Markt, Innovation | 21.12.2021

Stadelgespräch: Der Preis ist heiß

Das zweite Stadelgespräch, diesmal bei winterlichen Temperaturen am Afingsbruckhof im Sarntal, war wieder ein voller Erfolg. In lockerer Runde diskutierten Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter über das Thema ­Preisgestaltung.

Eine angeregte Diskussion beim zweiten Stadelgespräch am Afingsbruckhof im Sarntal

Eine angeregte Diskussion beim zweiten Stadelgespräch am Afingsbruckhof im Sarntal

Mit den Stadelgesprächen organisieren die Abteilungen Innovation & Energie und Marketing im Südtiroler Bauernbund einen Stammtisch für Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter. Das Zusammentreffen von jahrelanger Praxis und jungem Wissen macht den Stammtisch zu einem spannenden Treffpunkt. Das zweite Mal fand das Treffen am Afingsbruckhof im Sarntal statt. 

Direktvermarktung im Vollerwerb

Robert Thurner und seine Frau führten die Gäste durch ihren Betrieb und schufen im Gewächshaus eine tolle Atmosphäre für die gesellige Runde. Familie Thurner kann durch ihr erfolgreiches Direktvermarktungskonzept allein vom Hof leben. Fundament dafür ist eine funktionierende Preisgestaltung. 

Das Thema Preis wurde unter den Teilnehmenden heiß diskutiert. „Die drei Hauptfaktoren, die man bei der Preiskalkulation mit einrechnen muss, sind Energie, Verpackung und Arbeit“, sagte Robert Thurner. „Wir dürfen unsere Arbeit nicht zu niedrig einberechnen und uns mit 20 bis 30 Euro pro Arbeitsstunde zufriedengeben. Wir dürfen auch mehr verdienen, denn es steckt ein ganzes Jahr Arbeit hinter unseren Produkten.“ Das müsse man auch den Kunden so kommunizieren. Es gebe immer einen Marktkollegen, der zu einem billigeren Preis anbietet, doch man müsse authentisch sein und zu sich und der eigenen Arbeit stehen. „Wenn die Qualität passt, kaufen die Kunden auch mit einem fairen Preis wieder“, meinte Thurner. 

Über Arbeitsaufwand und Produktrarität

Die genaue Berechnung der Arbeitsstunden ist nicht immer leicht, und manchmal rentieren sich nicht alle Tätigkeiten auf Anhieb. „Wenn ich eine lange Strecke für einen Bauernmarkt oder ein Event zurücklegen muss, dort aber kaum etwas verkaufe, ist das eigentlich nicht rentabel. Wenn dann aber ein Kunde den Weg zu meinem Hof auf sich nimmt, um Produkte wiederzukaufen, dann hat es sich doppelt gelohnt“, unterstrich der Bauer. Außerdem dürfen Produkte auch zu gewissen Jahreszeiten ausgehen. Produkte, die es nicht mehr gibt, werden für Kunden interessanter. Bietet man sie dann wieder an, verzeihen die Kunden sogar einen Preisanstieg. 

Preisunterschiede geschickt nutzen 

Auch die Preisunterschiede für Endkunden, Lebensmitteleinzelhandel und Großhandel waren ein wichtiges Thema. „Den besten Preis bekomme ich vom Endkunden am Bauernmarkt. Von Geschäften bekomme ich zwar einen niedrigeren Preis, aber man muss diese Verkaufspunkte als Werbefläche sehen. Die Produkte werden in den Regalen ins rechte Licht gerückt, und Kunden werden aufmerksam. Jeder Direktvermarkter braucht Werbung, ich sehe die Geschäfte als Werbefläche“, ergänzte Thurner. Der Verkauf der Produkte an den Großhandel oder an den Lebensmittel­einzelhandel bringt zwar oft geringere Einnahmen, durch die Produktplatzierung wird aber gleichzeitig indirekt Marketing betrieben. In den Geschäften kann so Vertrauen und eine Kundenbeziehung zum Produkt aufgebaut werden. Dadurch werden Marke, Betrieb und Produkt bekannt und erhalten gleichzeitig einen Wiedererkennungswert. Damit gelingt es, Kundinnen und Kunden zu binden und sie so auf die Produktvielfalt am eigenen Hof aufmerksam zu machen. 

Noch genug Gesprächsstoff …

Kosten, die den Preis beeinflussen, liegen nicht nur im Marketing und im Arbeitsaufwand, das Thema Verpackungsmaterialien oder Verarbeitungsmethoden spielen hierbei eine große Rolle. Auch diese Themen wurden beim Stadelgespräch am Afingsbruckhof angeschnitten und diskutiert. Das Interesse am gegenseitigen Austausch war deutlich zu spüren, und man konnte sehen, dass der Gesprächsstoff für die Stadelgespräche definitiv noch nicht ausgegangen ist.

Weitere spannende Themen können Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter ganz unter sich bei den kommenden Stadelgesprächen diskutieren. Interessierte können sich bei folgenden Kontakten melden: Marion Götsch, E-Mail: marion.goetsch@sbb.it, Tel. 0471 999418, oder Janine Gamper, E-Mail: janine.gamper@sbb.it, Tel. 0471 999226.