Altbäuerin und Altbauer Wertschätzung entgegenbringen
Wichtig sei auch den Altbäuerinnen und Altbauern für ihre weitere Mithilfe am Hof dankend gegenüber zu treten und ihnen eine Gegenleistung zu geben. Reichsthaler erläuterte: „Man sollte mit den Seniorbauern umgehen wie mit einem Nachbarn, um Hilfe bitten, eine Gegenleistung erbringen und sich bedanken.“ Mit diesen kleinen und großen Gesten könne das Leben auf einem Bauernhof mit mehreren Generationen gelingen. Wertschätzung, Respekt und Toleranz sind die Grundlage für ein gutes Miteinander.